02.02.2008

Günter Delzepich über Gewicht und Medizinbälle

»Ich war nur etwas kräftiger«

Wenn Aachens 100-Kilo-Mann Günter Delzepich zum Freißstoß antrat, stand der Mauer der Angstschweiß auf der Stirn. Wir sprachen mit dem freundlichen Riesen über Medizinball-Weitschuss, den Tivoli und seinen Spitznamen »Pressschlag«.

Interview: Peter Wagner Bild: Archiv
Herr Delzepich, Sie sind 1,91 Meter groß und wogen zu Ihrer aktiven Zeit über 100 Kilogramm. Gab es Spieler, die Angst davor hatten, gegen Sie zu anzutreten?

Nee, kann ich mir nicht vorstellen. Zumindest hat es mir keiner gesagt. Warum auch? Vielleicht war es mal unangenehm, in der Mauer zu stehen, aber Angst davor gegen mich zu spielen? Ne, das glaube ich nicht.



Da gibt da diese Anekdote mit dem Medizinball, Herr Delzepich. Was geschah wirklich?


Wir haben Krafttraining mit Medizinbällen gemacht und aus irgendeinem Grund lag der Ball dann einmal am 16er. Dann habe ich gesagt: »Ich mach’ ihn rein.« Die anderen wetteten dagegen. Naja, ich habe ihn drüber geschossen. So ist das ganze entstanden. Das war einfach so ein Jux.

Und Sie haben es auch nie mehr probiert? Oder war es nicht mehr interessant, weil es ohnehin klar war, dass Sie es schaffen?


Ins Tor war sowieso kein Problem, drüber zu schießen hat mich selber etwas gewundert, so leicht ist ein Medizinball ja nicht. (lacht) Aber das geht schon.

Passierte es, dass Sie manchmal wegen ihrer körperlichen Vorteile jemanden umrannten obwohl Sie es gar nicht wollten?

Das passierte schon des Öfteren, ja.

Aber Sie blieben immer fair?


Ja, sogar zu fair. (lacht)

Wirklich?


Ja. (lacht wieder) Och, ich glaube, aus diesem Körper hätte man noch mehr machen können, aber das war nicht meine Mentalität, insofern bin ich an sich immer fair gewesen.

Welche Position haben Sie eigentlich genau gespielt?


Am Anfang war ich im Sturm, dann im Mittelfeld.

Wären Sie nicht geeigneter gewesen für das Tor oder als Verteidiger?


Nachher, gegen Ende, spielt man dann natürlich ein bisschen mehr hinten, als Libero zum Beispiel, den es damals ja noch gab. Aber an und für sich habe ich mich Mittelfeld ganz wohl gefühlt.

Wäre nicht Basketball eine gute Option neben dem Fußball gewesen?

Mit 191 cm ist man kein Großer. Die Breite war eher da, die Höhe nicht so (lacht).

Aber als Zehnkämpfer hätte man sich Sie auch vorstellen können.


Ja, das schon eher.

Sie waren in Deutschland immer nur bei Alemannia Aachen in der zweiten Liga. War es damals gemütlicher, weniger professionell?

Es war alles weniger öffentlich als heute. Es wurde nicht jedes Spiel übertragen, da war man froh, wenn ein kleiner Bericht in der Sportschau kam. Aber von Live-Übertragung aus der zweiten Liga, vor allem von der Alemannia, war da noch keine Rede.

Und die Stimmung auf den Rängen?


Die Zuschauer waren nicht so verwöhnt, wie sie es heute durch das Fernsehen sind. Dementsprechend war damals auch eine ganz andere Stimmung. Heute herrscht viel Zirkus, damals waren viele Fußballfans da. Deswegen war die Stimmung auch ganz gut.

War diese Stimmung geprägt durch den Aachener Kampffußball, der damals berühmt und berüchtigt war?

Ja. Zumindest zu Hause hatten wir schon diesen Spielstil „hauruck und drauf“. Das war nun mal Tivoli-Atmosphäre und wurde auch von den Zuschauern verlangt. Da wurde man dazu getrieben, ein bisschen mehr zu tun als normalerweise.

Und Sie waren einer der Publikumslieblinge?

Ich hoffe doch!

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