Futsal-Funktionär Willi Hink im Interview

»Futsal ist eine Chance«

Seit langem läuft Deutschland im Futsal anderen Ländern hinterher. Wir sprachen mit Willi Hink, dem zuständigen DFB-Direktor, über die Entwicklung, Fehler und die Zukunft der Sportart in Deutschland. Futsal-Funktionär Willi Hink im InterviewImago

Herr Hink, was fasziniert Sie persönlich an der Hallenfußballvariante?

Ich spiele ja selbst auch Fußball in der Halle und für mich ist es eine Selbstverständlichkeit, wenn es denn eine Fifa-Hallenfußballvariante gibt, dass man die auch spielt und nicht irgendetwas in der Halle macht.  Der Futsal-Ball ermöglicht für das Spielen in der Halle, aufgrund seiner speziellen Sprungeigenschaften, eine bessere Ballkontrolle, die dem Spieler, unabhängig von seiner Leistungsstärke, mehr Erfolgserlebnisse ermöglicht. Für mich war das der Aha-Effekt beim ersten Kontakt mit dem Futsal-Ball. Das Spiel ist einfach schneller und technisch versierter.

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Deutschland ist eine führende Fußballnation, vergleicht man uns aber mit anderen führenden Nationen wie Spanien oder Italien, ist Deutschland in Sachen Futsal absolutes Entwicklungsland. Woran liegt das Ihrer Meinung nach?

Als die Entwicklung in den 80er Jahren hin zu einer ernstzunehmenden, eigenen Sportart ging, hat sich in Deutschland ein eigener Hallenfußball entwickelt. Der DFB hat immer gesagt, dass Hallenfußball nur eine Variante für den Winter ist, und ansonsten Feld-Fußball gespielt wird. Das war damals eine strategische Entscheidung, weswegen sich Futsal hier nicht nach den Fifa-Vorgaben entwickelt hat.

Können Sie sagen, welche Fehler gemacht wurden?

Wir sind bis zum Jahr 2001 mit dem Thema nicht weiter konfrontiert gewesen, da das DFB-Hallenmasters ja bis dahin recht erfolgreich in Deutschland gespielt wurde, und haben uns erst ab 2001 intensiver mit Futsal beschäftigt. Wir haben zur Kenntnis genommen, dass es eine international anerkannte Hallenfußballvariante gibt, die durch FIFA und UEFA gefördert werden und haben uns entschieden, diese in Deutschland zu begleiten. Jetzt sind wir dabei die notwendigen Strukturen aufzubauen.

Welche Rolle spielt dabei die FIFA? Wurde der DFB gezwungen, die Sportart zu fördern oder wollte er?


Von »zwingen« kann sicher nicht die Rede sein, Während beim »normalen« Fußball die Fifa-Regeln weltweit gelten und auch umgesetzt werden, konnten sich beim Hallenfußball die dazu von der FIFA erlassenen Regeln lange Zeit nicht durchsetzen. Letztlich war unser Ansatz: Gibt es in Deutschland Mannschaften, die Hallenfußball ganzjährig wettbewerbsmäßig spielen wollen? Wir haben festgestellt, dass es davon immer mehr gibt, und denen wollen wir es ermöglichen, internationale sportliche Ziele zu erreichen.

Gibt es oder gab es Ängste, dass Futsal die Popularität des herkömmlichen Fußballs schwächen könnte?

Das es einige Vorurteile gegen Futsal gibt, kann man  nachvollziehen, wenn man bedenkt, dass viele Vereine in ländlichen Gegenden schon Probleme haben, elf Spieler zusammen zu bekommen. Diese Vereine befürchten, wenn jetzt noch eine attraktive Hallenfußballvariante etabliert wird, bekommen wir überhaupt keine Mannschaft mehr zusammen. Das mag es im Einzelfall geben, aber letztlich sind wir doch von Anziehungskraft des 11er-Fußballs überzeugt. Wenn jemand auch noch in der Halle nach Fifa-Regeln spielen möchte, dann ist das prima und wenn jemand, der bisher nicht im Fußball organisiert ist, durch Futsal dazu kommt, dann ist das umso besser.

Vom 20. bis 22. März 2009 wird in Mülheim/a.d.R. zum vierten Mal der DFB-Futsal-Cup ausgespielt. Acht Teams, hervorgegangen aus den Qualifikationsturnieren der einzelnen Verbände, ermitteln den Sieger des DFB-Futsal-Cups in Turnierform Was erwarten Sie vom Turnier?


Wir sorgen mit dem Turnier, dass wir mit der üblichen DFB-Qualität durchführen, dafür, dass Menschen, die in Deutschland Futsal spielen wollen, ein attraktives Ziel haben. Eine Sportart ist bei weitem nicht so attraktiv, wenn es keine erreichbaren Ziele gibt, als wenn man Deutscher Meister werden kann. Für die Mannschaften, die es zur Endrunde schaffen, ist das eine tolle Sache: Da gibt es gute Stimmung, eine nette Players Night, die Unterbringung ist Top und der DFB gibt finanzielle Unterstützung. Dazu haben wir dieses Jahr noch einen Schritt nach vorne gemacht, indem wir den DFB C-Junioren Futsal-Cup und erstmals mit dem DFB-Futsal-Cup für Schulmannschaften einen Schülerwettbewerb integriert haben. Das sind für uns ganz wichtige Schritte, um Futsal weiter zu etablieren.

Der Sieger darf auch im UEFA-Futsal-Cup starten. Sind die deutschen Teams international überhaupt konkurrenzfähig?

Wir haben letztes Jahr, als Maßnahme der Futsal-Entwicklung in Deutschland, den UFC Münster dabei unterstützt, Gastgeber für einen Vorrundenturnier des UEFA-Cups zu sein. Da hat man gesehen, dass es deutlich stärkere Teams, aber auch schwächere Teams gibt und wir schon ein paar Schritte in der Entwicklung gemacht haben.

In Deutschland hat sich seit dem ersten DFB-Futsal-Cup vor drei Jahren nicht wirklich was geändert, während z.B. in Spanien eine Profiliga existiert, mit einem Zuspruch, den in Deutschland Sportarten wie Handball oder Basketball genießen. Ist die Einführung einer Futsal-Liga in Deutschland geplant?

Wir sind ein großes Land, mit großen Entfernungen und wenn sie eine Liga spielen wollen, müssen die Vereine auch in der Lage sein, die Kosten aufzubringen. Das geht nur dann, wenn man die Chance hat, durch Zuschauer-, Sponsoring- oder Fernseheinnahmen das Ganze zu finanzieren. Wir haben den Weg gewählt, dass wir die Futsal-Entwicklung von unten her betreiben wollen und wir stellen fest, dass der Futsal besonders in den DFB-Landesverbänden stark wächst, in denen sich die Verantwortlichen aktiv darum kümmern. Hier sind bereits attraktive Ligen entstanden, und diese Entwicklung wird weiter gehen.

Warum gibt es beim Futsal keine Kooperationen mit traditionellen DFB- Partnern wie etwa Adidas?

Das ist natürlich ein Ansatz, den wir verfolgen. Für Adidas liegt ja durchaus Marktpotenzial in einer solchen jungen Trendsportart. Wir sind in Gesprächen, aber derzeit beobachtet Adidas den Markt noch.

Eine deutsche Nationalmannschaft suchen die Anhänger der Sportart immer noch vergeblich. Dabei zeigen andere Sportarten doch genau, dass gerade ein Nationalteam ein ganz entscheidender Schritt ist, um eine Sportart ins öffentliche Interesse zu rücken. Wann können wir mit dem ersten Länderspiel einer deutschen Mannschaft rechnen?

Das ist völlig richtig, aber man muss auch sehen, dass Deutschland im Fußball eine Weltmarke ist. Wir werden bestimmt nicht das machen, was andere Fußballverbände gemacht haben. Dort wurde gesagt, wir spielen jetzt einfach mal mit irgendeiner Mannschaft und jetzt bekommen sie »ständig auf die Mütze«. Wir haben da einen höheren Anspruch, das heißt, wir werden dann mit einer Mannschaft starten, wenn wir in Deutschland ein Spielerreservoir haben, aus dem man eine schlagkräftige Auswahl formen kann.

Sie selbst haben ja immer wieder die Bedeutung von Futsal für die Talentförderung hervorgehoben und betont, dass Stars  wie Ronaldinho oder Robinho ihre Tricks beim Futsal gelernt haben. Wie können wir das für den deutschen Futsal nutzen?

Auch hier sind wir mit deutscher Gründlichkeit vorgegangen und haben von der Uni Frankfurt untersuchen lassen, was es für junge Talente bedeutet, wenn sie sich mit dem Futsal-Ball beschäftigen. Es hat sich dabei herausgestellt, dass z.B. Fußballanfänger, die mit dem Futsal-Ball spielen, schneller Fußball spielen lernen als welche, die mit dem »normalen« Ball lernen. Damit haben wir die Argumente derjenigen entkräftet, die meinten, Futsal ist schlecht für Fußballer. Wichtig ist jetzt, dass wir Anreize schaffen, dass sich junge Menschen mit Futsal beschäftigen.

An was für Anreize denken Sie?

Dafür haben wir unter anderem den DFB C-Junioren-Futsal-Cup und den DFB-Futsal-Cup für Schulmannschaften initiiert. Das soll helfen, dass sich Trainer und Lehrer objektiver mit Futsal beschäftigen und alte Vorurteile über Bord werfen. Das Problem beim Futsal ist, dass viele  Menschen darüber urteilen, die selbst noch nie mit dem Futsal-Ball in der halle gespielt haben wenn sie es dann gemacht haben, sind die Vorurteile meistens weg.

Für viele Menschen ist Futsal immer noch ein Fremdwort. Was können Sie tun, um Futsal bekannter zu machen?


Das ist eine große Herausforderung für die PR- und Kommunikationsarbeit des DFB. Das Beispiel Frauenfußball, wo wir seit 1989 sechsmal Europameister und zweimal Weltmeister wurden und jetzt intensiv die WM 2011 in Deutschland bewerben, zeigt, wie schwer es ist, den Bekanntheitsgrad einer Sportart und ihrer Events zu erhöhen. Wenn wir den DFB-Futsal-Cup ausspielen, werden wir auf  sämtlichen Kanälen, die uns zur Verfügung stehen,  darüber berichten, damit das Turnier eine möglichst breite Öffentlichkeit erreicht. Wir freuen uns, dass 11 Freunde Futsal positiv begleitet.

Wie fällt bisher Ihre persönliche Bilanz aus?

Man muss ja sehen, als wir im Jahre 2001 angefangen haben, uns mit Futsal zu beschäftigen, konnte man in Deutschland noch gar keine Futsal-Bälle kaufen.  Solche Hindernisse haben wir jetzt überwunden. Wir haben, wenn auch in einem überschaubaren Umfang, jährliche Zuwachsraten bei den Teilnehmern unserer Wettbewerbe und wir stellen fest, dass es von Jahr zu Jahr mehr Menschen gibt, die sich positiv mit Futsal beschäftigen. Wir schaffen es, immer mehr Leuten zu zeigen, dass Futsal eine Chance für den Fußball ist und kein Risiko.

Welche Rolle wird Futsal in zehn Jahren spielen und welche Entwicklung würden sie sich wünschen?

Ich bin mir relativ sicher, dass wir in zehn Jahren einen etablierten nationalen Spielbetrieb haben und dass wir dann auch eine Auswahlmannschaft haben werden, die international dabei ist.

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