22.06.2011

Gladbachs Sportdirektor Max Eberl über Borussias Rettung

»Jetzt ist eh alles egal«

Für die aktuelle Ausgabe von 11FREUNDE begleiteten unsere Kollegen Karol Herrmann und Thorsten Schaar Borussia Mönchengladbach auf dem Weg zur Last-Minute-Rettung. Natürlich sprachen sie auch mit Sportdirektor Max Eberl.

Interview: Karol Herrmann und Thorsten Schaar Bild: Imago
Max Eberl, Sie wissen aus Ihrer aktiven Zeit, was Abstiegskampf bedeutet. Wie kann man den Druck, der in der Situation auf den Spielern lastet, beschreiben?

Max Eberl: Selbst wenn man eigentlich topfit ist, bewirkt der permanente Druck schwere Beine. Die Psyche nimmt irgendwann Einfluss auf den Körper. Die Wahrnehmung ist eine andere, die Lockerheit geht verloren. Ganz praktisch ausgedrückt: Der Ball will einfach nicht mehr ins Tor.

>>>Szenen  einer Rettung – die besten Bilder des Gladbacher Klassenerhalts!



Nach der 0:1-Niederlage gegen Kaiserslautern am 27. Spieltag war Borussia Mönchengladbach in der Öffentlichkeit bereits abgestiegen. Wie haben Sie diese Phase erlebt?

Max Eberl: Das war eine ganz bittere Niederlage gegen einen direkten Konkurrenten, zudem vor einer längeren Länderspielpause und dem Spiel bei Bayern München. Das Schlimmste war für mich: Wir hatten an diesem Freitagabend den wichtigen Schritt in Richtung Relegationsplatz verpasst. Diese Möglichkeit hatten wir uns in den Wochen zuvor hart erarbeitet. Ein Sieg wäre ein klares Signal an die Konkurrenz gewesen. Das Spiel war sicher die größte Enttäuschung der Saison. 

Wie haben Sie danachg reagiert?

Max Eberl: Die Niederlage hatte für uns auch einen Vorteil. Die Mannschaft war nach dem Spiel von dem exorbitanten Druck befreit, weil uns ohnehin niemand mehr auf der Rechnung hatte. Wir haben das in der Länderspielpause auch bewusst an die Spieler kommuniziert: Jetzt ist eh alles egal. Lasst uns das Bestmögliche daraus machen. So konnte die Mannschaft anschließend befreiter aufspielen. 

Sie hatten mit dem FC Bayern, Borussia Dortmund, Hannover 96 und dem FSV Mainz 05 ein äußerst schwieriges Restprogramm. Haben Sie wirklich bis zuletzt an Ihre Chance geglaubt?

Max Eberl: Die Bundesliga-Saison 2010/11 war so verrückt wie lange nicht mehr. Wir wussten: Jeder konnte gegen jeden gewinnen. In der Hinrunde hatten wir zum Beispiel sechs Tore in Leverkusen geschossen. Wir zogen daraus den Schluss, dass wir auch als Tabellenletzter gegen den Tabellenersten gewinnen können. Dieses Wissen hat mit dazu beigetragen, dass wir es uns zugetraut und schließlich auch geschafft haben. Und: Selbst wenn wir für die Medien abgestiegen waren, hat die Mannschaft immer an den Klassenerhalt geglaubt.  

Was waren die Gründe für die desolate Hinrunde?

Max Eberl: Uns ist über mehrere Monate mit Dante und Roel Brouwers die komplette Innenverteidigung ausgefallen. Zu allem Übel haben sich auch die potenziellen Ersatzmänner Bamba Anderson und Bernhard Janeczek verletzt. Wenn wichtige Stützen wegfallen, gehen die Automatismen verloren.   

In der Winterpause hatte Gladbach gerade mal zehn Punkte angesammelt. Noch nie in der Bundesliga-Geschichte hat eine Mannschaft dann noch den Klassenerhalt geschafft. Warum haben Sie trotzdem zunächst an Michael Frontzeck festgehalten?

Max Eberl: Auch wenn das Fußballgeschäft dafür nicht geeignet ist, wollten wir unbedingt Kontinuität auf der Trainerposition. Ich wollte auf keinen Fall einen Trainer aufgrund von Personalproblemen opfern.

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