14.08.2008

Gregor Weinreich im Interview

»Die Kurve ist der Motor«

Als Fan des FC Bayern hat man es nicht leicht. Ständig gibt es blöde Sprüche, sogar vom eigenen Verein. Wir sprachen mit Gregor Weinreich vom »Club Nr. 12« über die Stimmung in München, den neuen Fanrat und die Fähnchen der ARD.

Interview: Fabian Jonas Bild: Imago
Der Club Nr. 12 stellt keinen offiziellen Fanklub des FC Bayern dar, sondern ist eine übergreifende Dachorganisation von Bayern-Anhängern unterschiedlichster Couleur.  Schon seit  1997 setzt sich der C12 für die Belange der Fans ein und genießt, so dachte man zumindest, weithin großes  Ansehen.

Doch nach Uli Hoeneß’ inzwischen legendärem Wutausbruch auf der Jahreshauptversammlung 2007 bescheinigte Karl-Heinz Rummenigge der Fan-Vereinigung »eine ganz beschissene Rolle« zu spielen, offenbar beleidigt davon, dass die Fans seinen goldigen Vorschlag, eine Blaskapelle in der Südkurve zu installieren, dankend abgelehnt hatten.

Derzeit hat der Club Nr. 12 rund 1000 Mitglieder, darunter viele Vorsitzende der zahlreichen Fanklubs. Wir sprachen mit Gregor Weinreich, dem Vorsitzenden der Vereinigung.



Hinter den Fans des FC Bayern liegt eine ereignisreiche Saison, nicht nur, was das Sportliche betrifft. Der negative Höhepunkt war Uli Hoeneß’ Wutrede auf der Jahreshauptversammlung, auf der er und Karl-Heinz Rummenigge die Fans, und insbesondere den Club Nr. 12, scharf angriffen. Wie haben Sie das erlebt?

Jetzt zu Beginn der neuen Saison kommt mir es vor, als wäre das vor zehn Jahren gewesen. Uns hat das alles sehr unvorbereitet getroffen, aber innerhalb von ein paar Wochen war das auch wieder ausgeräumt.

Wie konnte es denn soweit kommen? Schließlich existiert der C12 schon seit Jahren.

Überraschend war es vor allem deshalb, weil wir zwei Wochen vor der Jahreshauptversammlung noch ein sehr gutes Gespräch mit Uli Hoeneß hatten und es in der Zwischenzeit überhaupt keine Probleme gab. Offensichtlich hat er aber irgendwas in den falschen Hals bekommen, und man weiß ja, dass er dann sehr emotional reagiert.    

Trotzdem war es doch merkwürdig, dass ausgerechnet der C12 so kritisiert wurde. Bei der Ultra-Gruppe »Schickeria München« ist das einfacher zu erklären, die war bei den Verantwortlichen noch nie sonderlich beliebt und wird es wohl auch nicht mehr werden.


Den Club Nr. 12 hat ja Karl-Heinz  Rummenigge namentlich kritisiert. Wahrscheinlich deshalb, weil in einem Wortbeitrag zuvor vom C12 die Rede war, wenngleich auch nur in Bezug auf das geplante Fan-Museum. Ich würde das nicht überbewerten...

Eine Woche später in der Sendung »Blickpunkt Sport« des Bayrischen Rundfunks hat Hoeneß aber schon von zwei Gruppierungen gesprochen, um die es gehe. Dementiert hat er die Zuordnung der Moderatorin, dabei handele es sich um die Schickeria und den Club Nr. 12, nicht.

Stimmt. Diesen ganzen Auftritt, der ja nicht aus einer spontanen Emotion heraus  entstand, sondern Tage lang geplant war, verstehe ich bis heute nicht wirklich. Aber wir beschäftigen uns jetzt mit der neuen Saison, nicht der alten.

Sie erwähnen Karl-Heinz Rummenigge. Dieser hatte vorgeschlagen, eine Blaskapelle in der Kurve zu installieren und sich dann beschwert, als die undankbaren Fans das ablehnten. Kommt man sich da nicht verschaukelt vor?

Bei einem so großen Verein wie dem FC Bayern ist es wohl – leider – normal, dass der Vorstand der Aktiengesellschaft sich nicht immer in den einfachen Fan in der Kurve hinein versetzen kann. Umgekehrt wahrscheinlich auch nicht.

Von besonderer Kenntnis der Fanszene spricht das aber nicht gerade.

Sicher nicht, offensichtlich hatte er sich auch mit niemandem aus der Fanbetreuung abgesprochen, sonst hätte ihm klar sein müssen, dass der harte Kern der Fans solche Vorschläge ablehnt.

Der Fanbeauftragte und ehemalige Torwart Raimond Aumann steht ja auch nicht gerade im Ruf, ein Ultra oder Kuttenträger zu sein.

Das ist so ein Schubladendenken. Raimond Aumann immer als absolut ahnungslos hinzustellen ist in ganz Fan-Deutschland recht populär, aber deshalb trotzdem nicht richtig. Als er vor 10 Jahren angefangen hat, war es wahnsinnig schwer für ihn, aber seitdem hat er sich natürlich sehr mit der Thematik auseinander gesetzt und weiß viel besser Bescheid, als die meisten denken.

Wie steht es denn mittlerweile um das Verhältnis zwischen Fans bzw. dem C12 und Verein?

Das Tagesgeschäft läuft wieder sehr gut, aber im Hinterkopf wird wahrscheinlich immer ein bisschen was hängen bleiben.

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