Warum haben Sie ihn letztendlich doch entlassen? Max Eberl: Nach einem sehr guten Start in die Rückrunde, gab es eine Negativserie, die in den Niederlagen gegen Stuttgart und St. Pauli gipfelte. Wenn wir uns davon nicht wieder erholt hätten, wäre der Abstieg nicht mehr zu verhindern gewesen. Er war der letztmögliche Zeitpunkt, noch einmal etwas zu verändern.
Wie kamen Sie auf Lucien Favre? Max Eberl: Ich kannte ihn schon aus meiner Zeit als Jugenddirektor in Gladbach. Damals habe ich mir sehr viele Jugendzentren angeschaut. Lucien Favre hat in der Schweiz beim FC Zürich viel mit jungen Talenten gearbeitet. Wir haben uns während seiner Zeit bei Hertha in Berlin getroffen, über Philosophien im Jugendfußball ausgetauscht und sind über die Jahre in Kontakt geblieben.
Wie muss man sich so eine Verpflichtung vorstellen? Haben Sie sich an einer Autobahnraststätte getroffen? Max Eberl: Michael Frontzeck wurde samstags nach dem Spiel gegen St. Pauli beurlaubt. Dann musste alles sehr schnell gehen. Lucien Favre war gerade zufällig in Deutschland und hat sich ein Spiel der 2. Bundesliga in Bielefeld angeschaut. Auf dem Heimweg haben wir uns unterhalten und waren uns im Grunde am Sonntagabend einig. Wir haben uns übrigens nicht in einer Autobahnraststätte getroffen, sondern an einem geheimen Ort in Mönchengladbach.
Was hat der neue Trainer in den nächsten Wochen im Training verändert? Max Eberl: Wir haben vor Lucien Favre viele kleine Fehler mit großen Auswirkungen gemacht. Es gab unnötige Platzverweise, falsches Verhalten bei Standardsituationen, Führungen wurden leichtfertig verspielt. Genau dort hat der neue Trainer angesetzt. Lucien Favre arbeitet sehr akribisch im taktischen Bereich, bereitet die Spieler intensiv mit Videoanalysen auf den nächsten Gegner vor. Er ist ein motivierender Fußballlehrer.
Mitten im Abstiegskampf haben sich mehrere Alt-Borussen über die Medien zu Wort gemeldet. Hat das Ihre Arbeit erschwert? Max Eberl: Berti Vogts hatte sich schon vor Monaten sehr negativ über mich geäußert. Die Art und Weise fand ich schon merkwürdig. Er hätte mich einfach anrufen können; ich bin nicht beratungsresistent. Stefan Effenberg hat zunächst als »Sky«-Experte auf einen 3:0-Sieg der Dortmunder gegen uns getippt. Nachdem wir dann in der Halbzeit geführt haben, meinte er, Jürgen Klopp werde schon die richtigen Worte finden. Und nur wenige Tage später hat er sich dann auf einer Pressekonferenz als neuer Kopf der Opposition vorgestellt.
Die »Initiative Borussia« präsentierte ein Schattenkabinett mit Ex-Trainer Horst Köppel. Stefan Effenberg wollte Ihre Position als Sportdirektor einnehmen. Max Eberl: Als Hauptargument hat er angeführt, man müsse mehr in die Jugend investieren. Wir hatten gegen Dortmund aber fünf Spieler unter 22 Jahren auf dem Platz. Wenn man den Verein wirklich so liebt, wie er behauptet hat, dann hätte man in der entscheidenden Phase keine Störfeuer entfacht. Lucien Favre und die Mannschaft haben sich damit aber überhaupt nicht beschäftigt. Die Unruhen sind nicht bis in die Kabine vorgedrungen.
-----
In der aktuellen Ausgabe von 11FREUNDE: »Rettung in der 95. Minute.« Gladbachs Chronik einer Wiederauferstehung.