Gehirnentfaltungstraining beim BVB

»Bis zu 20 Prozent stärker«

Der BVB geht ungewöhnliche Wege und hat mit »Life Kinetik« ein Aktivierungstraining fürs Gehirn in sein Training eingebaut. Wir sprachen mit dem »Life Kinetik«-Begründer Horst Lutz über seine Arbeit. Gehirnentfaltungstraining beim BVBImago

Herr Lutz, mal ehrlich, als Sie die BVB-Profis mit Ihren kleinen Bällen und den komplizierten Überkreuzübungen konfrontierten, wurden Sie von denen wirklich ernst genommen?

Ja, absolut. Ich war selber ein wenig überrascht. Fußballer sind ja nicht immer ganz einfach. Aber die Reaktion war überragend. Alle Spieler waren total begeistert, hatten viel Spaß und arbeiteten akribisch mit.

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Sie sprechen von einem Gehirnentfaltungstraining. Mit Verlaub, was bringt das einem Profifußballer auf dem Platz?

Durch Life Kinetik werden die räumliche Wahrnehmung und die koordinativen Fähigkeiten verbessert, der Spieler kann schneller Entscheidungen treffen und damit die Fehlerquote minimieren. Ziel ist es, durch ständig neue Bewegungsaufgaben, bei denen viele Dinge wahrgenommen und verarbeitet werden müssen, die Verknüpfung von Gehirnzellen zu erreichen. Man kann sagen, das Gehirn wird durch Life Kinetik dazu angeregt, kreativ zu werden.

Wie sieht so eine Übung aus?

Der Spieler steht beispielsweise mit dem Rücken zu mir. Ich klemme mir einen Gymnastikball zwischen die Beine. Der Ball hat eine von vier verschiedenen Farben. Und dann habe ich noch vier Jonglierbälle in der Hand - ebenfalls in vier verschiedenen Farben. Ich sage dann an, in welche Richtung der Spieler sich drehen muss. Eine gerade Zahl heißt rechtsrum, ungerade linksrum. Anhand der Farbe des Balls zwischen meinen Beinen muss der Spieler entscheiden, welche beiden Bälle er fangen soll. Die Kombinationen sind vorher festgelegt worden.

Hört sich sehr schwierig an…

Es gibt einfachere Übungen. Aber es geht auch nicht darum, eine Übung perfekt zu beherrschen. Es geht um die Vernetzung im Gehirn. Und die erreiche ich schon, indem ich die Übung ernsthaft mache. Aber Fußballer sind nun einmal Leistungssportler und damit sehr ehrgeizige Menschen.

Um wie viel Prozent lässt sich denn das Leistungspotenzial einer Fußballmannschaft durch Arbeit steigern?


Das ist sehr schwer zu sagen. Aber ich bin davon überzeugt, dass eine Mannschaft um bis zu 20 Prozent stärker werden kann.

Wie kam es überhaupt zu dem Engagement bei Borussia Dortmund?

Jürgen Klopp hat im März einen Beitrag im ZDF gesehen. Es ging um meine Zusammenarbeit mit Felix Neureuther. Felix war davor schon ein unglaubliches Bewegungstalent, hatte aber deutliche Wahrnehmungsschwächen, was für einen Slalomfahrer natürlich problematisch ist. In der Saison 2006/2007 schied Felix bei über 60 Prozent aller Rennen aus. Im vergangenen Winter kam er immer ins Ziel. Felix sagt, das habe er Life Kinetik zu verdanken. Und das hat wiederum den Jürgen Klopp so fasziniert, dass er auf mich zugekommen ist.

Es würde nicht verwundern, wenn im Ausland schon länger diese Methode angewandt wird. Der deutsche Fußball gilt nicht gerade als Trendsetter.

In diesem Fall aber schon. Ich kenne außer Borussia Dortmund keinen anderen Klub, der auf solche Übungsformen setzt.

Wie viel Zeit nehmen Ihre Einheiten in Anspruch, leidet darunter nicht der konventionelle Trainingsbetrieb?


Der zeitliche Aufwand hält sich in Grenzen. Zweimal eine Stunde pro Woche, mehr bringt nichts, ja kann sogar schädlich sein. Das Gehirn braucht eine Adaptionszeit, um das Gelernte zu verarbeiten. Man darf es nicht überreizen.

Und wie stellen sich die Fußballer im Vergleich zu Felix Neureuther an?

Der Felix spielt in einer anderen Bewegungsliga, den darf man mit niemandem vergleichen, auch nicht mit seinen Skifahrerkollegen. Die Jungs beim BVB machen ihre Sache sehr gut.

Wenn Ihre Methode hilft, die Wahrnehmung zu verbessern, müsste Sie für Torhüter prädestiniert sein.

Auf jeden Fall. Viele Menschen haben ein Problem damit, bewegten Objekten mit den Augen zu folgen. Schwierig wird es zum Beispiel, wenn ein Ball von oben auf mich zukommt.

Erinnern Sie sich an das kuriose Eigentor von Cottbus-Torhüter Tomislav Piplica?


Dieser fiese Ball, der zwischen Piplica und Latte runter fällt und von seinem Hinterkopf ins Tor spickt?

Genau der.


Das war ein typisches Beispiel dafür, was schief gehen kann. Das Auge springt in einer solchen Situation. Und bei jedem Sprung rechnet das Gehirn die Flugbahn neu aus, was Zeit kostet. Das wurde Piplicia zum Verhängnis. Man kann dieses Springen des Auges durch spezielle Übungen verhindern.

Und was ist mit den Schiedsrichtern?

Auch für die ist Life Kinetik ideal. Die Unparteiischen müssen in kürzester Zeit Situationen richtig wahrnehmen und aufgrund dessen Entscheidungen treffen.

Borussia Dortmund ist Vorreiter. Gibt es schon weitere Anfragen?

Im Sommer, bei einer Fußballlehrertagung, habe ich mit einigen Trainern über Life Kinetik gesprochen. Das Interesse war groß. Doch außer Jürgen Klopp ist danach keiner auf mich zugekommen. Inzwischen gibt es aber aus der Bundesliga mehrere Interessenten.


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