15.08.2007

Georg Koch im Interview

„Hier riecht es nach Fußball“

Nachdem sich Georg Koch mit MSV-Präsident Hellmich überworfen hat, hütet er nun das Tor von Dinamo Zagrab. Wir sprachen mit ihm über seinen neuen Klub und die bevorstehende Champions League-Quali gegen Werder.

Interview: Roland Wiedemann Bild: Imago
Herr Koch, Dinamo Zagreb gewann in der vergangenen Saison mit 20 Punkten Vorsprung den Meistertitel und liegt nach dem vierten Spieltag mit vier Siegen und einem Torverhältnis von 16:2 schon wieder vorne. Der Klub braucht wohl eine neue Herausforderung, nämlich die Champions-League?

Zunächst einmal ist es für den Klub wichtig, im Uefa-Cup dabei zu. Den Platz haben wir schon sicher. Wenn wir jetzt auch noch Bremen ausschalten und uns für die Champions-League qualifizieren, wäre das natürlich Weltklasse.



Wie schätzen Sie als Kenner des deutschen Fußballs die Chancen gegen Bremen ein?

Sie stehen gut. Wir werden unterschätzt. Anders als die Bremer, die am Wochenende erst in die Saison gestartet sind, haben wir schon einige Pflichtspiele hinter uns. Wir stehen voll im Saft.

Aber so richtig gefordert wurden Sie in der Liga bislang nicht…

Wir sind auf jeden Fall im Rhythmus. Es gibt in der kroatischen Liga vielleicht vier Teams, die mithalten können. Gegen die anderen Klubs ist für Dinamo ein Sieg Pflicht. Obwohl die alle richtig Gas geben, wenn es gegen Dinamo geht. Das ist ein bisschen so wie beim FC Bayern München.

Was zeichnet das Team und den Klub aus?

Wir haben eine sehr junge und hungrige Mannschaft. Luka Modric ist 21 Jahre alt und schon der Kopf des Teams. Ein phantastischer Fußballer. Er ist das beste Beispiel für die klasse Nachwuchsarbeit von Dinamo. Das spricht sich natürlich bei Klubs aus den europäischen Topligen herum. Eduardo da Silva wechselte für 15 Millionen Euro zu Arsenal. Manchester City war Vedran Corluka 13 Millionen wert. Für Modric lag von Schachtjor Donezk ein Angebot von 25 Millionen Euro vor. Doch den will man nicht hergeben – Gott sei Dank. Es gibt wohl keinen deutschen Spieler, für den ein Klub bereit ist, so viel Geld zu bezahlen.

Wie fühlt man sich als 35-Jähriger unter all den jungen Leuten?

Super. Es macht richtig Spaß hier. Der Klub wird absolut professionell geführt. Zagreb ist eine schöne Stadt. Ich kenne in Deutschland ein paar Kroaten. Bei denen habe ich mich vor dem Wechsel umgehört. Sie haben mich vorgewarnt, dass die meisten Stadien der 1. kroatischen Liga nicht so doll sind. Aber das ist mir egal. Hier riecht noch alles nach Fußball – das macht unter anderem den Reiz aus.

Hätten Sie sich nicht mit dem MSV-Präsidenten Walter Hellmich überworfen, würden Sie jetzt mit Duisburg in der Bundesliga spielen…

Das Thema ist für mich abgehakt. Ich werde nicht nachtreten. Und überhaupt. Ich habe in der 1. und 2. Bundesliga alles gesehen, da war es an der Zeit, etwas Neues zu entdecken. Ist doch mal eine schöne Erfahrung, beim absoluten Spitzenklub eines anderen Landes zu spielen. Zudem genieße ich es bei Dinamo, einfach nur meinem Job als Torhüter nachzugehen und nicht als Kapitän zusätzliche Verantwortung tragen zu müssen.

Facebook, Twitter und Google+

Freund von 11FREUNDE werden