Gerald Asamoah über seinen Start bei St. Pauli und Kabinemusik

»Ebbers geht gar nicht«

Gerald Asamoah über seinen Start bei St. Pauli und Kabinemusik

Gerald Asamoah, musste Ihre Frau Sie am Sonntag einmal kräftig zwicken?

Nein, wieso sollte sie so etwas tun? 

Immerhin war das Spiel gegen Nürnberg Ihr erstes in St. Paulis-Startelf und sofort gelingt Ihnen ein Tor und eine Vorlage. So einen Einstand kann man sich doch nicht einmal erträumen?

Man wünscht sich immer einen guten Einstand. Ich habe mich natürlich sehr gefreut, bei meinem ersten Spiel gleich so zum Sieg beigetragen zu haben. Am wichtigsten war aber, dass wir als Mannschaft gut gespielt haben. Wer die Tore macht, ist mir wirklich egal.

[ad]


Momentan stehen die Braun-Weißen auf Rang sechs. Was ist drin in dieser Saison?

Unser Ziel war und ist immer noch, so schnell wie möglich die nötigen Punkte zum Klassenerhalt zu sammeln. Bis jetzt machen wir das ganz gut. Wenn wir das geschafft haben, können wir vielleicht noch anfangen von etwas anderem zu träumen.

Zuletzt  bezeichneten Sie ihren Mitspieler Matthias Lehman zaghaft als »weltklasse«. Einen Spieler von diesem Format wünscht sich jeder Klub.

Ja klar, Matthias spielt eine super Saison bis jetzt. Er arbeitet sehr viel für die Mannschaft und räumt sehr gut ab, das ist wichtig für uns. Er ist in unserem Spiel zudem der Taktgeber.

Wovon lebt Ihre Mannschaft derzeit?

Von allem ein bisschen. Wir haben sowohl starke Einzelkönner, wir sind aber auch ein sehr starkes Kollektiv, wo jeder alles für den anderen investiert. In einigen Spielen, beispielsweise gegen Hoffenheim und den HSV, hatten wir Pech und mussten unglücklich späte Gegentreffer hinnehmen. Es gab aber sicher auch Tage, an denen wir Glück hatten.

Beim FC St. Pauli geht es im Training öfters etwas lockerer zu. Mussten Sie eigentlich auch schon ins Brösel-Leibchen schlüpfen?

Das war zu Saisonbeginn im Trainingslager. Ich musste es auch nur ein einziges Mal tragen, weil wir recht zügig wieder das nächste »Bröselschießen« hatten und ich mich vom Leibchen wieder befreien konnte. Seitdem musste ich es nicht wieder überstreifen.

Was hat es mit diesem Trainingsgag auf sich?

Das »Bröseln« gibt es beim FC St. Pauli schon sehr lange. Ich weiß allerdings nicht, wer das hier eingeführt hat. Es ist eine lustige Abwechslung im Trainingsalltag. Die Verlierer, also die »Brösel«, müssen bis zum nächsten »Bröselschießen« nach jedem Training alles einsammeln. Häufig bekommen die „Brösel“ den einen oder anderen Spruch zu hören, das sorgt immer für Stimmung.

Wofür wurden Sie bestraft?

Da hatte sich Stani ein relativ einfaches Spiel ausgedacht. Per Dropkick sollten wir den Ball aus einer gewissen Entfernung direkt im Tor unterbringen. Irgendwie habe ich es an dem Tag nicht geschafft…

Sie kamen vom FC Schalke. Dort weht spätestens seit dem Amtsantritt von Felix Magath ein rauerer Wind. Da muss ihnen doch das Training bei St. Pauli doch anfangs vorgekommen sein wie Urlaub.

Am Anfang habe ich das gedacht, aber da habe ich mich getäuscht. Stani hat dann noch richtig Gas gegeben. Das war nicht einfach für mich. Beide Trainer haben ihr eigenes Programm – was Stani gemacht hat, war nicht ohne.

Hand aufs Herz: Stani oder Magath. Wer hat den größeren Knall – natürlich aus rein fußballerischer Sicht?

In gewisser Hinsicht haben beide einen Knall. Stani gibt ab und zu Sachen von sich, die Du gar nicht erwartest. Bei Magath ist es so, dass man auch nie weiß, was als nächstes kommt. Es ist aber schwer beide miteinander zu vergleichen.

Schon vor ihrem Wechsel zum FC St. Pauli hatten Sie bereits die Herzen am Millerntor erobert. Erinnern Sie sich noch an das Freundschaftsspiel zwischen St. Pauli und Schalke am 20.01.2010?

Na klar, das war unvergesslich.  



Was haben Sie gedacht als fast das gesamte Millerntor Ihre Einwechslung forderte?

Am Anfang habe ich gedacht, die Fans des FC St. Pauli verarschen mich. Peer Kluge fragte mich auch, ob ich schon mal bei St. Pauli gespielt habe, weil die mich so gefeiert haben. Ich sagte nur, dass ich mich selber wunderte, was da los sei. Im fremden Stadion gefeiert zu werden, gibt es nicht alle Tage, so dass ich das nie vergessen werde.

Haben Sie an diesem Tag St. Pauli endgültig in Ihr Herz geschlossen?

St. Pauli war schon immer ein Verein, zu dem man hinüber geguckt hat. Seitdem mein Freund Charles Takyi hier spielt, habe ich mir öfters Spiele angesehen. Da habe ich aber noch nie daran gedacht, dass ich hier selbst mal spielen würde. Erst nach dem Freundschaftsspiel und dem Angebot von St. Pauli habe ich mich ernsthaft damit befasst. Nun sitze ich hier und beantworte die Fragen als Spieler des FC St. Pauli.

Auf Schalke trauern Ihnen die meistens Fans nach, beim FC St. Pauli waren Sie vom ersten Tag an Publikumsliebling. Sie müssen es wissen: Wie erobert man die Fans im Sturm?

Man muss sich einfach treu bleiben. Ich bin geblieben, wie ich bin. Ich werde mich auch nicht verbiegen lassen. Die meisten wissen, dass ich auf dem Platz das bestmögliche herausholen will – auch bei Hannover 96 und Schalke 04 wussten die Leute das.

Sprechen Sie mit den Kollegen über Ihren Erfolg bei den Fans?

Eigentlich gar nicht, das ist kein Thema bei uns in der Mannschaft. Ich würde das auch nicht hochhängen. Wir wollen als Kollektiv Erfolg haben. Ich persönlich genieße das natürlich, aber das Ziel der Mannschaft ist das Wichtigste.

Werden Sie wegen Ihrer Beliebtheit auch manchmal von den Kollegen geärgert?

Doch, da gibt es ein paar Sachen. Wenn viele Kinder am Trainingsgelände sind, wollen die Jungs immer, dass ich als Erster rausgehe, damit der Rest in Ruhe auf den Platz gehen können und nicht so viele Autogramme geben müssen (lacht).

Eine gewisse Berühmtheit erlangten Sie zudem im WM-Jahr 2006 als DJ Asa, das musikalische Mastermind des Sommermärchens. Seither gelten Sie als Hiphop- und Blackmusic-Experte und Kabinen-DJ. Beim FC St. Pauli dominiert jedoch eher die Stromgitarre. Lassen Sie die Kollegen dennoch an den Ghettoblaster in der Kabine?

Es ist schwer, die Jungs haben seit Jahren ihre Musik hier in der Kabine. Ich als Neuzugang muss mich da erst einmal unterordnen und akzeptiere es, so wie es ist. Es gibt aber immer auch mal Lieder, da muss ich dann einschreiten und sagen: »Das geht gar nicht!«

Und wenn Sie dann mal zur Musik schleichen, drängeln Marcel Eger und Marius Ebbers Sie dann weg?

Besonders Ebbe ist bekannt dafür, das Musikprogramm zu bestimmen. Ich habe oft versucht ihn wegzudrängen, habe das auch schon mal geschafft, aber er setzt sich oft mit seinem Elektro-Sound durch. Bis jetzt war die Mannschaft sehr erfolgreich und die Jungs sind mit der Musik aufgestiegen. Jetzt klappt es auch wieder und da muss man es hinnehmen, wie es ist.

Wer hat den besten Musikgeschmack in der Mannschaft?

Ebbe schon mal nicht (lacht). Charles Takyi und Davidson Drobo-Ampem hören gute Musik, die auch meinem Geschmack entspricht. Gewisse Spieler haben wirklich Ahnung.

Zum Beispiel?

Ebbers geht gar nicht. Was er hört, ist einfach nicht mein Ding.

Sie leisten also noch Überzeugungsarbeit im Auftrag des Beats?

Dem Ebbers ist beispielsweise nicht mehr zu helfen (lacht). Ich habe gehört, dass er sogar seine eigene Musik zuhause macht. Das habe ich noch gar nicht gemacht. Ihn müsste ich noch von meinem Musikgeschmack überzeugen. Das wird hart.

Ein Blick in die Glaskugel: Mai 2011. Der FC St. Pauli qualifiziert sich überraschend für den europäischen Wettbewerb. Sehen wir dann Gerald Asamoah im mit engen Hosen, Langhaarperücke und Luftgitarre auf dem Spielbudenplatz?

Wenn es wirklich soweit kommen sollte, was allerdings sehr, sehr schwer wird und noch weit weg ist, dann bin ich für alles zu haben.

Hinweis: Wenn Du feststellst, dass hier rechtes Gedankengut verbreitet wird, Nutzer diskriminiert werden oder die Diskussion einen unschönen Ton annimmt, dann informiere uns bitte per Mail! Wir werden dann gegebenenfalls eingreifen. Diskussionen bei 11FREUNDE sollen sportlich und sauber ablaufen!