Georg Koch im Interview

»So will ich nicht aufhören«

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Georg Koch, die wohl wichtigste Frage vorneweg. Wie steht es derzeit um Ihre Gesundheit?

Mein Gesundheitszustand hat sich in den letzten Monaten verbessert. Das Pfeifen ist nicht mehr da. Ich kann normal trainieren und laufen. Allerdings bekomme ich bei einer dauerhaften Maximalbelastung Gleichgewichtsstörungen. Irgendwann wird sich das einstellen. Mir kann jedoch kein Arzt prognostizieren, wann die Probleme aufhören werden.

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Wie realistisch schätzen Sie die Chancen auf ein Comeback in absehbarer Zeit ein?

Zum jetzigen Zeitpunkt sieht es so aus, dass ich mein Hobby, das ich zum Beruf gemacht habe, nicht mehr ausüben kann. Fakt ist aber auch, dass ich eigentlich so nicht aufhören möchte. Wer will schon vom Platz getragen werden und dann seine Karriere beenden? Hier in der Reha-Klinik herrscht eine lockere und spaßige Atmosphäre, doch das wäre natürlich ganz anders, wenn ich wieder im Tor stehen würde. Dann käme die Angst hinzu, dass jemand etwas auf das Spielfeld schmeißt.

Hätten Sie konkret vor den Austria-Fans Angst?

Idioten gibt es doch überall. Da muss man sich nur das Spiel Bayer Leverkusen gegen den 1.FC Köln anschauen, wo Leuchtraketen auf den Platz flogen. Zu meiner Zeit in Kaiserslautern waren die bengalischen Feuer noch erlaubt, das hat damals sogar richtig Spaß gemacht, war aber ungefährlich. Aber man muss doch nicht versuchen, so ein Ding anderen Leuten ins Kreuz zu werfen. Irgendwann sollte ein Exempel statuiert werden, damit endlich Ruhe ist.

Dennoch bleibt die Frage, ob Österreich möglicherweise in punkto Sicherheit rückständig ist. In Deutschland werden generell höhere Geldstrafen verhängt.

Die Vereinsmanager wissen, dass man sich über neue Sicherheitsstrukturen unterhalten muss. Allerdings scheinen die Verantwortlichen des Österreichischen Fußballverbandes sich nicht so stark mit dem Thema zu beschäftigen. Man muss versuchen, jeden einzelnen Fan im Stadion dahin zu bekommen, dass er die Hand voll aggressiver Leute beim Verein oder der Polizei benennt, so dass diese dann nicht mehr ins Stadion kommen können.

Wie ist es zu erklären, dass immer wieder gefährliche Materialien in die Stadien geschmuggelt werden, obwohl am Eingang jeder Zuschauer intensiv abgetastet wird?

Es gibt doch gewisse Intimzonen, die im Normalfall nicht kontrolliert werden dürfen. Oft werden auch Feuerzeuge und Handys geworfen. Wer kann denn einem Fan schon vorher ansehen, ob er so etwas werfen wird?

Konnte in Ihrem Fall der Täter bereits ermittelt werden?

Ich persönlich kann nicht sagen, wer es war, aber es gibt eindeutige Zeugenaussagen und Videos. Die Polizei ist sich sehr sicher und hat zwei Jungs im Visier, die sich beide versuchen mit ihren Aussagen zu decken. Demnächst wird es wohl zu Gerichtsverhandlungen kommen.

In der Vergangenheit stand in der Presse oft zu lesen, dass Sie sich ein Karriere-Ende im Tor von Fortuna Düsseldorf vorstellen könnten. Wäre das nicht noch einmal ein krönender Abschluss Ihrer Laufbahn?

Jeder weiß über meine jetzige Situation Bescheid und auch, dass ich ein großes Herz für den Verein habe. Doch so wie es momentan aussieht, wird es dazu aber nicht kommen. Das liegt aber nicht an mir.

Auch über eine Einbindung Ihrerseits in das Management wurde in der Presse leise spekuliert.

Bei den Fans habe ich ein gutes Standing. Meiner persönlichen Ansicht nach, könnte man im Verein sehr viel bewegen. Bei den Anhängern beliebt zu sein reicht jedoch nicht aus, so lange einige Herren im Verein es nicht mit mir versuchen möchten. Von daher glaube ich nicht, dass dort Bedarf besteht.

Zur aktuellen sportlichen Lage: Wie wichtig wäre der für die Fortuna der Aufstieg? Kann man in der 3. Liga überhaupt langfristig überleben?

Ein langfristiger Verbleib in der 3.Liga wäre für einen Verein wie die Fortuna tödlich. Insgesamt ist einfach zu wenig Geld im Pott. Alleine die geringen Fernsehgelder sind doch schon ein Witz. Man hat zudem viel weitere Auswärtsfahrten als früher und muss nach Unterhaching oder Regensburg.

Welche Qualitäten sind gefragt, um aufzusteigen?

Die Gegner sehen doch nur das Stadion und denken dann, es ginge gegen Bayern München. Darauf muss man sich einstellen. Wichtig ist, dass man gewisse Typen in einer Mannschaft hat, die eine echte Truppe formen. Warum steht denn Kickers Emden so weit oben? Die spielen nicht den schönsten Fußball, sondern da tritt man als Team auf.

In Ihrer Zeit beim MSV Duisburg haben Sie sich nach Niederlagen nicht gescheut, auch mal in der Öffentlichkeit Kritik zu üben. Könnte auf diese Weise ein Team noch stärker gepusht werden?

Ich durfte mich immer nach Spielen vor die Kameras stellen. Soll ich dann lügen? Mit der ein oder anderen Aussage wollte ich auch mal provozieren und den Hass der Kollegen bewusst für ein paar Tage auf mich lenken. Man muss immer mal jemanden antreiben und natürlich auch selber motiviert werden.

Das Verhältnis zwischen Fans und Verein hat sich in Duisburg nach der Installation von Peter Neururer wieder entspannt. Wie bewerten Sie die Vorgänge beim MSV in den letzten Monaten?

Die Rote-Karte-Aktion kann ich nicht verstehen, denn man hat in dem Moment den Vorstand erpresst und zum Handeln gezwungen. Auf der anderen Seite habe ich für die Fans schon Verständnis, denn man muss eine Entwicklung über einen gewissen Zeitraum betrachten. Jeder weiß, was Walter Hellmich für den Verein geleistet hat. Beim MSV geht es aber nun seit Jahren auf und ab. Dann hat man als Zuschauer verständlicherweise irgendwann die Schnauze voll. Vor der Saison hat man von einem Konzept mit deutschen Spielern gesprochen. Was wurde denn davon umgesetzt? Der Fan muss sich mit den Spielern auch identifizieren können. Das ist aber schwer, wenn jedes Jahr 15 neue Leute kommen.

Über die Gründe Ihres Abschieds herrscht weiter Stillschweigen. Wie ist mittlerweile Ihr Verhältnis zu MSV-Präsident Walter Hellmich?

Mein Sohn hat zuletzt von ihm drei VIP-Karten für die Tombola seines Fußballvereins bekommen. Daran sieht man, dass das Verhältnis nicht so schlecht ist, wie es in der Öffentlichkeit dargestellt wird.

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