Fußballkunstausstellung: Baggio, Rooney und Maradona in Öl

»Ian Wright hat schon Werke vorbestellt«

Christopher Platt ist Organisator der großen Fußballausstellung »fantasista«, die im April 2013 in London stattfindet. Ein Gespräch über Fußballkünstler, weinende Liverpool-Fans und Roberto Baggio.

Richard Swarbrick

Christopher Platt, was ist für Sie das Ästhetischste am Fußball?
Da kann man keinen Aspekt herausnehmen. Es ist die ganze Sache, denn der Fußball bringt die Zuschauer auf eine Gefühlsachterbahn. Ich bin Liverpool-Fan und war beim Champions-League-Finale 2005 im Atatürk Olympiastadion in Istanbul. Als wir zur Halbzeit 0:3 hinten lagen, begannen wir »You'll never walk alone« zu singen. Ich musste heulen. Innerhalb von sechs Minuten glichen wir wieder aus. Das war unglaublich!

Wenn Sie aus dieser Partie etwas zeichnen müssten: Was wäre das?
Genau diese Szene: Die Fans während der Halbzeitpause. So etwas Eindrückliches habe ich noch nie gehört. Es war wie ein Schrei nach Hilfe, wie in der Kirche, wie ein Gebet. Selbst wenn ich heute daran denke, stehen mir die Nackenhaare zu Berge.

Sie planen für April 2013 eine Fußballkunstausstellung. Warum heißt die »fantasista«?
In den späten achtziger und frühen neunziger Jahren wurde »fantasista« vor allem im italienischen Fußball gebraucht. Dieses Wort steht für den Spielmacher. Wir haben ihn gewählt, weil er der »Künstler« eines Fußballteams ist. Die Zehn ist der magische Spieler mit den Instinkten und der Kreativität – wie Diego Maradona, Francesco Totti, Alessandro Del Piero und der wohl Größte seiner Zeit: Roberto Baggio.

Der Untertitel der Ausstellung lautet entsprechend: »The art of the number ten«.
Für den Launch unserer Website hat Swarbrick eine Maradona-Video-Animation gemacht. In Deutschland wurde diese leider von YouTube gesperrt. Aber wir haben auch anderes als nur Spielmacher, zum Beispiel eine Animation über den »Clásico«.

Welche Art von Kunstobjekten kann man bei Ihnen bestaunen?
Videos, Illustrationen und Fotografien. Vielleicht wird es sogar Skulptur-Elemente geben. Der Künstler Richard Swarbrick macht große Öl-auf-Leinwand-Gemälde. Er hat solche schon auf Anfrage von Klubs angefertigt. Auf einem ist zum Beispiel Wayne Rooney zu sehen, wie er per Fallrückzieher trifft.
 
Passen die Szenen denn wirklich zusammen: Kunst und Fußball?
Zugegeben: Künstler sind normalerweise sehr hochnäsig, wenn es um Fußball geht. Leute aus der Kunstszene sind oftmals keine Fußballfans. Wir können uns also sehr glücklich schätzen einige namhafte Leute bekommen zu haben. Richard Swarbrick ist unser Hauptkünstler. Am Anfang hatten wir nur seine Werke, aber die Idee wuchs sehr schnell und dann beschlossen wir, Fußballkünstler aus der ganzen Welt zusammenführen. Als Stanley Chow zusagte, ein DJ und Grafikdesigner aus Manchester, folgten plötzlich viele andere aus Hong Kong, Japan, Argentinien, Italien oder Spanien. Unter uns ist sogar ein Arsenal-Fan aus New York. Im Gesamten sind 14 Künstler und eine Top-Kunstkuratorin aus London dabei.

Was verbindet diese Künstler mit Fußball?
Alle sind leidenschaftliche Fußballfans. Richard Swarbrick ist etwa ein großer Tottenham-Fan. Sein erstes Werk zeigt Gareth Bale, wie er einen Hattrick gegen den AC Mailand schießt. Brian Cabaniss ist Arsenal-Fan, er hat deswegen Arsène Wenger als Sujet gewählt. 


>> Bilder der Ausstellung »fantasista«

Was ist die Aussage der Ausstellung?
Wir wollen, dass der Fußball in Europa medial anders abgehandelt wird. Er soll nicht mehr, wie in den letzten 20 Jahren, in Klischees und Sensationalismus gepackt werden. Es geht um Respekt für das Spiel und die Fans. Fußball ist ein Spiel der Arbeiterklasse, das ist das Beste daran. Die Fans werden von den Vereinen und den Medien teilweise als doof dargestellt. Fußball ist intelligent und herausfordernd und das wollen unsere Künstler zeigen. Sie empfinden nämlich mehr Leidenschaft für den Fußball als für ihr Künstlerdasein. Auch wenn’s kitschig klingt: Sie wollen mit diesen Werken ihrer Liebe für den Fußball Ausdruck schenken.

Wann und wo wird »fantasista« zu sehen sein? 
Im April irgendwo im Zentrum Londons. Der Ort steht noch nicht genau fest, da wir den Vertrag noch nicht unterschrieben haben. Das wird unsere erste Ausstellung sein, geplant sind aber mehr. Wir haben schon zwei Anfragen aus New York. Während der WM 2014 werden wir auch in São Paulo vertreten sein.

Haben Sie schon Reaktionen aus der Fußballwelt bekommen?
Ian Wright, der früher für Arsenal und England spielte, ist ein großer Fan von Swarbricks Arbeit. Presseanfragen haben wir vor allem aus Argentinien bekommen, weil Diego Maradona das Subjekt unseres Werbevideos für den Launch war.

Roberto Baggio hat man in Erinnerung, wie er auf dem Poster von Zoran Lucic zu sehen ist: Gedankenverloren nach dem WM-Finale 1994 gegen Brasilien. Wieso war Baggio eine so große Inspiration für die Ausstellung?
Er hat diese Ausstrahlung wie Tiger Woods, Michael Jordan oder Michael Jackson. Eine Silhouette, einen Charakterkopf – genau das ist für einen fantasista wichtig. 
Es wäre unser Traum, Roberto Baggio von unserem Projekt und seinem Porträt zu erzählen.

>>Hier geht es zur Webseite der Ausstellung »fantasista«

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