Golferin Caroline Masson über Routinen, Kahn und Schalke

»Beim Golf kann man nicht perfekt sein«

Caroline Masson ist momentan die beste deutsche Golfspielerin – und seit ihrer Kindheit Fan von Schalke 04. Ein Gespräch über elitäre Golfklubs, Wayne Rooneys Pinkelfauxpas und den perfekten Schlag.

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Caroline Masson, was kann man vom Golf lernen?
Demut und Geduld.
 
Was meinen Sie damit?
Beim Golf kann man nicht perfekt sein. Es gibt immer etwas zu verbessern. Ein Golfspieler verlässt den Platz fast nie mit dem Gefühl, gewonnen zu haben.
 
Ist es dann nicht erstaunlich, dass jemand wie Oliver Kahn so leidenschaftlich Golf spielt?
Im Gegenteil. Ein 6:0, 6:0 wie im Tennis oder ein 4:0 wie im Fußball gibt es zwar nicht, doch Golf lehrt deswegen auch Ehrgeiz. Und ich muss Ihnen nicht erzählen, dass Oliver Kahn ein sehr ehrgeiziger Typ ist.
 
Er soll mal ein Handicap von 7,5 gehabt haben.
Sehen Sie! Das ist ziemlich gut, aber eben nicht perfekt. Er weiß, dass da noch mehr geht. Sehr ehrgeizige Leute packt dieses Spiel deswegen besonders.
 
Gibt es Parallelen zwischen Golf und Fußball?
Der große Unterschied ist erst einmal, dass Golf eine Einzelsportart ist. Das heißt: Nur du alleine bist für Sieg oder Niederlage verantwortlich. Gemeinsamkeiten gibt es in punkto Druck. Vergleichen Sie mal ein Elfmeterschießen mit einer Putt-Situation. Man hat extrem viel Zeit, über diese Situation nachzudenken. Und damit sind wir wieder bei Oliver Kahn – denn solche Situationen machen für ihn sicherlich auch den Reiz des Golfsports aus.

>> Fußballer und Golf: Eine Bildergalerie
 
Oliver Kahn hat immer von dem Tunnelblick gesprochen, um mit dem Druck klarzukommen. Wie ist es bei Ihnen?
Golfspieler haben Routinen und Automatismen. Bei mir ist es so, dass ich vor jedem Schlag zwei Probeschwünge mache, hinter den Ball gehe, mich dann aufrichte und das Ziel fokussiere. Ich denke, dass auch Fußballer vor Elfmetern solche Automatismen abspulen, auch wenn sie diese vielleicht nicht so bewusst vollziehen wie wir.
 
Früher war es unter den Fußballern gang und gäbe, zum Ausgleich Golf zu spielen. Nach Franz Beckenbauer ist sogar ein Course benannt. Heute interessieren sich die Profis mehr für Playstation, oder?
Manchmal sehe ich noch Profis bei Golf-Turnieren. Vor allem wenn wir in München die Ladies Open spielen. Letztes Mal war zum Beispiel Bastian Schweinsteiger zu Gast, auch Oliver Kahn ist häufig da. Aber klar: Es gibt viel mehr Beschäftigungsmöglichkeiten als früher. Die Spieler haben ihre Computer und Smartphones, ihre Twitter- und Facebook-Profile. Vielleicht ist Golf auch nicht mehr so angesagt unter Fußballern wie früher.
 
Immerhin spielt Wayne Rooney noch ganz gerne.
Tatsächlich?
 
In Südafrika soll er mal einen Stein auf einem Golfcourse bepinkelt haben. Es gab ziemlichen Ärger mit dem Platz-Manager.
Schöne Geschichte, kannte ich noch gar nicht. Aber passt ja zu ihm. (lacht)
 
Stimmt das Klischee denn noch: Fußball, der Rowdy- und Golf, der High-Society-Sport?
Golf wird immer ein stückweit elitär bleiben, schließlich brauchst du nicht nur einen Ball und einen Bolzplatz vor der Tür. Dadurch wirkt der Sport vielleicht etwas unnahbarer als Fußball. Viele Leute trauen sich gar nicht erst, einen Golfplatz zu besuchen. Allerdings tun die Verbände momentan viel dafür, dass der Sport öffentlicher wird und niemand mehr davor zurückschrecken muss, einen Golfschläger in die Hand zu nehmen.
 
Was würde passieren, wenn der volltätowierte Kevin-Prince Boateng in einem Golfklub erscheint?
Es gibt Golfklubs, die ein bisschen privater sind und wo man komisch gucken würde. Aber ich kenne auch zahlreiche Klubs, wo jeder willkommen wäre und jemand wie Kevin-Prince Boateng vermutlich richtig gefeiert werden würde.
 
Sie sind Schalke-Fan. Gibt es einen Spieler aus dem aktuellen Kader, mit dem Sie gerne mal Golf spielen würden?
Mit Benedikt Höwedes. Ich finde es super, dass er in so jungen Jahren Kapitän auf Schalke geworden ist. Außerdem wirkt er sehr sympathisch.
Sie sind in Gladbeck geboren. Wird man dort automatisch Schalke-Fan?
Vermutlich. Gladbeck liegt 14 Kilometer von der Arena entfernt, und in unserer Familie sind alle Schalke-Anhänger. Früher bin ich oft mit meinem Bruder raus und habe gepöhlt.
 
Als Sie acht Jahre alt waren, gewann Schalke den Uefa-Cup. Damals rannten die Kinder mit Wilmots- und Anderbrügge-Trikots auf den Bolzplatz und spielten das Elfmeterschießen nach. Was haben Sie gemacht? Von Bernhard Langer geschwärmt?
Ich habe beides gemacht. (lacht) Natürlich hatte ich auch Golf-Helden, unter anderem Bernhard Langer. Später fand ich Martin Kaymer toll. Allerdings ist das mit Idolen im Golf nicht so einfach, der Sport wird einfach zu selten im Fernsehen übertragen.
 
Doch wenn Sie mal den Ryder Cup gesehen haben, sind Sie danach rausgegangen und haben die Schläge der Großen imitiert?
Durchaus. Es gibt da zum Beispiel einen Tiger Woods’ Schlag. Die Entfernung zum Loch betrug etwa 20 Meter. Der Ball rollte und rollte und blieb vor dem Loch beinahe stehen – doch mit der letzten Umdrehung fiel er dann doch hinein. Ich habe mir die Szene immer und immer wieder angeschaut – und natürlich hat der Schlag zahlreiche Nachwuchsgolfer inspiriert und angespornt.
 
Wie häufig sind Sie heutzutage in der Arena auf Schalke?
Ich bin leider viel unterwegs, doch wenn ich mal zu Hause bin, dann gibt es nichts Besseres, als Auf Schalke zu gehen. Zuletzt war ich beim Champions-League-Spiel gegen Steaua Bukarest.

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Was machen Sie, wenn Sie im Ausland unterwegs sind?
Wann immer es möglich ist, schaue ich mir die Spiele übers Internet an. In den USA werde ich von den anderen Spielerinnen immer ein bisschen schräg angeguckt, wenn ich gebannt vor der Kiste sitze und Schalke gegen Hamburg oder Bayern spielt.
 
Die Golfspielerin in Ihnen muss beim Spiel gegen Bayern unruhig geworden sein.
Weil die Bayern nahezu perfekt gespielt haben? Nun, es war wirklich das beste Spiel, das die Bayern bislang unter Guardiola gezeigt haben. Aber vermutlich geht es noch besser.
 
Frau Masson, Sind Sie Traditionalistin?
Schalke-Fans geben naturgemäß sehr viel auf Tradition.
 
Was werden Sie am Samstag vor dem Fernseher rufen, wenn Schalke gegen Hoffenheim spielt?
Ich wohne momentan in Mannheim und bekomme daher ganz gut mit, was bei der TSG passiert. Außerdem trainiere ich im Golfklub von Dietmar Hopp. Ich bin also befangen. (lacht). Im Ernst: Ich finde eine gewachsene Fankultur im Fußball immens wichtig, dennoch kann ich ganz gut einschätzen, was Dietmar Hopp für den Verein und generell für den Sport in der Region geleistet hat. Ich werde am Samstag also höchstens über vergebene Chancen oder Gegentore schimpfen.

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