25.10.2012

Gladbachs Tony Jantschke im Interview

»Keiner spielt mit mir Doppelkopf!«

Nach enttäuschenden Leistungen in der Europa-League und Bundesliga trifft Borussia Mönchengladbach heute Abend auf Olympique Marseille. Wir sprachen mit Gladbachs Rechtsverteidiger Tony Jantschke über die Fallhöhe nach dem Hype, Vereinstreue und Doppelkopf auf dem iPad.

Interview: Gareth Joswig Bild: Imago

Tony Jantschke, Sie kommen gerade vom Vormittagstraining. Worauf konzentriert sich die Mannschaft dort?
Wir müssen unbedingt die Defensivarbeit wieder verbessern. Neun Gegentore in den letzten beiden Auswärtsspielen gegen Dortmund und Bremen dürfen nicht sein, da haben wir richtig schlecht gespielt. Anders als in der Vorsaison stehen aktuell in der Defensive nicht so gut.

Als Defensivspieler sind auch gerade Sie auf den Plan gerufen, die Gegentore zu verhindern.
Die Verunsicherung in der Mannschaft merkt man vor allem bei jüngeren Spielern wie mir. Es war klar, dass so eine Phase mal eintreten wird – wichtig ist nur, dass wir sie kurz halten. Mit ein paar Punkten sind wir schnell wieder in der oberen Tabellenhälfte.

Wie kann es sein, dass nach dem Abgang von drei Spielern das Gesamtgerüst der Mannschaft derartig wackelt?
Über Personalverluste zu sprechen, hilft uns nicht weiter. Natürlich ist die Fallhöhe nach den guten Leistungen der Vorsaison extrem hoch, aber das war kein normales Jahr für unsere Verhältnisse.

Sie gelten als großes Versprechen im deutschen Fußball. Ist es schwierig, sich auf den Alltag in der Bundesliga zu konzentrieren, wenn einem ständig eine große Zukunft prognostiziert wird?
Bei abwechselnden Spielen in der Europa-League, U21-Nationalmannschaft und der Bundesliga ist es natürlich nicht leicht, immer voll konzentriert zu bleiben. Aber die Bundesliga hat für mich absolute Priorität, ich bin mir bewusst, dass sich gerade ein Hype um einen jungen Spieler schnell ins Gegenteil verkehren kann.

Letzte Saison haben Sie sich 34 Spieltage dafür abgerackert, international zu spielen und trotzdem ist oft von einer Doppelbelastung die Rede. Ist es nicht eher eine Belohnung, in der Europa-League spielen zu dürfen?
Natürlich ist es auf der einen Seite eine Belastung, aber auf der anderen Seite ist es auch ein riesiger Ansporn, sich international messen zu können. In zwei, drei Jahren können wir zurückblicken und sagen: »Hey, da habe ich dieses und jenes gelernt, das hat mich weiter gebracht!«

In der vergangenen Champions League-Saison hat Marseille-Stürmer André Ayew drei Tore gegen Dortmund erzielt. Wie wollen Sie den Mann in den Griff bekommen?
Ach, in der Bundesliga treffen wir doch auch regelmäßig auf Spieler wie Franck Ribery, Robert Lewandowski oder Marco Reus. Der einzige Unterschied ist, dass man einen Ayew nicht so gut kennt wie zum Beispiel Ribery, der schon einige Jahre in der Bundesliga zaubert.

Gladbach hat seit 16 Jahren nicht mehr international gespielt. Spüren Sie die Begeisterung der Fans?
Auf jeden Fall! Mein erstes europäisches Auswärtsspiel gegen Dynamo Kiew gewannen wir mit 2:1. Danach mit den Schlachtenbummlern feiern – das war atemberaubend, auch wenn wir uns letztlich nicht für die Champions League qualifiziert haben.

Wie ist es im Alltag in einer kleineren Stadt wie Mönchengladbach? Werden Sie oft von Fans angesprochen?
Ich werde schon erkannt, aber angesprochen werden meistens nur die Offensivspieler. Bei den Stürmern müssen sofort Fotos her. Letztes Jahr war das noch viel extremer. Immer, wenn ich mit Roman Neustädter und Marco Reus unterwegs war, wurde von allen Seiten gerufen: »Marco! Bitte ein Foto!« Und ich stand halt daneben.

Haben Sie immer noch Kontakt zu Reus und Neustädter?
Wir drei sind immer noch gut befreundet. Sich zu treffen ist zwar momentan aufgrund der vielen Spiele schwierig, aber während der Vorbereitung haben wir uns öfter gegenseitig besucht. Gladbach, Gelsenkirchen und Dortmund sind ja nicht allzu weit auseinander.

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