22.07.2011

Gerry Ehrmann über Angsthasen

»Erschossen wird keiner!«

Für das neue 11FREUNDE Bundesliga-Sonderheft traf unser Autor Johannes Ehrmann seinen Namensvetter Gerry aus Kaiserslautern. Nicht das erste Treffen zwischen den Ehrmanns – wir erinnern an ein legendäres Torwart-Interview...

Interview: Johannes Ehrmann Bild: Imago
Was trainieren Sie besonders?

Sprungkraft und Schnellkraft sind, wie gesagt, die Grundvoraussetzungen. Auch der Mut, lange stehen zu bleiben, sich nicht wegzudrehen, wenn ein Ball mal aus drei, vier Metern richtig hart ankommt. Wir trainieren praxisgemäß, also anhand von Situationen, die auch im Spiel vorkommen. Ich schieße im Training bestimmt 30-40 Mal aus fünf Metern in spitzem Winkel aufs Tor. Da müssen die Jungs dann stehen bleiben und reagieren. Im Training muss man sich die Sicherheit holen, das Gefühl, dass im Spiel nichts passieren kann.

Training als Probe für den Ernstfall...

Genau. Wir trainieren Spielsituationen. Ohne Wenn und Aber. Ich verlange von meinen Torhütern deswegen auch im Training absolute Konzentration und Entschlossenheit. Ich habe auch kein Problem damit, wenn sie mich mal wegputzen bei einem Nachschuss...

Wiese, Fromlowitz und Co. haben eine offensichtliche Gemeinsamkeit: Kompromisslosigkeit beim Herauslaufen. Impfen Sie das all Ihren Keepern ein?

Nur so geht es. Man muss Entscheidungen treffen und die dann durchziehen. Das fördere ich auch. Die Jungs können auch mal einen Fehler machen, daraus kann man ja nur lernen. Das Wichtigste ist aber, das richtige Gefühl für die entscheidenden Situationen zu bekommen. Dazu muss dann aber auch die nötige Entschlossenheit kommen. Man darf weder sich noch den Gegenspieler schonen – natürlich ohne blind jemanden umzuhauen!

Warum ist die Entschlossenheit für Torhüter so wichtig?

Die Ausstrahlung des Tormanns überträgt sich auf die Mannschaft und auch auf die Gegenspieler. Für einen Stürmer macht das schon einen Unterschied, ob er weiß, dass der Torwart bei einer gewissen Situation richtig dazwischen haut oder ob er das Gefühl hat, dass das ein Angsthase ist, der nie rauskommt.

Ein Ziel eines guten Torhüters ist es also, Angst beim Stürmer zu verursachen...

Richtig, aber natürlich nur in einem gewissen Rahmen. Für meine Keeper gilt auch: Fehler sind OK, aber nicht Fehler, die aus Überheblichkeit oder Angst passieren. Es ist ja noch keiner vom Ball erschossen worden... Wenn man einen Ball mal an den Kopf oder zwischen die Beine bekommt, geht es weiter!

Wie vermitteln Sie das Ihren Spielern konkret?

Die Jungs müssen lernen, wie schwer es für einen Stürmer ist, wenn man als Torhüter lange genug stehen bleibt. Da stelle ich mich auch schon mal selbst ins Tor, damit sie sehen, wie das aus der Sicht des Angreifers ist.

Wie wichtig ist optimale Fitness?

Sehr wichtig. Meine Jungs sind alle topfit, auch weil wir einmal die Woche bis an die Grenze gehen, bis zur Erschöpfung.

Wie darf man das verstehen?

Da kommen die Hürden zum Einsatz, auch mal die Bleiweste. Wir trainieren dann 90 Minuten vor allem Bewegungsabläufe in Verbindung mit Sprungkraft. Da geht es ans Eingemachte. Ein bisschen Willensschulung ist immer mit dabei... Dazu kommen dann noch drei bis vier andere Einheiten pro Woche, die dann allerdings nicht so hart sind und zwischen 30 und 45 Minuten dauern. Da geht es vorwiegend um Technik, Flanken, Verhaltensweisen.

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