25.01.2013

Gladbachs Patrick Herrmann über große Fußstapfen und die Nationalelf

»Reus? Ich kann es nicht mehr hören«

Spricht man in Mönchengladbach von Patrick Herrmann, werden auch immer Parallelen zu BVB-Star Marco Reus gezogen. In der Spielanlage sind die schnellen Stürmer ähnlich. Hier erzählt er, warum trotzdem ein bisschen genervt ist von dem Vergleich.

Interview: David Nienhaus Bild: Imago

Patrick Herrmann, Samstag kommt Fortuna Düsseldorf nach Mönchengladbach. Die Borussia hat noch eine Rechnung offen gegen den Aufsteiger.
Wir haben uns in den beiden Duellen schwer getan gegen die Fortuna, und am Samstag haben wir die Möglichkeit, Revanche zu nehmen. Es wird wahrscheinlich ein ähnliches Spiel wie das in Hoffenheim. Aber dann haben wir die Chance, es besser zu machen und ein Tor mehr zu schießen als Düsseldorf. Es ist zudem ja auch noch eine Art »Derby«, das wir haben. Vielleicht setzt das zusätzliche Kräfte frei.

Der Auftakt in Sinsheim ist mit einem 0:0 nicht wirklich geglückt. Immerhin ist die TSG mit 41 Gegentoren die »Schießbude« der Liga.
 Hoffenheim hat anders gespielt als in der Hinrunde. Da steht jetzt ein neuer Trainer an der Seitenlinie, und das trägt offenbar Früchte. Sie haben tief gestanden und fast nur auf Konter gespielt. Das war nicht leicht für uns, weil es am gegnerischen Strafraum natürlich sehr eng für uns wurde. Wir hätten vielleicht mehr über die Außen spielen und mehr aus der Distanz schießen müssen.

Gladbachs Trainer Lucien Favre bemängelte in der Hinrunde, seine Stürmer seien alle zu ähnlich. Bei Luuk de Jong, Mike Hanke und Igor de Camargo hat der Schweizer Recht. Peniel Mlapa wäre aber ein komplett anderer Typ Stürmer.
Mlapa ist auch eine Variante. Er ist ein schneller Spieler, und ich weiß, dass wir gut harmonieren auf dem Platz. Ich kenne Peniel schon lange aus den Jugend-Nationalmannschaften. In der U21 spielen wir zum Beispiel ein 4-3-3 mit Peniel in der Mitte. Er ist ein anderer Spielertyp als Luuk oder Mike, er geht sehr viel in die Tiefe. Aber einen Lieblingspartner im Sturm habe ich nicht.

Sie sprechen die Taktik an. In Hoffenheim hat Lucien Favre das Spielsystem schon kurz nach dem Anpfiff korrigiert.
Solche Dinge studieren wir im Training ein. Wir haben vor allem in Dubai an unseren verschiedenen Formationen 4-4-2, 4-3-3 oder 3-5-2 gearbeitet. In Hoffenheim haben wir mit einem 4-4-2 angefangen. Der Trainer hat sich dann nach zehn Minuten entschieden umzustellen. Für uns ist das kein Problem. Wir wissen sofort, wo wir dann spielen müssen, der Gegner aber muss sich erst auf eine neue Situation einstellen und sieht sich plötzlich anderen Spielern gegenüber.

Aber auch Sie sehen sich dann anderen Spielern gegenüber und müssen sich anders bewegen. Wie groß ist die Umstellung für Sie?
Ich brauchte zu Beginn schon ein paar Spiele, um mich vorne als Stürmer einzufinden. Ich habe das zwar schon in der Jugend gespielt, aber es war trotzdem eine Umstellung für mich. Mittlerweile funktioniert das aber sehr gut vorne. Ich habe auch keine Probleme, links oder rechts zu spielen. Ich finde es gut, wenn man durch diese taktischen Feinheiten des Positionswechsels den Gegner in Unordnung bringt. Das kommt mir zugute, schafft Räume. Eine Lieblingsposition habe ich nicht. Wie heißt es so schön: Ich spiele da, wo mich der Trainer aufstellt (lacht).

Zuletzt spielten Sie immer wieder auf der Position, die Marco Reus bei der Borussia so geprägt hat. Geht Ihnen der Vergleich auf den Senkel?
Das kenn ich allzu gut und kann es fast nicht mehr hören. Jetzt sollte man es langsam mal lassen, uns miteinander zu vergleichen. Marco Reus ist ein überragender, ein Weltklassespieler. Ich bin froh, dass ich mit ihm zusammenspielen durfte und habe versucht, mir einiges abzugucken. Wir haben viel miteinander gesprochen, und er hat mir Tipps gegeben. Aber mich mit ihm zu vergleichen oder zu sagen, ich sei Marcos Nachfolger, ist einfach zu hoch gegriffen. Ob ich jemals dahin komme, wo Marco jetzt ist, steht in den Sternen.

Was muss vom Himmel fallen, damit Sie in seine Fußstapfen treten können?
Die Schnelligkeit am Ball und die Effektivität von Marco sind überragend. Was er momentan spielt, ist ganz großes Kino. Er hat ein enormes Selbstvertrauen. Das sieht man auch daran, wie er die Freistöße verwandelt. Die Schusstechnik ist perfekt.

Hat er sich das bei Gladbachs Kunstschütze Juan Arango abgeguckt?
Er hat es auf jeden Fall bei uns schon immer trainiert. Auch wenn Juan mit links und Marco mit rechts schießt, Ähnlichkeiten haben die beiden Schusstechniken auf jeden Fall. Dem müsste man mal auf den Grund gehen (lacht).

Borussias Sportdirektor Max Eberl hat zuletzt gesagt, die Entwicklung von Reus war überhaupt nicht vorauszusagen.
Nein, ganz abzusehen, war es damals nicht, als er nach Mönchengladbach gekommen ist. Man kann so etwas nicht immer vorhersehen, wie Dinge ihren Lauf nehmen. Die Anlagen waren damals auch schon da, und er hat das im Training auch häufig abgerufen, aber vor allem die Auftritte in der Bundesliga haben ihn besser gemacht.

Sie wurden in Ihrer Entwicklung immer wieder durch kleine Verletzungen gestoppt – allen voran mit ihrem Schlüsselbeinbruch im Winter der vergangenen Erfolgssaison.
Die Schultergeschichte damals war sehr ärgerlich, weil ich einen richtigen Lauf hatte. Nach der Verletzung hatte ich ein bisschen Schwierigkeiten, wieder an die Form anzuknüpfen. Aber Verletzungen gehören im Fußball mit zum Geschäft. Das ist Berufsrisiko.

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