28.08.2009

Gabor Kiraly über England und 1860

»Der Rasen ist meine Droge«

Gabor Kiraly bestritt knapp 200 Bundesligaspiele für Hertha BSC. Nach fünf Jahren in England ist er nun zurück in Deutschland. Wir sprachen mit dem 1860-Keeper über die ungarische Nationalmannschaft, Lattenabwürfe und die ewige Schlabberhose.

Interview: Johannes Ehrmann Bild: Imago
Ist es nur die Hose oder sind Sie generell abergläubisch?

Nein, ich bin mit allen Dingen abergläubisch, nicht nur mit der Hose. Eine Zeitlang hat man mir gesagt, es zählt nur die Leistung und ich solle diese ganzen kleinen Dinge lassen. Aber dann hatte ich keinen Erfolg und bin immer wieder zurückgekehrt zu den Sachen. Ich bin so eingestellt.

Von Berlin sind Sie nach England, haben dort insgesamt bei vier Vereinen gespielt. Was haben Sie auf der Insel gelernt?

Sehr viel. Man denkt dort anders über den Fußball, es ist eine andere Welt, für mich war es eine andere Situation. Ein Beispiel: Am Ende meines ersten Jahres gab es eine Mannschaftsfeier, auf der sich die Crystal-Palace-Fans speziell bei mir bedankt haben, dass ich für ihren Verein im Tor gestanden habe. Ich habe ihnen gesagt, dass es eine Teamarbeit war, aber sie meinten, nein, nein, das ist unser Verein, für uns bleibt ewig Crystal Palace, deswegen seien sie auch dem Torwart sehr dankbar. Sie haben sich bei jedem Spieler persönlich bedankt.

Was genau ist in England anders?

In England zählt die Tradition, nicht die Personen. Ein Verein bleibt ewig da, ein Zuschauer bleibt sozusagen auch ewig, die Spieler aber wechseln. Die Art mit dem Fußball umzugehen ist in England ganz anders. Darüber könnte ich ein Buch schreiben. Auch privat, auf der Straße, die Leute sind ganz ruhig, bewegen sich gar nicht aggressiv oder schnell. Die Engländer sind sehr offen und ich habe dort viele Freunde gefunden. Die fünf Jahre waren überragend, obwohl ich vorher ein bisschen Angst hatte vor dem Schritt, nach England zu gehen.

In der WM-Qualifikation steht Ungarn sensationell vor Portugal und Schweden, derzeit auf Rang 2. Wollten Sie auch mit Blick auf die WM in Südafrika wieder Stammkeeper bei einem namhaften Klub werden?

Ich habe meine Karriere immer bewusst geplant, das muss man so machen, gerade als Torhüter. Die letzten drei Jahre habe ich nicht mehr für die Nationalmannschaft gespielt, die ersten beiden Jahre war ich die Nummer 1 im Verein, habe trotzdem keine Einladung bekommen. Ich bin ein großer Fan der ungarischen Nationalmannschaft, es war ein Wunder, dass ich acht Jahre dort die Nummer 1 geblieben bin. Das ist unglaublich und sehr selten. Ich habe 16 Jahre ohne Pause gespielt, musste dann aber im letzten Jahr eine Pause machen, mir neue Kraft und Motivation holen. Deswegen bin ich nach Leverkusen, dort war ich sicher die Nummer 2, konnte mich in Ruhe wieder auf den deutschen Fußball umstellen. Ich wusste, ich würde zurückkommen. Leider dauert unsere Karriere nur 20 Jahre, nicht 40 oder 50, deshalb müssen wir wirklich bewusst leben.

Warum haben Sie sich für 1860 entschieden?


Gegen 1860 habe ich damals mit Hertha gespielt, das war eine Supermannschaft, Superfans. In England habe ich auch den deutschen Fußball verfolgt, mir alle Vereine angeschaut. Das ist nun eine neue Herausforderung und auch eine Möglichkeit für die Nationalmannschaft. Unser Nationaltrainer Erwin Koeman war in München. Er hat mir gesagt, dass ich 70 Spiele für Ungarn gemacht habe und hat mich gefragt, warum ich der Nationalmannschaft keine Absage erteile. Ich habe ihm gesagt, dass ich niemals zurücktrete, ich fahre auch als Zeugwart oder als dritter Torwart mit zur WM. Die Nationalmannschaft ist die Spitze der Pyramide für mich.

Als ich nicht die Nummer 1 war, habe ich bei jedem Spiel vor dem Fernseher gesessen. Ich war ein richtiger Fan. Als junger Spieler hatte ich viele Erfolge, deswegen hatte ich mit 30 keinen Druck mehr. Ich will mich auch bei der Nationalmannschaft bedanken und etwas zurückgeben von dem, was ich bekommen habe. Mein Hobby ist mein Leben geworden. Ich habe alles mit Freude und Spaß getan, werde niemals beleidigt sein. In Burnley hatte ich Superjahre, wurde immer respektiert und gut behandelt. Egal ob erste oder zweite Liga: Wir sind Fußballspieler und müssen uns der Situation anpassen.

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