31.10.2012

Gladbach-Fan Bernd Geschwind über Manolo, den Bökelberg und das Leben in Köln

»Noch einer mit Trommel?«

Er wurde von Manolo geohrfeigt, hat für Stefan Effenberg getrommelt und den ersten Gladbach-Fanclub auf Kölner Boden gegründet: Bernd Geschwind blickt auf eine bewegte Kurvenkarriere zurück. Im Interview spricht er über rheinische Fehden, Lederkutten und Bumm-Bumm.

Interview: Moritz Herrmann Bild: Imago

Bernd Geschwind, wieviel Kraft hatte Manolo in den Armen?
Eine Menge. Kleiner Mann, große Wirkung. Die Backpfeife, die er mir damals gegeben hat, war nicht von schlechten Eltern. Danach musste ich mich erstmal orientieren.

Keine Chance, dem Schlag auszuweichen?
Nein, Manolo kam von hinten. Er stieg vom Zaun, ging in der Westkurve raus, kam zur Nordkurve wieder rein und dann bis Block 15, zu mir. Ich hatte nichts mitbekommen und spähte angestrengt zum Spielfeld. Plötzlich tippte mir jemand auf die Schulter, ich drehte mich um und hatte eine sitzen. Keine Chance.

Geohrfeigt von Manolo, der Gladbacher Fanikone. Sie gaben kein Backenfutter retour?
Ich war völlig perplex und taumelte zurück. Manolo bellte wütend: »Hier nur ich trommeln!« Dann schoben uns beistehende Fans auseinander. Hätte ich zurückgewatscht, wäre es vermutlich sehr ungemütlich geworden. Hinter Manolo hatten sich ein paar kräftige Jungs aufgebaut.

Wir rollen die Geschichte von vorne auf: Sie waren damals 18 Jahre alt und hatten gerade erst angefangen, auch am Bökelberg zu trommeln. In Block 15, schräg hinter dem Zaunsitz von Manolo. Eigentlich ein Affront.
Anfangs drehten sich die Fans verwundert um. Wie jetzt, noch einer mit Trommel? Einige fanden das scheiße, immerhin gab es Manolo seit den Siebzigern. Aber die meisten Anhänger haben mich schnell aufgenommen. »Du kannst wenigstens trommeln«, haben sie mir gesagt. Und sie hatten Recht. Manolo – Gott habe ihn selig! – machte ja eher sein eigenes Ding. Bumm-Bumm, immer nur: Bumm-Bumm. Ich habe auf die Gesänge gewartet und bin dann in den Rhythmus eingestiegen. Das kam an.

Nur nicht bei Manolo.
Ich habe ihn doch bewundert! Er war der Grund, warum ich mir eine Trommel zugelegt habe. Manolo war einzigartig in der Bundesliga, ein Original! Ein Türke, den die Fans nach einem Spanier riefen! Aber damals war er plötzlich ein bisschen außen vor, oben auf seinem Zaun. Ich stand im Herzen der Chöre und durfte der Pulsschlag sein. Das hat ihn geärgert.

Nach der Backpfeife ging der Trommel-Streit sogar zum Fanprojekt.
Das Fanprojekt steckte noch in den Kinderschuhen. Der Fanbeauftragte Holger Spiecker musste zwischen mir und Manolo vermitteln. Der Kompromiss: Ich sollte vor allem auswärts trommeln und Manolo am Bökelberg. Man konnte und wollte Manolo, dieser Ikone, natürlich nicht einfach das Trommeln verbieten.

Waren Sie verfeindet?
Ach, nein. Irgendwann hat sich Manolo an meine Präsenz gewöhnt, erst auswärts, und dann hat er auch nichts mehr gesagt, als ich am Bökelberg mit Trommel auftauchte. Wir haben zwar nie Seite an Seite getrommelt, aber eines Tages mit einem kalten Bier angestoßen.

Sie sind seit Ihrer Kindheit glühender Borussia-Fan. Warum?
Das ging gar nicht anders. Mein älterer Bruder Friedhelm hat die glorreichen Siebziger miterlebt, die Fohlen-Elf von Hennes Weisweiler. Er gab diese Begeisterung an mich weiter. 1985 schenkte mir mein anderer Bruder, Christoph, zum 16. Geburtstag den ersten Stadionbesuch. Gegen Bayern München, fantastische Stimmung! Von da an pilgerte ich regelmäßig ins Stadion.

Welche Erinnerungen weckt der alte Bökelberg bei Ihnen?
Die steilen Ränge! Man fühlte sich dem Rasen ganz nahe. Noch näher kam man ihm nur, wenn ein Tor fiel. Da lag man plötzlich, eingewickelt in Lametta und Luftschlangen, vier Meter weiter unten. Der Bökelberg war ein Kessel, der durch und durch auf Fußball ausgerichtet war. Keine Distanz, keine Tartanbahn.

Sie wollten Teil der Stimmung werden – und kauften Ihre Trommel ausgerechnet in Köln.
Zuerst kam die Kutte. Ich schnitt von einer alten Motorradjacke die Ärmel ab und schmückte das Leder. Wann immer ich sechs Aufnäher beisammen hatte, lief ich zu unserem Dorfschuster in der Eifel und ließ die Sticker gegen kleines Geld auftragen. Als die Kutte nicht mehr reichte, habe ich in einem Musikladen am Kölner Barbarossaplatz die Trommel gekauft. Eine einfache Maschtrommel, von mir umgemodelt, neu gestrichen und mit anderem Fell bezogen, um die Lautstärke zu oben zu treiben. Ich kaufte auch zwei neue Stöcke und schlug fortan von beiden Seiten drauf.

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