Gladbachs Dante über den Abstiegskampf

»Der Erfolg machte uns blind«

Borussia Mönchengladbach ist noch immer Tabellenletzter. Aber fünf Spieltage vor Saisonende beträgt der Rückstand auf den Relegationsplatz nur noch zwei Punkte. Wir sprachen mit Gladbachs Hoffnungsträger Dante. Gladbachs Dante über den Abstiegskampf

Dante, zur Winterpause haben Sie versprochen dass sich eine Glatze schneiden lassen, wenn Borussia Mönchengladbach die Klasse hält. Haben sich schon einen anständigen Rasierer gekauft?

Dante: (lacht) Nein! Aber gut, dass Sie mich daran erinnern. 

War das denn ernst gemeint? Schließlich ist Ihr Afro die bekannteste Frisur der Bundesliga.

Dante: Selbstverständlich! Ich bin ein Mann der zu seinem Wort steht. Aber an die Glatze werde ich mich erst noch gewöhnen müssen. Das letzte Mal, dass ich mir den Schädel blank rasiert habe, war 2002. Und seitdem war ich nicht mehr beim Frisör.

[ad]   

Ungefähr so lange ist auch her, seit sich Borussia Mönchengladbach keine Sorgen um den Abstieg machen musste: Am zweiten Spieltag schlugen sie Bayer Leverkusen mit 6:3 und waren Sechster. Heute ist Bayer auf Tabellenplatz zwei und die Borussia Tabellenletzter. Haben Sie eine Erklärung dafür, warum die Mannschaft ausgerechnet nach diesem furiosen Saisonauftakt so einbrechen konnte?

Dante: Dieser Sieg gegen Leverkusen war tatsächlich der Knackpunkt der Saison. Der Erfolg hat uns damals blind gemacht. Wir hatten zwar sechs Tore erzielt, aber auch drei Stück kassiert. Gegentore entstehen immer aus Fehlern, aber statt unsere Fehler zu analysieren, haben wir damals nur unsere Tore bejubelt. Wir waren einfach nicht selbstkritisch genug. Das hat uns letztendlich in den Abstiegsstrudel gezogen. 

Hat Ihr damaliger Trainer Michael Frontzeck die wahre Stärke seiner Mannschaft also falsch eingeschätzt?

Dante: Nein. Vor Michael Frontzeck habe ich großen Respekt. Ich finde es immer noch schade das er gehen musste. Leider war der Verein in einer Situation, in der er sich gezwungen sah, zu handeln. Für Michael Frontzeck tut es mir leid.

Michael Frontzeck im Interview: »Das Internet ist mir fremd«

Seit dem 14. Februar 2011 ist Lucien Favre Trainer in Mönchengladbach. Was macht er besser als Michael Frontzeck?

Dante: Bei Lucien Favre merkt man schnell, was für ein guter Trainer er ist. Wir hatten einige taktische Probleme in der Mannschaft, er hat an den richtigen Schrauben gedreht und der Mannschaft gleichzeitig Selbstvertrauen eingeflößt. Wir sind zwar noch immer auf dem letzten Tabellenplatz, aber aktuell sind es nur noch zwei Punkte bis zum VfL Wolfsburg auf dem Relegationsplatz. Das macht Hoffnung.

Romantik trifft Realität: Lucien Favre in Mönchengladbach

Trotzdem ist Borussia Mönchengladbach weiterhin Abstiegskandidat Nummer eins. Wann haben Sie das letzte Mal an die zweite Bundesliga gedacht?


Dante: Bei unserem schlechten Saisonverlauf ist es doch logisch, dass man manchmal Zweifel hat, ob der Abstieg wirklich noch zu verhindern ist. Aber der Vorteil unserer Mannschaft ist: Wir haben uns – trotz der Tabellensituation – noch nie als Absteiger gesehen, dafür sind wir vielleicht einfach zu selbstbewusst. Soll doch der Rest der Liga denken, dass wir am Ende der Saison den Gang in die zweite Bundesliga antreten müssen, wir werden ihn das Gegenteil beweisen.





Sie selbst haben in dieser Saison verletzungsbedingt erst 15 Spiele absolviert, aber wenn Sie auf dem Platz standen, hatte die Borussia meistens Erfolg. Mit Ihnen holte Gladbach 20 von 45 möglichen Punkten – insgesamt hat Ihr Verein erst 26 Punkte vorzuweisen. Die Erfolge von Borussia Mönchengladbach scheinen also eng mit Ihrem Namen verbunden zu sein.

Dante: Das sagen sie. Ich versuche einfach, meine Erfahrungen an unsere jungen Spieler abzugeben. Ich spreche viel mit meinen Kollegen, junge Spieler müssen spüren, dass die alten Hasen ihren Qualitäten vertrauen. Und genau das versuche ich zu vermitteln. Wenn mein Handeln dann Erfolg hat – umso besser.

Sie sind jetzt 28 Jahre alt und seit Dezember 2008 bei der Borussia, mit der sie ihren Vertrag erst in der Winterpause bis 2014 verlängert haben. Jetzt mehren sich die Gerüchte, dass der VfB Stuttgart und selbst Bayern München stark an Ihnen interessiert sind. Werden Sie Mönchengladbach auch in der zweiten Liga die Treue halten

Dante: An den Abstieg verschwende ich überhaupt keinen Gedanken. Wir haben noch fünf Spiele, der Klassenerhalt ist also möglich. Fakt ist: Ich bin im besten Fußballeralter und möchte in meiner Karriere unbedingt noch einmal Champions League spielen. Aber, wie gesagt: Darüber mache ich mir jetzt keine Gedanken.

Wie interpretieren Sie eigentlich ihre Aufgabe als Innenverteidiger?

Dante: Die Anforderungen an einen Verteidiger sind heute anders, als noch vor 15 Jahren. Heute muss ein Verteidiger auch in der Lage sein, ein Spiel mitzugestalten, er muss also die technischen Fähigkeiten haben, auch schwierige Bälle gut zu verarbeiten und weiterzuspielen, statt sie einfach blind auf die Tribüne zu dreschen. Die ganz spezielle Herausforderung für einen Verteidiger der Gegenwart ist allerdings, dass er 90 Minuten lang voll konzentriert sein muss. Als Offensivspieler kannst du mit deinen Gedanken auch mal kurz woanders sein, aber als Verteidiger oder als Torwart musst du ständig hellwach sein. Das Spiel ist so schnell geworden, dass aus nahezu jeder Situation ein Angriff des Gegners erfolgen kann. 

Bevor Sie zu Borussia Mönchengladbach wechselten, spielten Sie in Frankreich und Belgien. Wie groß sind die Unterschiede dieser Fußballstile zur Bundesliga?

Dante: In Frankreich sind die Mannschaften taktisch sehr gut geschult. Alle Spieler stehen sehr eng beieinander, jeder Spieler arbeitet für die Defensive, selbst die Stürmer. In Belgien ist es ähnlich. Aber das Spiel ist verstümmelt.  

Und in Deutschland ist das anders?

Dante: Ja! Die Grundausrichtung ist viel offensiver, viel offener. Deshalb gibt es auch viel mehr Zweikämpfe. Ich persönliche bevorzuge den deutschen Stil, hier bekomme ich in einem Spiel häufig die Gelegenheit, mich im direkten Duell mit meinem Gegenspieler zu messen. Und: Was will ein Verteidiger mehr?  

Dante, Ihr deutsch ist exzellent. Im Gegensatz zu vielen Ihrer Landsleute, die sich in der Bundesliga versuchen. Haben Sie einen speziellen Tipp für all die sprachlosen Brasilianer?

Dante: Auch ich hatte natürlich einen Lehrer, der mir die grundlegenden Vokabeln und die deutsche Grammatik beigebracht hat. Aber das meiste habe ich selbst im täglichen Leben gelernt. Wie ein kleiner Junge auf der Straße lernt, gegen einen Ball zu treten, habe ich die deutsche Sprache gelernt. Ich finde es furchtbar schade, wenn manche meiner Landsleute seit fünf Jahren in Deutschland leben, sich aber noch nicht einmal Brötchen beim Bäcker bestellen können. Außerdem will ich als Spieler doch ganz genau wissen, was mir der Trainer zu sagen hat. Denn auf dem Platz gibt es keinen Dolmetscher.

Hinweis: Wenn Du feststellst, dass hier rechtes Gedankengut verbreitet wird, Nutzer diskriminiert werden oder die Diskussion einen unschönen Ton annimmt, dann informiere uns bitte per Mail! Wir werden dann gegebenenfalls eingreifen. Diskussionen bei 11FREUNDE sollen sportlich und sauber ablaufen!