03.11.2010

Gerd Müller wird 65

»Wir hatten vorne nur Ochsen«

Gerd Müller wird heute 65 Jahre alt. Seine Heldentaten für den FCB und die Nationelelf kann jeder Fan im Schlaf nacherzählen. Doch was ist mit seinen Jahren in der NASL? Ein Gespräch über Fort Lauderdale und George Best.

Interview: Tim Jürgens Bild: Imago
Gerd Müller wird 65
Gerd Müller, wie waren die Voraussetzungen um Fußball zu spielen, als Sie 1979 in die USA kamen?

Wir hatten in Fort Lauderdale das Glück, den besten Platz der Liga zu haben. Wir haben auf feinstem Florida-Rasen gespielt. Da ging es mir wesentlich besser als dem Franz, der anfangs auf regelrechten Äckern gekickt hat.

Tatsächlich?

Cosmos hatte zu Hause Kunstrasen, aber dieser Belag ist fürchterlich.



Gab es sonst Unterschiede? Beckenbauer erzählte, dass bei seinem Cosmos-Debüt der Stadionssprecher während der Partie das Spiel erklärt habe.

Das gab es bei uns nicht. Aber die Regeln des Spiels an sich waren anders: Abseits wurde erst ab der 35 Yard Linie vor dem Tor gepfiffen. Außerdem gab nie Unentschieden: nach zweimal 15 Minuten Verlängerung folgte der Shoot-Out. Wenn das TV übertrug, dauerte das Spiel mitunter bis zu zweieinhalb Stunden.

Wegen der Werbeunterbrechungen?

Unter anderem. Immer wenn es einen Freistoß gab, wurden kurze Reklamen eingespielt.

War die neue Abseitsregel ein Vorteil für Sie?

Normalerweise ist es ein Vorteil, nah am Tor freistehen zu dürfen, aber ich musste mich erst an das System gewöhnen. Wir hatten vorne nur lange Ochsen – so nannten wir spaßeshalber die Briten im Team – drin, die sich nur hoch anspielen ließen. Da habe ich gesagt: Spielt’s flach und schon habe ich wieder meine Buden gemacht.

Wie kam der Kontakt zu den Fort Lauderdale Strikers zustande?


Ich machte gerade beim FC Bayern Schluss, weil ich Krach mit Trainer Pal Csernai hatte. Da meldete sich der Manager von Fort Lauderdale bei mir. Eigentlich wollte ich nicht von zu Hause weg, aber das Angebot war sehr gut und die Saison in USA dauerte nur sechs Monate. Den Rest des Jahres konnte ich in München verbringen. Also habe ich – zugegeben mit etwas Muffensausen – angenommen.

Für Franz Beckenbauer war der Wechsel nach New York eine der besten Entscheidungen seines Lebens. Geht es Ihnen ähnlich?

Ohne Zweifel. Es waren tolle Teams, in denen ich dort gespielt habe: Zum Beispiel mit Teófilo Cubillas aus Peru, Bernd Hölzenbein und Georgie Best, mit dem ich noch acht Wochen kicken durfte. Das erste, was er zu mir sagte, war: »Wir werden schon sehen, wer hier der Star ist.«

Da sprach der britische Sportsgeist aus dem Nordiren?

Er war wohl sauer, dass sie mich geholt hatten.

Warum ist Best so schnell gegangen?

Er ist gegangen worden. Wir waren auf einer Kalifornien-Tour und machten drei Spiele in Los Angeles, San Diego und San Jose. Irgendwo in der Nähe von L.A. hatte seine damalige Freundin ein Lokal, zu dem er abends mit seinem Manager fuhr. Obwohl die beiden gemeinsam zurückkamen, war Best am nächsten Tag nicht bei der Team-Besprechung. Da hat ihn unser Präsident Robbie entlassen.

Wurde in Fort Lauderdale anders trainiert als bei Bayern München?

Vor allem unter anderen Bedingungen – wir hatten in Florida teilweise 48 Grad. Das bedeutete, dass wir oft nur eine Trainingseinheit am Tag machten – um neun Uhr morgens.

Hatten Sie in USA einen Spitznamen?

Die haben den »Bomber« einfach übernommen. Aber die Journalisten hatten auch keine Ahnung vom Fußball. Die waren froh, dass es so ein Attribut für mich gab. In New York verfasste zum Beispiel ein österreichischer Journalist alle Spielberichte für Deutschland. Irgendwann fiel mir auf, dass er den Franz in jedem Spiel zum »Man of the match« kürte. Der Typ hatte wohl Angst, kein Interview mehr mit ihm zu bekommen.

Die North American Soccer League wurde als »Operettenliga« belächelt. War es ein anderes Niveau als in Deutschland?

Eine Spaßliga war es jedenfalls nicht. Das Niveau würde ich mit der damaligen 2. Liga in Deutschland vergleichen.
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