26.03.2011

Fußballkrieg Honduras/El Salvador

»Es war Hass zu spüren«

Pipo Rodríguez war Rechtsaußen von El Salvador und ist wohl der einzige Fußballer auf der Welt, der sich vorhalten lassen musste, dass eines seiner Tore einen bewaffneten Konflikt ausgelöst hat. Wir trafen den vermeintlichen Kriegstreiber.

Interview: Klaus Ehringfeld Bild: Imago
Fußballkrieg Honduras/El Salvador
Wie hat Sie als Spieler die Politik beeinflusst?

Auf dem Feld überhaupt nicht. Die Spiele waren immer sauber und fair. Es gab keine Tritte über die sportlichen Fouls hinaus. Aber sonst spürten wir natürlich schon, dass das besondere Partien waren. Wir empfanden spätestens beim zweiten Spiel am 15. Juni in Salvador, dass wir auch eine moralische Verpflichtung hatten, für unser Land zu siegen. Wir hatten das Gefühl, Stolz und Ehre Salvadors hingen an unseren Fußballstiefeln. Wir hätten jedes Spiel verlieren können, nur das nicht.

Es galt also die Devise: Schuss. Tor. Krieg!

Nein, unser Sieg war nur ein Element mehr, der willkommene Anlass, wenn man so will. Aber der Krieg war nicht aufzuhalten, er wäre so oder so gekommen.

Wäre es heute noch möglich, dass ein Fußball-Spiel einen Krieg auslöst oder so für politische Zwecke genutzt wird?

Nein, das denke ich nicht. Die Menschen und die Politik sind reifer geworden. Heute könnten so banale Vorwände wie ein Fußballspiel nicht mehr dafür herhalten, einem Krieg Vorschub zu leisten. Aber i besonders in Lateinamerika wird der Fußball nie frei von Politik sein.

Wenn Sie damals gewusst hätten, welche Wirkung Ihr Tor entfalten würde, würden Sie es vielleicht nicht nochmal schießen?

Auf keinen Fall. Ich würde alles nochmal so machen. Ich war doch Stürmer, das war doch meine Aufgabe.

Sie sind eine Person der Zeitgeschichte in El Salvador. Werden Sie nach 40 Jahren noch erkannt auf der Straße?

Ja, von den Alten, aber nicht den Jungen. Manchmal bleiben auch Eltern oder Großeltern stehen und sagen dann zu ihren Kindern oder Enkeln: »Schau, das ist der Pipo Rodríguez, der uns zur ersten Weltmeisterschaft geschossen hat«.

Sie haben kurz nach der WM 1970 mit dem aktiven Fußball aufgehört.

Ja, ich hatte Probleme mit dem Meniskus im rechten Knie. Deswegen musste ich 1971 meine Karriere beenden und bin dann Trainer geworden. Ich habe 1982 bei dem WM in Spanien die salvadorianische Mannschaft als Nationaltrainer betreut. Für das Turnier hatte sich übrigens auch Honduras qualifiziert.


***Im 11FREUNDE-Heft: Schuss, Tor, Krieg: Alle Zusammenhänge zum Konflikt zwischen El Salvador und Honduras.
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