21.04.2010

Giovane Elber über Lyon und Bayern

»Wie ein Eigentor«

An Giovane Elber erinnern wir uns als Spaßvogel. Doch nicht alles in seiner Laufbahn war so locker wie sein Charakter. Hier spricht er über sein traurigstes Tor, Effes Launen und warum er bei Hitzfeld immer der Schuldige war.

Interview: Peter Wagner Bild: imago

Giovane Elber, was war das Geheimnis Ihrer großen Karriere?

Für meine Entwicklung war ein langsamer Aufstieg ganz entscheidend. Meine erste Station in Europa war der AC Mailand, wo ich zwar mittrainierte, aber zu keinem Pflichtspieleinsatz kam. Schnell wurde ich dann zu den Grashoppers Zürich ausgeliehen und das war sehr wichtig. Dort konnte ich in einer schwächeren Liga, ohne viel Druck, den europäischen Fußball kennen lernen. So war auch der Einstieg beim VfB Stuttgart leichter, weil ich schon die Sprache konnte und wusste, was für ein Spielstil auf mich zukommt. Auch Stuttgart war eine Art Vorbereitung, diesmal für den FC Bayern. Man kannte mich schon in Deutschland, ich musste mich nicht jede Woche neu beweisen und konnte befreiter aufspielen.

War die Zeit bei Bayern München die schönste?

Schwierig zu sagen, weil viele meiner Stationen schöne Aspekte hatten. Die Zeit in Zürich etwa, als ich zunächst dachte, den Durchbruch nicht zu schaffen und dann aber sehr erfolgreich war. Oder auch die drei Jahre beim VfB Stuttgart, wo wir wie eine Familie waren.

Warum dann der Wechsel nach München?

Weil man immer mehr will. Man will wissen, ob man bei einem ganz großen Verein auch so erfolgreich spielen kann. Daher habe ich den Schritt gemacht und bin zum FC Bayern gegangen. Dort verlief das erste Jahr, zusammen mit Trapattoni, überhaupt nicht nach meinen Vorstellungen. Der Trainer ließ viel auf Taktik spielen, viel defensiver als zuvor bei Stuttgart und für einen Angreifer war es dadurch schwieriger als bei Stuttgart. Ich habe dadurch in München aber gelernt, dass man mit zu offensivem Spiel keine Titel gewinnt.

Was war das eigentlich für eine Mannschaft damals beim FC Bayern?


Als ich 1997 zu den Bayern kam, war es mehr ein Team voller Einzelkämpfer und nicht die funktionierende Mannschaft wie bei Stuttgart, wo jeder für den anderen gekämpft hat. Aber dann ist Ottmar Hitzfeld gekommen, und der FC Hollywood war schnell Vergangenheit. Es herrschte Harmonie im Verein und auch bei den Spielern. Natürlich kann es immer vorkommen, dass einer unzufrieden ist. Aber Hitzfeld hatte ein sehr gutes Händchen dafür, wie man mit den Spielern umgehen muss. Er hat auf alle Spieler gesetzt und kommunizierte viel mit uns. Wenn er gesagt hat: »Heute wirst du geschont, weil wir übermorgen ein wichtiges Spiel haben«, dann hat das jeder akzeptiert. So haben wir auch zusammen große Titel gefeiert. Es war die beste Phase der Bayern in den letzten Jahren, und ich bin sehr dankbar dafür, dass ich zusammen mit Hitzfeld und Spielern wie Oliver Kahn oder Stefan Effenberg diese Zeit erleben durfte.

Sie sprechen mit Kahn und Effenberg sehr große Spielerpersönlichkeiten an. Braucht man solche Typen in einer erfolgreichen Mannschaft?

Ja, die braucht man in jedem Team. Diese Typen, die das restliche Team mitreißen. Bei einem wie Effenberg oder Kahn sagt alleine der Gesichtausdruck: »Der Sieger ist da, heute verlieren wir nicht«. Bei uns hatte jeder der drei Mannschafsteile seinen Leader und hat perfekt zusammengespielt. Oliver Kahn hinten mit der Abwehr, Effenberg im Mittelfeld und ich mit anderen Spielern vorne. So hatten wir dann auch eine intakte Mannschaft, in welcher der eine für den anderen gelaufen ist.

Gerade ein Effenberg stand auch oft in der Kritik, weil er zu wenig leistete.

Er ist einer, der und uns den Rücken freihalten konnte, und daher hatten wir auch viel Respekt vor ihm. Wenn er keinen guten Tag hatte, teilte er uns mit, dass er uns nicht mitreißen kann. Oft sagte er: »Heute schieß ich 15 Bälle nach vorne, 15 mal werden es Fehlpässe sein, aber der sechzehnte wird ankommen und dann müsst ihr das Tor machen. Dann werden wir gefeiert.« Wenn ihn die Fans mal auspfiffen wegen einer schlechten Leistung nahm er es auf sich, der Erfolg stand für ihn im Vordergrund. Das war auch eine seiner großen Stärken.

War es für Effenberg wichtig, dass Matthäus den Verein verließ?

Nein. Auch mit Lothar hat »Effe« harmoniert. Es war nicht so, dass Lothar weg war und Effenberg plötzlich ein Leader wurde. Er war es schon immer, auch als Matthäus oder Helmer noch dabei waren. Effenberg machte immer sein Ding für die Mannschaft. Er war nicht dieser arrogante »Der Tiger ist da«-Typ, wie es oft dargestellt wurde. Er war einer zu dem man gerne aufblickte.

Was war ihre Rolle im Mannschaftsgefüge?

Ich war mehr der Spaßvogel, wusste aber auch, dass ich beim Spiel ernst und konzentriert sein muss. Ich hatte immer irgendwas bereit, wenn es schlecht lief. Ich habe nie den Mund gehalten in der Kabine, sondern immer was erzählt. Das war mehr mein Part, den Spielern die gute Laune zu bringen und sie zu halten. Und ich glaube, dass ich das gut gemacht habe (lacht).

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