Georg Koch im Interview

„Hier riecht es nach Fußball“

Nachdem sich Georg Koch mit MSV-Präsident Hellmich überworfen hat, hütet er nun das Tor von Dinamo Zagrab. Wir sprachen mit ihm über seinen neuen Klub und die bevorstehende Champions League-Quali gegen Werder. Imago

Herr Koch, Dinamo Zagreb gewann in der vergangenen Saison mit 20 Punkten Vorsprung den Meistertitel und liegt nach dem vierten Spieltag mit vier Siegen und einem Torverhältnis von 16:2 schon wieder vorne. Der Klub braucht wohl eine neue Herausforderung, nämlich die Champions-League?

Zunächst einmal ist es für den Klub wichtig, im Uefa-Cup dabei zu. Den Platz haben wir schon sicher. Wenn wir jetzt auch noch Bremen ausschalten und uns für die Champions-League qualifizieren, wäre das natürlich Weltklasse.

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Wie schätzen Sie als Kenner des deutschen Fußballs die Chancen gegen Bremen ein?

Sie stehen gut. Wir werden unterschätzt. Anders als die Bremer, die am Wochenende erst in die Saison gestartet sind, haben wir schon einige Pflichtspiele hinter uns. Wir stehen voll im Saft.

Aber so richtig gefordert wurden Sie in der Liga bislang nicht…

Wir sind auf jeden Fall im Rhythmus. Es gibt in der kroatischen Liga vielleicht vier Teams, die mithalten können. Gegen die anderen Klubs ist für Dinamo ein Sieg Pflicht. Obwohl die alle richtig Gas geben, wenn es gegen Dinamo geht. Das ist ein bisschen so wie beim FC Bayern München.

Was zeichnet das Team und den Klub aus?

Wir haben eine sehr junge und hungrige Mannschaft. Luka Modric ist 21 Jahre alt und schon der Kopf des Teams. Ein phantastischer Fußballer. Er ist das beste Beispiel für die klasse Nachwuchsarbeit von Dinamo. Das spricht sich natürlich bei Klubs aus den europäischen Topligen herum. Eduardo da Silva wechselte für 15 Millionen Euro zu Arsenal. Manchester City war Vedran Corluka 13 Millionen wert. Für Modric lag von Schachtjor Donezk ein Angebot von 25 Millionen Euro vor. Doch den will man nicht hergeben – Gott sei Dank. Es gibt wohl keinen deutschen Spieler, für den ein Klub bereit ist, so viel Geld zu bezahlen.

Wie fühlt man sich als 35-Jähriger unter all den jungen Leuten?

Super. Es macht richtig Spaß hier. Der Klub wird absolut professionell geführt. Zagreb ist eine schöne Stadt. Ich kenne in Deutschland ein paar Kroaten. Bei denen habe ich mich vor dem Wechsel umgehört. Sie haben mich vorgewarnt, dass die meisten Stadien der 1. kroatischen Liga nicht so doll sind. Aber das ist mir egal. Hier riecht noch alles nach Fußball – das macht unter anderem den Reiz aus.

Hätten Sie sich nicht mit dem MSV-Präsidenten Walter Hellmich überworfen, würden Sie jetzt mit Duisburg in der Bundesliga spielen…

Das Thema ist für mich abgehakt. Ich werde nicht nachtreten. Und überhaupt. Ich habe in der 1. und 2. Bundesliga alles gesehen, da war es an der Zeit, etwas Neues zu entdecken. Ist doch mal eine schöne Erfahrung, beim absoluten Spitzenklub eines anderen Landes zu spielen. Zudem genieße ich es bei Dinamo, einfach nur meinem Job als Torhüter nachzugehen und nicht als Kapitän zusätzliche Verantwortung tragen zu müssen.

Sie haben schon einmal in Eindhoven Ihr Glück versucht.

Das war vor zehn Jahren. Damals war ich fürs Ausland noch nicht reif genug. Der Wechsel von Düsseldorf nach Eindhoven war ein Fehler. Unter anderem kam ich mit Trainer Dick Advocaat nicht zurecht. Der meinte nach nur einer Woche, ich müsste alle Anweisungen auf Holländisch verstehen.

Wie steht es mit Ihrem Kroatisch?

Die Fußballbegriffe sitzen schon. Es sprechen auch einige Leute Deutsch und Englisch, das ist von Vorteil.

Sie gelten als Mann, der lautstark seine Vorderleute dirigiert. Ist das auch beim neuen Klub so?

Auf jeden Fall. Wenn ich auf Kroatisch anfange und mir ein Wort nicht einfällt, mache ich in Englisch weiter. Manchmal wird daraus ein schwer verständlicher Mischmasch. Daran muss ich noch arbeiten.

Im Maksimir-Stadion, der Heimstätte von Dinamo, hört Sie wahrscheinlich sowieso kein Mitspieler. Es soll ein Hexenkessel sein.

Das kann man so sagen. Hier wird 90 Minuten lang gesungen, was die Stimmbänder hergeben. Die Fans leben Dinamo Zagreb. So etwas habe ich noch nie erlebt, nicht einmal in Glasgow, als ich mal gegen die Rangers im Ibrox Park spielte. Da werden sich die Bremer noch umschauen. Die Leute sind heiß auf das Duell. In der Zeitung wird jeden Tag auf vier Seiten über Werder berichtet. Ehrlich gesagt, steht da auch viel Mist.

Ist Zagreb Ihre letzte Station als Profifußballer?

Keine Ahnung. Ich möchte so lange spielen, wie es mein Körper zulässt. Ich habe bei Dinamo einen Zwei-Jahres-Vertrag unterschrieben. Ich mache Schluss, wenn die Leute sagen, der Koch fällt wie eine Bahnschranke. Solange das nicht der Fall ist, genieße ich vor jedem Spiel das Kribbeln im Bauch und den Adrenalinstoß.

In den Augen mancher Beobachter sind Sie ein Choleriker.


Leute, die das sagen, kennen mich nicht. Während der 90 Minuten auf dem Rasen bin ich ein ganz anderer Mensch, als im Privatleben. In Wirklichkeit bin ich ein Typ, der Harmonie braucht, der aber auch immer geradeaus ist. Wenn Sie so wollen, bin ich immer noch ein bisschen ein Kind.

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