Gilberto im Interview

„Ich habe an mir gezweifelt“

Gilberto spielte dreieinhalb Jahre für Hertha BSC in der Bundesliga, ehe er im Januar 2008 nach Tottenham wechselte. Hier erzählt er über sein erstes Tor auf der Insel, ob er Hertha vermisst – und warum er weiter im Hotel wohnt. Imago

Gilberto, wie ist es Ihnen ergangen nach Ihrem schweren Fehler gleich im ersten Spiel für Tottenham Hotspur?

Ich habe an mir gezweifelt, beinahe meine ganze Karriere infrage gestellt. Ich hatte mir vor dem Spiel gegen Eindhoven so viele Gedanken gemacht. Es wäre so wichtig gewesen für mich, gut zu sein in diesem Spiel. Ich wollte zeigen, dass ich hier bestehen kann, und die Fans der Spurs gleich überzeugen. Ich war glücklich, dass ich aufgestellt wurde und diese Chance bekam. Doch dann passiert mir dieser Fehler, ich verliere den Ball. Und das führt zum einzigen Tor. Im Heimspiel, im Uefa-Cup, in der K.-o.-Runde. Das hat mich sehr getroffen.

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Wie haben Ihre Mitspieler reagiert?

Niemand hat mir einen Vorwurf gemacht. Sie kamen zu mir und haben mir gut zugeredet. Kopf hoch, Gilberto!

Hat Kevin-Prince Boateng, der andere frühere Herthaner bei Tottenham, Ihnen geholfen?

Kevin kam natürlich auch auf mich zu. Das alles hat mir sehr gut getan nach der großen Enttäuschung. Ich bin so einen Einstand ja nicht gewohnt. Damals in Berlin, vor vier Jahren, da habe ich gleich in meinem ersten Spiel für Hertha ein Tor geschossen.

Das ist Ihnen hier im Prinzip ja dann auch gelungen, nicht im Uefa-Cup, aber zum Einstand in der Premier League.

Was für eine Erleichterung! Ich danke Gott dafür. Und Trainer Juande Ramos.

Ramos hat sie gegen West Ham United allerdings erst einmal auf der Bank gelassen. Die nächste Enttäuschung?


Ich habe gebetet, dass ich spielen darf, um meinen Fehler wiedergutzumachen. Dann hat es geklappt, wenn auch erst in der zweiten Halbzeit. Und mir gelingt auch noch ein Tor. Gut, dass der Trainer mich diesmal offensiver spielen ließ.

Sie loben Ramos. Was ist er für ein Trainer?

Ein Klassemann. Er hat die Spieler im Griff und weiß bei jedem Einzelnen ganz genau, was für ihn das Beste ist. Lucien Favre ist auch ein guter Trainer. Aber hier ist doch alles eine Nummer größer als bei Hertha.

Wie wirkt London auf Sie?


Alles ist anders. In Berlin war ich von meiner Wohnung aus in fünf Minuten am Stadion oder auf dem Trainingsplatz. Und in zehn Minuten am Flughafen. London ist so viel größer, so viele Leute, so viel Verkehr, es ist viel schwieriger, von einem Ort zum anderen zu kommen.

Wie wohnen Sie hier?


Ich lebe noch im Hotel. In dieser Woche kommen meine beiden Töchter und meine Frau. Sie hat schon ein Haus für uns gefunden. Aber ich bleibe erst einmal noch im Hotel wohnen.

Warum denn das?

Wenn ich zu Hause bin, dann esse ich zu viel und zu gut. Im Hotel habe ich das besser unter Kontrolle. Das gefällt meinem Fitnesstrainer.

Und klingt sehr aufopferungsvoll.


Ich muss richtig fit werden. Ich war verletzt, meine Beine sind noch ein bisschen langsam. Und hier in England ist es schwieriger, mithalten zu können. Das habe ich sofort beim Training gemerkt.

Was ist Ihnen da aufgefallen?

Es wird viel schneller gespielt. Und härter. Dauernd gibt es Körperkontakt.

In London haben Sie auf sich aufmerksam gemacht, wie sehen Sie jetzt Ihre Chancen in der brasilianischen Nationalelf?

Am Dienstag wird das Aufgebot für unser Testspiel gegen Schweden bekannt gegeben. Ich denke, ich bin dabei.

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