Giovane Elber über Lyon und Bayern

»Wie ein Eigentor«

An Giovane Elber erinnern wir uns als Spaßvogel. Doch nicht alles in seiner Laufbahn war so locker wie sein Charakter. Hier spricht er über sein traurigstes Tor, Effes Launen und warum er bei Hitzfeld immer der Schuldige war. Giovane Elber über Lyon und Bayern

Giovane Elber, was war das Geheimnis Ihrer großen Karriere?

Für meine Entwicklung war ein langsamer Aufstieg ganz entscheidend. Meine erste Station in Europa war der AC Mailand, wo ich zwar mittrainierte, aber zu keinem Pflichtspieleinsatz kam. Schnell wurde ich dann zu den Grashoppers Zürich ausgeliehen und das war sehr wichtig. Dort konnte ich in einer schwächeren Liga, ohne viel Druck, den europäischen Fußball kennen lernen. So war auch der Einstieg beim VfB Stuttgart leichter, weil ich schon die Sprache konnte und wusste, was für ein Spielstil auf mich zukommt. Auch Stuttgart war eine Art Vorbereitung, diesmal für den FC Bayern. Man kannte mich schon in Deutschland, ich musste mich nicht jede Woche neu beweisen und konnte befreiter aufspielen.

War die Zeit bei Bayern München die schönste?

Schwierig zu sagen, weil viele meiner Stationen schöne Aspekte hatten. Die Zeit in Zürich etwa, als ich zunächst dachte, den Durchbruch nicht zu schaffen und dann aber sehr erfolgreich war. Oder auch die drei Jahre beim VfB Stuttgart, wo wir wie eine Familie waren.

Warum dann der Wechsel nach München?

Weil man immer mehr will. Man will wissen, ob man bei einem ganz großen Verein auch so erfolgreich spielen kann. Daher habe ich den Schritt gemacht und bin zum FC Bayern gegangen. Dort verlief das erste Jahr, zusammen mit Trapattoni, überhaupt nicht nach meinen Vorstellungen. Der Trainer ließ viel auf Taktik spielen, viel defensiver als zuvor bei Stuttgart und für einen Angreifer war es dadurch schwieriger als bei Stuttgart. Ich habe dadurch in München aber gelernt, dass man mit zu offensivem Spiel keine Titel gewinnt.

Was war das eigentlich für eine Mannschaft damals beim FC Bayern?


Als ich 1997 zu den Bayern kam, war es mehr ein Team voller Einzelkämpfer und nicht die funktionierende Mannschaft wie bei Stuttgart, wo jeder für den anderen gekämpft hat. Aber dann ist Ottmar Hitzfeld gekommen, und der FC Hollywood war schnell Vergangenheit. Es herrschte Harmonie im Verein und auch bei den Spielern. Natürlich kann es immer vorkommen, dass einer unzufrieden ist. Aber Hitzfeld hatte ein sehr gutes Händchen dafür, wie man mit den Spielern umgehen muss. Er hat auf alle Spieler gesetzt und kommunizierte viel mit uns. Wenn er gesagt hat: »Heute wirst du geschont, weil wir übermorgen ein wichtiges Spiel haben«, dann hat das jeder akzeptiert. So haben wir auch zusammen große Titel gefeiert. Es war die beste Phase der Bayern in den letzten Jahren, und ich bin sehr dankbar dafür, dass ich zusammen mit Hitzfeld und Spielern wie Oliver Kahn oder Stefan Effenberg diese Zeit erleben durfte.

Sie sprechen mit Kahn und Effenberg sehr große Spielerpersönlichkeiten an. Braucht man solche Typen in einer erfolgreichen Mannschaft?

Ja, die braucht man in jedem Team. Diese Typen, die das restliche Team mitreißen. Bei einem wie Effenberg oder Kahn sagt alleine der Gesichtausdruck: »Der Sieger ist da, heute verlieren wir nicht«. Bei uns hatte jeder der drei Mannschafsteile seinen Leader und hat perfekt zusammengespielt. Oliver Kahn hinten mit der Abwehr, Effenberg im Mittelfeld und ich mit anderen Spielern vorne. So hatten wir dann auch eine intakte Mannschaft, in welcher der eine für den anderen gelaufen ist.

Gerade ein Effenberg stand auch oft in der Kritik, weil er zu wenig leistete.

Er ist einer, der und uns den Rücken freihalten konnte, und daher hatten wir auch viel Respekt vor ihm. Wenn er keinen guten Tag hatte, teilte er uns mit, dass er uns nicht mitreißen kann. Oft sagte er: »Heute schieß ich 15 Bälle nach vorne, 15 mal werden es Fehlpässe sein, aber der sechzehnte wird ankommen und dann müsst ihr das Tor machen. Dann werden wir gefeiert.« Wenn ihn die Fans mal auspfiffen wegen einer schlechten Leistung nahm er es auf sich, der Erfolg stand für ihn im Vordergrund. Das war auch eine seiner großen Stärken.

War es für Effenberg wichtig, dass Matthäus den Verein verließ?

Nein. Auch mit Lothar hat »Effe« harmoniert. Es war nicht so, dass Lothar weg war und Effenberg plötzlich ein Leader wurde. Er war es schon immer, auch als Matthäus oder Helmer noch dabei waren. Effenberg machte immer sein Ding für die Mannschaft. Er war nicht dieser arrogante »Der Tiger ist da«-Typ, wie es oft dargestellt wurde. Er war einer zu dem man gerne aufblickte.

Was war ihre Rolle im Mannschaftsgefüge?

Ich war mehr der Spaßvogel, wusste aber auch, dass ich beim Spiel ernst und konzentriert sein muss. Ich hatte immer irgendwas bereit, wenn es schlecht lief. Ich habe nie den Mund gehalten in der Kabine, sondern immer was erzählt. Das war mehr mein Part, den Spielern die gute Laune zu bringen und sie zu halten. Und ich glaube, dass ich das gut gemacht habe (lacht).

Ein Ereignis, bei dem das sicher schwer fiel, war das Champions League-Finale 1999 gegen Manchester United. Wie haben Sie dieses Drama damals mitbekommen?

Ich war damals verletzt und zusammen mit Bixente Lizarazu auf der Tribüne. Der damalige UEFA-Präsident Lennart Johannson kam auf mich zu und forderte uns auf, zur Siegerehrung zu gehen. Also schaute ich zu Lizarazu rüber und sagte ihm: »Liza, wir sollen runter, weil wir haben das gewonnen.« (Pause) Tja, und dann verliert man so kurz vor Schluss noch so ein Spiel. Es war für jeden schwer, aber ich hatte noch viel mehr Mitleid mit den Spielern auf dem Platz, weil sie ihr Bestes gegeben haben. Leider hatte Manchester zum Schluss das Glück, so ein Spiel zu gewinnen. Aber zwei Jahre später hatten wir das Glück, dazu einen sehr guten Olli Kahn im Tor, und wurden selbst Champions League-Sieger.

Gab es durch dieses Drama eine »Jetzt gewinnen wir die Champions League erst recht«-Stimmung?

Es war nicht einfach für uns, wieder auf das Tagesgeschäft umzusteigen. Ottmar Hitzfeld meinte damals: »Jetzt hat keiner Bock auf Fußball, weil wir haben ein Spiel verloren, dass man normalerweise nicht verliert. Aber da muss man durch, das ist Fußball.« Und so ist es, man muss immer an sich glauben. Auch wenn ich persönlich nach 1999 dachte, man muss jetzt zehn Jahre warten, bis man wieder in das Endspiel kommt. Aber die Mannschaft hatte alles miterlebt, sie wurde Meister und verlor die Champions League, beides in den letzten Sekunden eines Spiels. Dadurch wurde sie stärker – und das war wohl auch ein Grund für den Erfolg gegen Valencia 2001.

Wie groß war der Anteil von Ottmar Hitzfeld an den großen Erfolgen?

Ich glaube, ein anderer Trainer hätte es nicht geschafft, wieder in ein Champions League-Finale zu kommen, geschweige denn, den Weltpokal zu gewinnen. Egal ob ein Capello oder ein Rijkaard. Hitzfeld war und ist ein Gentleman, der seine Spieler gut eingeschätzt hat und wusste, welchem Spieler er was mitgeben muss. Ich war zum Beispiel einer, der immer in der Kritik stand. Wenn wir schlecht gespielt haben, war immer ich schuld. Dann fragte ich ihn einmal: »Trainer, das gibt es doch nicht, wir sind 15 gute Spieler. Wenn wir gewinnen, werden alle gefeiert, wenn wir verlieren, bin ich schuld. Dann meinte er zu mir: »Giovane, soll ich zu einem Roque Santa Cruz so etwas sagen? Oder zu einem Claudio Pizarro? Die sind noch jung, wenn sie mit so einer Kritik konfrontiert werden, brauchen sie drei Monate, um zurück zu kommen. Bei dir weiß ich aber, du verkraftest das.« Auch wenn es für mich manchmal nicht einfach war, habe ich diese Kritik im Sinne der Mannschaft dann gerne angenommen.

Hitzfeld wurde mit den Bayern Herbstmeister und steht dennoch fortwährend zur Diskussion. Müsste man Hitzfeld heute mehr Vertrauen entgegen bringen?

Ich glaube, das Problem bei den Bayern diese Saison waren die Aussagen vor Meisterschaftsbeginn. Es hieß, die anderen werden die Bayern nur mehr durchs Fernglas sehen, und der FC Bayern hat die beste Mannschaft aller Zeiten. Als Spieler nimmst du das nicht so ernst, weil du weißt, die Spiele werden am Platz entschieden und nicht am Papier. Der Trainer verspürt aber natürlich einen großen Druck, weil er weiß, dass er eine außergewöhnliche Mannschaft zur Verfügung hat. Doch Hitzfeld ist klug genug und wird den Kritikern mit Siegen am Platz die Antwort geben. Die schwierige Phase, wie zum Ende der Hinrunde, hat jede Mannschaft in jeder Saison, das ist ganz normal.

Wurden manche Bayern-Spieler zu früh gelobt?


Vielleicht ja. Aber wenn man zum Beispiel einen Ribéry hernimmt, der muss jetzt eigentlich noch besser spielen als an den ersten Spieltagen. Die Gegner wissen jetzt, dass man ihn nicht frei stehen lassen kann und zu zweit decken muss, weil er ein Spiel allein entscheiden kann. Es ist so wie Olli Kahn gesagt hat, dass man sich beim FC Bayern nicht zu früh freuen darf, wenn man drei oder vier gute Spiele gemacht hat. Man muss eine gute Leistung über die gesamte Meisterschaft zeigen.

Glauben Sie, die Bayern können mit der heutigen Mannschaft ähnlich erfolgreich werden wie früher zu Ihrer Zeit?

Ich glaube schon. Leider spielen sie diese Saison nur Uefa Cup. Aber die Mannschaft ist gut genug, um in der Champions League dabei zu sein, vielleicht sogar um das Endspiel zu erreichen. Um das zu schaffen, muss man aber mehr als gut spielen, man braucht Glück und eine intakte Mannschaft. Und sie müssen für einander kämpfen, spielerisch sind sie ja stark, nicht umsonst ist fast jeder einzelne Nationalspieler.

Kahn wurde vor dem Hinrundenfinale gegen die Hertha suspendiert. Hat er in der heutigen Mannschaft einen anderen Stellenwert als früher?

Nein. Oliver Kahn wird immer Oliver Kahn sein. Er wird nicht immer auf dem Platz herumschreien, aber in der Kabine findet er sicher noch gewichtige Worte für seine Mitspieler. Auch wenn es nicht läuft, ist Kahn ein Siegertyp, und das wird immer so sein. Das ist sein Charakter, und er kann das nicht von heute auf morgen abstellen.

Sie hatten ein besonderes Erlebnis mit Oliver Kahn. Direkt nach ihrem Wechsel zu Lyon schossen Sie ein Tor gegen ihn in der Champions League im Olympiastadion. War das Genugtuung nach ihrem nicht ganz freiwilligen Abschied aus München?


Es war keine Genugtuung. Es war unbeschreiblich. Ich habe ausgerechnet gegen meine Ex-Mannschaft, mit der ich vor einem Monat noch spielte, das Siegtor geschossen. Nach dem Tor hatte ich kein Gefühl. Ich konnte nicht schreien, nicht weinen, nicht lachen. Es war so, als hätte ich ein Eigentor geschossen. Alle waren baff und sprachlos. Niemand, nicht ich und auch nicht meine ehemaligen Kameraden, hätten sich gedacht, dass gerade ich das Siegtor schieße. Die Zuschauer haben mir zugejubelt, haben Giovane Elber-Sprechchöre skandiert. Als ich in die Kabine ging, wollte ich zu jener der Bayern gehen, einfach intuitiv. Man ist zwar auf einmal Gegner, weiß aber alles über die anderen. Ich habe auch mit dem Trainer von Olympique Lyon gesprochen, habe ihm gesagt, wie Bayern spielt, wo man aufpassen muss. Es war alles so unglaublich. Am Ende fragte ich mich, was ich da gemacht habe.

Aber in Lyon lief es dann doch nicht nach Wunsch. Was war los?

Die erste Saison war ich enttäuscht, nicht vom Verein, sondern von mir selbst, weil ich nicht das gezeigt habe, was ich konnte. Ich dachte allerdings, dass das erste Jahr immer schwer ist und ich im nächsten Jahr richtig durchstarten kann. Leider passierte dann die Verletzung. Ich wurde zuerst in Lyon operiert und später in Deutschland ein zweites Mal. Dann habe ich mir gesagt, dass ich in Lyon nicht bleiben kann, weil ich dem Mannschaftsarzt nicht mehr in die Augen schauen konnte. Denn ich wusste, er hatte Fehler gemacht. Der Präsident von Lyon wollte es nicht akzeptieren. Also bat ich darum gehen zu dürfen, ohne Geld zu fordern, worauf das Angebot von Gladbach kam.

Auch eine unglückliche Zeit.

Ich wurde in Gladbach vor falsche Tatsachen gestellt. Man hatte große Pläne und wollte eine starke Mannschaft aufbauen fürs nächste Jahr. Sie planten mit mir trotz meiner schweren Verletzung. Doch auf einmal war der Trainer weg (Dick Advocaat, Anm. der Red.) und es kam ein neuer (Horst Köppel), mit dem ich gar nicht zu recht kam. Ich hab mir den Arsch aufgerissen, weil ich unbedingt spielen wollte. Ich habe alles getan und gegeben im Training um wieder zu spielen, aber leider hatte der Trainer immer eine andere Meinung von meinem Zustand. Er redete mir ein, dass ich noch verletzt sei. Dann bin ich von mir aus gegangen, weil der Respekt nicht mehr da war. Ich wollte nur, dass die Mannschaft in der ersten Liga bleiben kann. Ich selbst versuchte es woanders.

Haben Sie den Wechsel zu Gladbach bereut?


Ja, ein bisschen. Ich war überzeugt, dass man in Gladbach mit diesen Fans und diesem Stadion etwas aufbauen kann. Aber leider ist es nicht passiert. Es war schade für die Fans, ihnen wurde viel versprochen, und es haben auch viele Trikots mit meinem Namen gekauft. Sie haben mich aber nur zweimal auf dem Platz gesehen. Das ist leider auch Fußball.

Mit dem Wechsel nach Brasilien folgte auf das Tief noch einmal ein Hoch. Wie war es, die Karriere in der Heimat ausklingen zu lassen?

Es war nur eine Saison in Brasilien. Aber ich hatte hier noch nie gespielt und es machte mir sehr viel Spaß. Auch wenn es ganz anders ist als in Europa und nicht so gut organisiert: Das Schönste war mein erstes Spiel in der Heimat, in dem ich gleich mein erstes Tor erzielte. Dieses Glücksgefühl war absoluter Wahnsinn. Denn natürlich hatte ich Angst, nie mehr zu spielen. In Gladbach machten sie mich durch Training kaputt. Es wurde nicht darauf geachtet, dass mein Sprunggelenk operiert wurde, und ich musste Sprungtraining machen. Das führte dann leider ja auch zu meinem frühzeitigen Karriereende.

Sie sind noch immer der erfolgreichstes ausländische Torjäger der deutschen Bundesliga, waren ein Weltklassespieler, und machten dennoch nur 15 Länderspiele. Sind Sie eher glücklich über die paar Länderspiele, die Sie trotz der großen Konkurrenz machen durften, oder tut es ihnen weh, dass es nicht mehr wurden?

Ich war immer stolz, in der Nationalmannschaft zu spielen und dabei zu sein. Wenn man sieht, wie viele Brasilianer in dieser Welt spielen, dann ist es eine Ehre, unter den 18 oder 20 besten brasilianischen Spielern zu sein. Aber klar will man immer spielen und ist nie zufrieden. Leider hatte ich zu meiner Zeit große Konkurrenz: Romario, Bebeto, Ronaldo in seiner besten Form – es war sehr schwer. Trotzdem bin ich weder enttäuscht, dass ich zu wenig gespielt habe, noch, dass ich nie bei einer WM gespielt habe. Zum Schluss sage ich: Alles, was ich in meiner Karriere erreicht habe, hätte ich mir niemals erträumt. Wenn ich die Zeit zurückdrehen könnte, würde ich alles gleich machen. Ich habe gar nichts verpasst und habe bei allem, was ich gemacht habe viel gelernt, für das ganze Leben.

Sie haben schon in ihrer Zeit in Stuttgart die Giovane Elber-Stiftung für Straßenkinder ins Leben gerufen. Sehen Sie es als Verpflichtung an, ihrer Heimat etwas zurückzugeben?

Eine Pflicht war es nicht, es kam von Herzen. Ich habe so viel erlebt und gesehen und wollte meiner Heimat etwas zurückgeben. Also gründete ich einen Verein, damit Kinder auf der Straße eine Zukunft haben. Es ist einfach schön, wenn man so etwas machen kann. Ich habe das Glück gehabt, dass ich neben mir immer gute Leute gehabt habe, die diese Idee auch sehr gut unterstützt haben. Ich sage immer so: Ich habe fast nur meinen Namen gegeben, die anderen haben die harte Arbeit gemacht. Sie haben Geld gesammelt, mit Sponsoren gesprochen. Trotzdem bin ich froh, mitgeholfen zu haben und heute noch bei diesem Projekt dabei zu sein. Und wenn man die Resultate sieht, die Kinder von diesem Projekt, die schon eine Arbeitsstelle hier in Brasilien haben. Dann weiß man, dass man etwas für diese Leute getan hat, weil die Kinder ohne dieses Projekt noch heute auf der Straße wären.

Haben Sie in diesem Zusammenhang schon einmal daran gedacht, eine Fußballschule ins Leben zu rufen?

Nein, das habe ich mir nie gedacht, und ich hatte nie einen Zwang, so etwas zu machen. Jeder in Brasilien will Fußballer werden. Von 10.000 schafft es aber vielleicht nur einer. Was machen dann die anderen? Die gehen dann nicht zur Schule oder lernen keinen Beruf, weil sie nur Fußball im Kopf haben. Dann schaffen sie es aber nicht zum Profi und haben keine positive Zukunft vor sich. Daher glaube ich, eine Berufsschule ist besser. Klar, wenn in dieser Schule ein guter Fußballer dabei ist, werde ich mich stark für ihn einsetzen, um ihn bei einer Mannschaft unterzubringen. Aber ein Fußballcamp, um Spieler zu entdecken, habe ich nicht im Sinn.

Sie arbeiten als Talente-Scout für Bayern München?

Ja, das mache ich für den FC Bayern hier in Südamerika. Eine schöne Arbeit, man ist ständig unterwegs und schaut sich Spieler an. Dann ruft man bei Hitzfeld oder Uli Hoeneß an und erzählt ihnen von den Guten. Sagt ihnen, sie sollen sich den anschauen, weil das ein Großer werden kann.

Scout ist nicht Ihr einziger Job – Sie besitzen auch eine Rinderfarm. Kann man sich Giovane Elber heute wirklich so vorstellen, dass er die Fußballschuhe gegen Cowboystiefel getauscht hat?

(lacht) Früher war es einfacher, weil man seinen Tagesablauf kannte. Unter der Woche morgens Training, nachmittags zu Hause und am Wochenende Spiele. Nun ist das ganz anders. Ich bin nach wie vor viel unterwegs, weil meine Rinderfarm nicht hier in Londrina ist, wo ich wohne. Man fliegt viel, besucht Rindermessen und hat einen ganz anderen Alltag als früher. Aber es macht auch Spaß. Außerdem bin ich ja nicht nur Rinderfarmer, bin eben Scout und auch als Co-Kommentator bei Champions League-Spielen im brasilianischen Fernsehen tätig.

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