27.09.2013

Golferin Caroline Masson über Routinen, Kahn und Schalke

»Beim Golf kann man nicht perfekt sein«

Caroline Masson ist momentan die beste deutsche Golfspielerin – und seit ihrer Kindheit Fan von Schalke 04. Ein Gespräch über elitäre Golfklubs, Wayne Rooneys Pinkelfauxpas und den perfekten Schlag.

Interview: Andreas Bock Bild: caroline-masson.de

Caroline Masson, was kann man vom Golf lernen?
Demut und Geduld.
 
Was meinen Sie damit?
Beim Golf kann man nicht perfekt sein. Es gibt immer etwas zu verbessern. Ein Golfspieler verlässt den Platz fast nie mit dem Gefühl, gewonnen zu haben.
 
Ist es dann nicht erstaunlich, dass jemand wie Oliver Kahn so leidenschaftlich Golf spielt?
Im Gegenteil. Ein 6:0, 6:0 wie im Tennis oder ein 4:0 wie im Fußball gibt es zwar nicht, doch Golf lehrt deswegen auch Ehrgeiz. Und ich muss Ihnen nicht erzählen, dass Oliver Kahn ein sehr ehrgeiziger Typ ist.
 
Er soll mal ein Handicap von 7,5 gehabt haben.
Sehen Sie! Das ist ziemlich gut, aber eben nicht perfekt. Er weiß, dass da noch mehr geht. Sehr ehrgeizige Leute packt dieses Spiel deswegen besonders.
 
Gibt es Parallelen zwischen Golf und Fußball?
Der große Unterschied ist erst einmal, dass Golf eine Einzelsportart ist. Das heißt: Nur du alleine bist für Sieg oder Niederlage verantwortlich. Gemeinsamkeiten gibt es in punkto Druck. Vergleichen Sie mal ein Elfmeterschießen mit einer Putt-Situation. Man hat extrem viel Zeit, über diese Situation nachzudenken. Und damit sind wir wieder bei Oliver Kahn – denn solche Situationen machen für ihn sicherlich auch den Reiz des Golfsports aus.

>> Fußballer und Golf: Eine Bildergalerie
 
Oliver Kahn hat immer von dem Tunnelblick gesprochen, um mit dem Druck klarzukommen. Wie ist es bei Ihnen?
Golfspieler haben Routinen und Automatismen. Bei mir ist es so, dass ich vor jedem Schlag zwei Probeschwünge mache, hinter den Ball gehe, mich dann aufrichte und das Ziel fokussiere. Ich denke, dass auch Fußballer vor Elfmetern solche Automatismen abspulen, auch wenn sie diese vielleicht nicht so bewusst vollziehen wie wir.
 
Früher war es unter den Fußballern gang und gäbe, zum Ausgleich Golf zu spielen. Nach Franz Beckenbauer ist sogar ein Course benannt. Heute interessieren sich die Profis mehr für Playstation, oder?
Manchmal sehe ich noch Profis bei Golf-Turnieren. Vor allem wenn wir in München die Ladies Open spielen. Letztes Mal war zum Beispiel Bastian Schweinsteiger zu Gast, auch Oliver Kahn ist häufig da. Aber klar: Es gibt viel mehr Beschäftigungsmöglichkeiten als früher. Die Spieler haben ihre Computer und Smartphones, ihre Twitter- und Facebook-Profile. Vielleicht ist Golf auch nicht mehr so angesagt unter Fußballern wie früher.
 
Immerhin spielt Wayne Rooney noch ganz gerne.
Tatsächlich?
 
In Südafrika soll er mal einen Stein auf einem Golfcourse bepinkelt haben. Es gab ziemlichen Ärger mit dem Platz-Manager.
Schöne Geschichte, kannte ich noch gar nicht. Aber passt ja zu ihm. (lacht)
 
Stimmt das Klischee denn noch: Fußball, der Rowdy- und Golf, der High-Society-Sport?
Golf wird immer ein stückweit elitär bleiben, schließlich brauchst du nicht nur einen Ball und einen Bolzplatz vor der Tür. Dadurch wirkt der Sport vielleicht etwas unnahbarer als Fußball. Viele Leute trauen sich gar nicht erst, einen Golfplatz zu besuchen. Allerdings tun die Verbände momentan viel dafür, dass der Sport öffentlicher wird und niemand mehr davor zurückschrecken muss, einen Golfschläger in die Hand zu nehmen.
 
Was würde passieren, wenn der volltätowierte Kevin-Prince Boateng in einem Golfklub erscheint?
Es gibt Golfklubs, die ein bisschen privater sind und wo man komisch gucken würde. Aber ich kenne auch zahlreiche Klubs, wo jeder willkommen wäre und jemand wie Kevin-Prince Boateng vermutlich richtig gefeiert werden würde.
 
Sie sind Schalke-Fan. Gibt es einen Spieler aus dem aktuellen Kader, mit dem Sie gerne mal Golf spielen würden?
Mit Benedikt Höwedes. Ich finde es super, dass er in so jungen Jahren Kapitän auf Schalke geworden ist. Außerdem wirkt er sehr sympathisch.

Facebook, Twitter und Google+

Freund von 11FREUNDE werden