Haben die Vereine und Verbände nicht die Macht, sich gegen die Politik zu stellen? Der DFB ist immerhin der größte Sportverband der Welt.Hier geht es nicht um irgendeine Konfrontation, sondern einzig um die Weiterentwicklung und Sicherheit der Spiele. Wenn wir es als Vereine schaffen, dass wir gemeinsam die geforderten Mindeststandards verankern, dann ist die Abschaffung der Stehplätze kein Thema in der Politik. Denn auch die Politik hat kein Interesse, die Fußballkultur anzugreifen, nur weil einige wenige das friedliche Stadionerlebnis gefährden.
Fern vom ZIS-Statistiken und Medienhysterie: Ist ein Fußballstadion heute nicht viel sicherer als in den achtziger oder neunziger Jahren?Ich bin auf der Bökelstraße groß geworden, und manchmal konnte ich da richtige Kloppereien beobachten. Die Stimmung im und um das Stadion ist heute eine ganz andere, sie ist friedlicher, da gebe ich Ihnen recht.
Muss es dann überhaupt ein Sicherheitskonzept geben?Ja. Wir glauben, dass es wichtig ist. Es kommen im Schnitt über 44.000 Zuschauer zu den Spielen der Ersten Liga. Die Fans haben ein Recht darauf, das Fußballerlebnis sicher zu genießen. Eine Lizensierung beispielsweise, wie sie bereits im Nachwuchsbereich durchgeführt wird, könnte auch hier eine probates Mittel sein, um die Qualität und Sicherheit in den Stadien zu erhöhen.
Aber eine hundertprozentige Befriedung eines Fußballspiels ist Utopie.Das stimmt auch. Wir kennen auch den Oktoberfest-Vergleich, und wenn die Zahlen nicht lügen, dann liegt die Verletztenquote dort weit über der einer gesamten Bundesligasaison. Massenveranstaltungen bergen Risiken. Ein Fußballspiel ist allerdings vergleichsweise ungefährlich. Doch sollen wir uns darauf ausruhen? Wir plädieren für präventive Arbeit und für einen Dialog mit Fans, so wie wir ihn seit Jahren in Gladbach mit dem »AK Fandialog « handhaben. Doch es gibt auch das Tagwerk – und da werfen immer noch Chaoten Bengalos aufs Spielfeld oder suchen Ausschreitungen. Deshalb ist neben der präventiven Arbeit auch die Überwachung und Aufklärung sehr hilfreich.
Ein weiterer Kritikpunkt der Fans sind die Vollkontrollen vor einem Stadionbesuch.Aber doch nur im absoluten Extremfall als Ultima Ratio. Wir haben manchmal das Gefühl, dass dem einen oder anderen Vereins- oder Fanvertreter das bestehende Regelwerk und das überarbeitete Antragspaket gar nicht en detail bekannt sind.
Dennoch: Entsteht durch einen solchen Passus nicht eine Drohkulisse?Die Möglichkeit der intensiven Personenkontrolle besteht doch heute schon, je nach Einschätzung der Polizei und der Vereine. Das Konzept sieht doch keine Verschärfung vor, sondern nur eine Verbesserung der Rahmenbedingungen. Die Entscheidung, wer dort kontrolliert wird, obliegt weiterhin den Heimvereinen und den Ordnungskräften vor Ort. Und die sind auch hier angewiesen, Fingerspitzengefühl zu beweisen. Niemandem ist an Vollkontrollen per se gelegen.