06.05.2014

Gladbachs Christoph Kramer über sein Idol: Torsten Mattuschka

»Er ist nicht schnell, aber produktiv«

Gladbachs Christoph Kramer ist einer der Überflieger der Saison – und schwärmt für einen Zweitligaprofi. Hier erklärt der 23-Jährige, warum er Torsten Mattuschka vom 1. FC Union Berlin mag und was den 33-jährigen Althauer für ihn ausmacht.

Interview: Stefan Hermanns Bild: Imago

Christoph Kramer, kennen Sie das Torsten-Mattuschka-Lied?
Ja, klar. (Singt) Torsten Mattuschka, du bist der beste Mann, Torsten Mattuschka, du kannst, was keiner kann, Torsten Mattuschka, hau ihn rein für den Verein.

Respekt!
Na ja, das Lied wird bei Union ja bei jedem Freistoß gesungen. Dem kann man doch gar nicht entgehen.

Im Stadionheft von Borussia Mönchengladbach war zu lesen, dass Torsten Mattuschka vom Zweitligisten Union Berlin Ihr Lieblingsspieler ist. Das ist schon eine ungewöhnliche Wahl.
Er ist jetzt nicht mein Lieblingsspieler in dem Sinne, dass er mein Vorbild ist oder ich mich an seiner Spielweise orientiere.

Sondern?
In der Zweiten Liga ist eigentlich jedes Spiel mehr Krampf als Kampf. Spielerische Elemente sind da die absolute Ausnahme. In diesem Umfeld ist Torsten Mattuschka wirklich ein Lichtblick – weil er auf dem Platz ein Zocker ist.

Was genau schätzen Sie an ihm?
Dass er sich nicht mehr schnell mit dem Ball drehen kann, dass er Schwächen mit dem Tempo allgemein hat – da müssen wir nicht drüber reden. Aber er versteht Fußball unheimlich gut. Wenn ich mir im Fernsehen ein Spiel von Union anschaue, denk’ ich oft: Da muss der Ball jetzt hin. Und wenn Mattuschka am Ball ist, kommt der Ball auch genau dahin. Das siehst du in der Zweiten Liga wirklich selten.

Seit wann hegen Sie Ihre Begeisterung für Mattuschka?
Ich habe zwei Jahre mit dem VfL Bochum in der Zweiten Liga gespielt, da beschäftigt man sich natürlich mit der Zweiten Liga. Ich glaube, in der ersten Saison hat Union immer eine Woche vor uns gegen unseren nächsten Gegner gespielt. Deshalb war es zwangsläufig so, dass ich mir viele Spiele von Union angeschaut habe. Torsten Mattuschka fällt da schon auf. Und ich fand seine Spielweise einfach toll.

Wie ist es, gegen ihn zu spielen?
Schwer. Er ist unheimlich ballsicher, hat auch eine relativ robuste Hüfte. Da ist es fast unmöglich, an den Ball zu kommen. Ich kann mich nicht erinnern, dass ich ihm oft den Ball abgenommen habe. Das war auch ein ausschlaggebender Punkt, dass ich ihn als Spieler richtig geil fand.

Sie gelten als Laufwunder, Mattuschka ist eher der gemütliche Fußballer. Schwärmt man gerade für Spieler, die ganz anders sind als man selbst?
Das weiß ich nicht. Ich finde einfach, dass Mattuschka in dieser Zweiten Liga extrem heraussticht, weil er seine Linie durchzieht. Er probiert immer zu spielen und passt sich nicht dem Zweitligastil an.

Gibt es etwas an seinem Spiel, das Sie gerne hätten?
Mal abgesehen von seinem tollen Schuss – man muss einfach sagen: Wenn er den Ball hat, kommt immer etwas Produktives dabei rum. Er bewegt sich gut in den Räumen – auch wenn er sich nicht schnell in den Räumen bewegt. Aber er steht immer gut. Man spürt bei ihm einfach, er lebt Fußball, und er versteht Fußball. Das ist in der Zweiten Liga ganz selten, dass einer immer richtig steht, dass er ein Gefühl für den Raum hat, dass er weiß, wo er hinlaufen muss, wenn er den Ball hat. Es kommt auf ganz kleine Kleinigkeiten an, und bei Mattuschka stimmen die alle.

Dann müssten Sie eigentlich froh sein, dass Union nicht aufsteigt – weil Mattuschka weiter in der Zweiten Liga glänzen kann.
Ich hätte mich schon gefreut, wenn Union aufgestiegen wäre. Nicht nur wegen Mattuschka. Als Außenstehender finde ich auch den Verein einfach sehr sympathisch. Und ich habe noch guten Kontakt zu Björn Kopplin, mit dem ich in Bochum zusammen gespielt habe.

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