Gladbachs »Held von Rom« im Interview

»Ich hab denen die Pizza vom Teller geschossen«

In der vergangenen Woche machte sich Gladbach-Fan Markus Schotten unsterblich, als er an der Spanischen Treppe das einzige Mönchengladbacher Tor in Rom schoss. Im Interview spricht er über den besten Moment aller Zeiten und die Ignoranz von Lucien Favre.

Bilder: Privat

Hier noch einmal das Video zum Treffer:


Markus Schotten, können Sie noch einmal schildern, wie Sie das so wichtige Auswärtstor für die Borussia geschossen haben?

Wir hielten uns schon einige Zeit an der Spanischen Treppe auf, es herrschte eine unglaubliche Stimmung. Ich weiß nicht, wo der Ball herkam. Aber immer mehr Leute versuchten sich an einem Treffer. Doch keiner bekam es auf die Reihe. Einer schoss seinem Kumpel die Sonnenbrille aus dem Gesicht, ein anderer traf in den Brunnen. Ich habe gesagt: »Das kann doch nicht wahr sein. Gib mir die Pille!«

Und plötzlich standen Sie ganz frei vor dem Römer Gehäuse?
Ja, der Borussen-Gott hat den Ball aus dem Himmel direkt zu mir fallen lassen. Es war der perfekte Moment, ich kam gerade gestärkt von einem bekannten Schnellrestaurant. Ich wusste, dass ich nur diese eine Chance bekomme, weil der Aufbruch bevorstand.

Und prompt heizten Sie der Menge mit einem »Borussia, Borussia«-Gesang ein.
Als ich am Freitag danach in eine Bar kam, erkannte mich ein Fan. Er sagte: »So wie du dich aufgeführt hast, hätte ich nie gedacht, dass du triffst. Ich dachte: ,Was ist das denn für ein arroganter Kerl!'« Doch ich musste das genießen. Tausend Borussen in Rom – das muss man voll auskosten.

Sind Sie eigentlich im Training?
Ich komme aus Erkelenz, wir spielen alle zwei Wochen in der Halle Fußball. Das muss reichen. Ich traf den Ball ideal und er ging rein. Ich habe den Leuten drin die Pizza vom Teller geschossen. Und an dem Tag hatte ich noch Bronchitis, sonst hätte ich den Ball durch das Haus geschossen, auf der anderen Seite volley genommen und im Postkastenschlitz versenkt.

In Ihrer ersten Stellungnahme sagten Sie: »Jetzt möchte ich sterben«.
Ja, das ist der Moment schlechthin. Wo und wann willst du sonst sterben? Mit zehntausenden Gladbachern in Rom, diese geniale, aber friedliche Stimmung und dann so ein Treffer! Mehr geht nicht.

Warum hat die Mannschaft nach Ihrem Treffer keine zweite Luft bekommen?
Der Druck auf die Jungs war nach meinem Treffer einfach zu groß. Sie haben gesehen, wie ich den Ball in dieses kleine Fenster geschossen habe – dagegen wirken Fußballtore ja riesig. Da konnten die Jungs nur abstinken. Doch wir haben sie trotzdem gefeiert wie verrückt.  Mit zehntausend Leuten so eine Stimmung zu machen, dazu noch so friedlich – das schafft nur Borussia Mönchengladbach.

Warum hat Lucien Favre Sie bisher ignoriert?
Das verstehe ich auch nicht. Selbst nach diesem Treffer stand ich beim nächsten Spiel nicht mal im Kader. Ich kann Herrn Favre nur sagen, dass er sich beeilen soll. Wenn er sich nicht zeitnah meldet, dann geh ich zu den »Buffallo Bills« und mache die Field-Goals im Football.

Jetzt muss doch eigentlich eine Einladung ins Sportstudio folgen, oder?
Ja, ich warte noch auf den Anruf. Meine Kumpels haben meine Bewerbung schon abgeschickt. Doch ich glaube, dass das ZDF Angst hat, dass ich als Erster den Mythos der Torwand besiege und mit sechs Schüssen sieben Mal treffe.

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