18.03.2009

Futsal-Funktionär Willi Hink im Interview

»Futsal ist eine Chance«

Seit langem läuft Deutschland im Futsal anderen Ländern hinterher. Wir sprachen mit Willi Hink, dem zuständigen DFB-Direktor, über die Entwicklung, Fehler und die Zukunft der Sportart in Deutschland.

Interview: 11Freunde Bild: Imago
Herr Hink, was fasziniert Sie persönlich an der Hallenfußballvariante?

Ich spiele ja selbst auch Fußball in der Halle und für mich ist es eine Selbstverständlichkeit, wenn es denn eine Fifa-Hallenfußballvariante gibt, dass man die auch spielt und nicht irgendetwas in der Halle macht.  Der Futsal-Ball ermöglicht für das Spielen in der Halle, aufgrund seiner speziellen Sprungeigenschaften, eine bessere Ballkontrolle, die dem Spieler, unabhängig von seiner Leistungsstärke, mehr Erfolgserlebnisse ermöglicht. Für mich war das der Aha-Effekt beim ersten Kontakt mit dem Futsal-Ball. Das Spiel ist einfach schneller und technisch versierter.



Deutschland ist eine führende Fußballnation, vergleicht man uns aber mit anderen führenden Nationen wie Spanien oder Italien, ist Deutschland in Sachen Futsal absolutes Entwicklungsland. Woran liegt das Ihrer Meinung nach?

Als die Entwicklung in den 80er Jahren hin zu einer ernstzunehmenden, eigenen Sportart ging, hat sich in Deutschland ein eigener Hallenfußball entwickelt. Der DFB hat immer gesagt, dass Hallenfußball nur eine Variante für den Winter ist, und ansonsten Feld-Fußball gespielt wird. Das war damals eine strategische Entscheidung, weswegen sich Futsal hier nicht nach den Fifa-Vorgaben entwickelt hat.

Können Sie sagen, welche Fehler gemacht wurden?

Wir sind bis zum Jahr 2001 mit dem Thema nicht weiter konfrontiert gewesen, da das DFB-Hallenmasters ja bis dahin recht erfolgreich in Deutschland gespielt wurde, und haben uns erst ab 2001 intensiver mit Futsal beschäftigt. Wir haben zur Kenntnis genommen, dass es eine international anerkannte Hallenfußballvariante gibt, die durch FIFA und UEFA gefördert werden und haben uns entschieden, diese in Deutschland zu begleiten. Jetzt sind wir dabei die notwendigen Strukturen aufzubauen.

Welche Rolle spielt dabei die FIFA? Wurde der DFB gezwungen, die Sportart zu fördern oder wollte er?


Von »zwingen« kann sicher nicht die Rede sein, Während beim »normalen« Fußball die Fifa-Regeln weltweit gelten und auch umgesetzt werden, konnten sich beim Hallenfußball die dazu von der FIFA erlassenen Regeln lange Zeit nicht durchsetzen. Letztlich war unser Ansatz: Gibt es in Deutschland Mannschaften, die Hallenfußball ganzjährig wettbewerbsmäßig spielen wollen? Wir haben festgestellt, dass es davon immer mehr gibt, und denen wollen wir es ermöglichen, internationale sportliche Ziele zu erreichen.

Gibt es oder gab es Ängste, dass Futsal die Popularität des herkömmlichen Fußballs schwächen könnte?

Das es einige Vorurteile gegen Futsal gibt, kann man  nachvollziehen, wenn man bedenkt, dass viele Vereine in ländlichen Gegenden schon Probleme haben, elf Spieler zusammen zu bekommen. Diese Vereine befürchten, wenn jetzt noch eine attraktive Hallenfußballvariante etabliert wird, bekommen wir überhaupt keine Mannschaft mehr zusammen. Das mag es im Einzelfall geben, aber letztlich sind wir doch von Anziehungskraft des 11er-Fußballs überzeugt. Wenn jemand auch noch in der Halle nach Fifa-Regeln spielen möchte, dann ist das prima und wenn jemand, der bisher nicht im Fußball organisiert ist, durch Futsal dazu kommt, dann ist das umso besser.

Vom 20. bis 22. März 2009 wird in Mülheim/a.d.R. zum vierten Mal der DFB-Futsal-Cup ausgespielt. Acht Teams, hervorgegangen aus den Qualifikationsturnieren der einzelnen Verbände, ermitteln den Sieger des DFB-Futsal-Cups in Turnierform Was erwarten Sie vom Turnier?


Wir sorgen mit dem Turnier, dass wir mit der üblichen DFB-Qualität durchführen, dafür, dass Menschen, die in Deutschland Futsal spielen wollen, ein attraktives Ziel haben. Eine Sportart ist bei weitem nicht so attraktiv, wenn es keine erreichbaren Ziele gibt, als wenn man Deutscher Meister werden kann. Für die Mannschaften, die es zur Endrunde schaffen, ist das eine tolle Sache: Da gibt es gute Stimmung, eine nette Players Night, die Unterbringung ist Top und der DFB gibt finanzielle Unterstützung. Dazu haben wir dieses Jahr noch einen Schritt nach vorne gemacht, indem wir den DFB C-Junioren Futsal-Cup und erstmals mit dem DFB-Futsal-Cup für Schulmannschaften einen Schülerwettbewerb integriert haben. Das sind für uns ganz wichtige Schritte, um Futsal weiter zu etablieren.

Der Sieger darf auch im UEFA-Futsal-Cup starten. Sind die deutschen Teams international überhaupt konkurrenzfähig?

Wir haben letztes Jahr, als Maßnahme der Futsal-Entwicklung in Deutschland, den UFC Münster dabei unterstützt, Gastgeber für einen Vorrundenturnier des UEFA-Cups zu sein. Da hat man gesehen, dass es deutlich stärkere Teams, aber auch schwächere Teams gibt und wir schon ein paar Schritte in der Entwicklung gemacht haben.

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