Gladbachs Håvard Nordtveit über die Breivik-Attentate in seiner Heimat

»Oslo war unser 11. September«

Håvard Nordtveit ist fester Bestandteil des Gladbacher Höhenflugs. Im Interview spricht der Norweger über Gemeinsamkeiten zwischen Arséne Wenger und Lucien Favre, seine Bewunderung für Ole Gunnar Solskjaer und die grausamen Attentate von Oslo. Best of 2011: Gladbachs Håvard Nordtveit über die Breivik-Attentate in seiner Heimat

Håvard Nordtveit, ihr Team ist beeindruckend in die Saison gestartet. Hat Sie das überrascht?

Håvard Nordtveit: Wir hatten eine tolle Vorbereitung, von daher hat es mich nicht so sehr überrascht wie viele andere. Es ist für uns jetzt einfacher in die Spiele zu gehen, ohne dass wir ums nackte Überleben kämpfen müssen. Der Schaden, den wir anrichten können, ist nicht so groß.

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Zweifelsfrei hat Ihr Trainer einen großen Anteil am Erfolg. Sie kamen zur Borussia, als Michael Frontzeck noch im Amt war. Was hat sich mit Lucien Favre geändert?

Håvard Nordtveit: Er hat uns einen Plan vermittelt. Wir spielen mehr miteinander und haben keine Angst den Ball zu halten.

Sie wurden beim FC Arsenal ausgebildet und haben schon unter Arséne Wenger gespielt. Was macht Lucien Favre besonders?

Håvard Nordtveit: Man kann Wenger und Favre eigentlich gut vergleichen. Zwei sehr intelligente Trainer, die sich in der Spielphilosophie ähneln.

Bei Arsenal konnten Sie sich nicht durchsetzen. Wie sind Ihre Erinnerungen an die Zeit in London?

Håvard Nordtveit: Unglaublich gut. Zum Durchbruch hat es leider nie gereicht, weil meine Konkurrenz mit Bacary Sagna und Emmanuel Eboué unheimlich stark war.
Ich wusste, dass die Spielweise der Bundesliga zu mir passt, deswegen habe ich mich zu einem Wechsel nach Gladbach entschieden.

Lassen Sie uns ein bisschen über den Fußball in Norwegen sprechen. Welchen Stellenwert hat der Sport in Ihrem Heimatland?

Håvard Nordtveit: Der norwegische Fußball ist über die Grenzen des Landes hinweg kaum bekannt. Einige Spieler müssen sogar nebenher arbeiten, weil der Profifußball nicht genug Geld einbringt.

Gibt es eine typisch norwegische Mentalität bei den Spielern?

Håvard Nordtveit: Norwegische Spieler sind ruhiger und bleiben mit den Füßen auf dem Boden. Die meisten sind intelligent, ich hoffe ich bin einer von ihnen (lacht).

Welchen Spieler haben Sie als Kind bewundert?

Håvard Nordtveit: Da gibt es einen und den bewundere ich heute immer noch. Der Killer mit dem Babyface: Ole Gunnar Solskjaer.

Warum ist er in Norwegen so populär?

Håvard Nordtveit: Neben seinen fußballerischen Qualitäten hat er einen tollen Charakter. Er ist sehr bescheiden steht nicht gern in der Öffentlickeit. Wenn er gefragt wird, gibt er immer die richtigen Antworten. Solskjaer ist ein Held in Norwegen.

Zurzeit ist er Trainer in Molde und sehr erfolgreich.

Håvard Nordtveit: Er steht mit Molde BK an der Tabellenspitze und hat eine große Chance, das erste Mal in der Vereinsgeschichte die Meisterschaft zu gewinnen. Und das ist Solskjaers erste Station. Vielleicht wird er mal Nationaltrainer in Norwegen. Sogar bei Manchester United wird er als Ferguson-Nachfolger gehandelt. Er ist eine Legende. Wenn er so weiter macht, muss man ein neues Wort für ihn erfinden.

Sie spielen am Wochenende gegen ihren Ex-Klub Nürnberg. Ein besonderes Spiel?

Håvard Nordtveit: Absolut. Ich kenne noch viele Leute im Verein, spiele jetzt aber für Borussia und will gewinnen. Danach können wir uns unterhalten. Ich freue mich drauf.

Worin unterscheiden sich Gladbach und Nürnberg?

Håvard Nordtveit: Beide sind sehr traditionell, aber ich glaube Gladbach ist der Verein mit den größeren Erfolgen. Es ist allerdings schwer zu sagen, dass der eine Klub besser ist als der andere.

Ein Thema, über das wir mit Ihnen sprechen wollen, sind die Attentate von Oslo.

Håvard Nordtveit: Der Tag ist unser 11.September. Ein Ereignis, bei dem jeder immer wissen wird, wo er an diesem Tag war. 

Wie haben Sie davon erfahren?

Håvard Nordtveit: Ich war gerade beim Training, als jemand zu mir kam und sagte, eine Bombe wäre in Oslo explodiert. Ich konnte es nicht glauben. Zuhause sah ich im Fernsehen, dass auf einer Insel jemand auf Jugendliche geschossen hat. Ein Freund war zu dem Zeitpunkt dort.

Auf der Insel?

Håvard Nordtveit: Ja, er wurde in die Schulter geschossen, als er weglief. Jetzt ist er körperlich wieder in Ordnung, aber man vergisst natürlich nicht, was man gesehen hat. Ich habe nicht besonders gut geschlafen in dieser Nacht. Am nächsten Tag hatten wir ein Freundschaftsspiel gegen Sunderland und ich bin mit einer schwarzen Armbinde aufgelaufen.

Sie waren der Einzige, der dieses Zeichen setzte.

Håvard Nordtveit: Ja, es war mir sehr wichtig Solidarität zu zeigen.

Wie nebensächlich wird Fußball in einer solchen Situation?

Håvard Nordtveit: Natürlich bedeutet Fußball nichts, wenn so etwas passiert. Es gibt trotzdem keine Alternative zum Weitermachen. Fußball ist eine tolle Option, weil er sehr von Enthusiasmus begleitet wird und hilft, positiv zu bleiben.

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