26.03.2011

Fußballkrieg Honduras/El Salvador

»Es war Hass zu spüren«

Pipo Rodríguez war Rechtsaußen von El Salvador und ist wohl der einzige Fußballer auf der Welt, der sich vorhalten lassen musste, dass eines seiner Tore einen bewaffneten Konflikt ausgelöst hat. Wir trafen den vermeintlichen Kriegstreiber.

Interview: Klaus Ehringfeld Bild: Imago
Fußballkrieg Honduras/El Salvador
Pipo Rodríguez, vor ein paar Tagen hat El Salvador in der WM-Qualifikation in Honduras gespielt, es ging 1:0 für Honduras aus, genau so wie vor 40 Jahren beim ersten dieser drei Spiele mit Nebenwirkungen…

Ja, aber heute ist alles wieder in Ordnung zwischen beiden Staaten, wir haben keine politischen Probleme mehr. Und die fußballerische Rivalität ist wieder wie mit jedem anderen Land Zentralamerikas.



Das war damals anders. Sie erinnern sich noch gut an die drei Spiele im Juni 1969.

Klar, vor allem an das Entscheidungsspiel in Mexiko am 27. Juni. Die Partie war ja ein Wendepunkt in meinem Leben, weil alle Welt dachte, ich hätte mit meinem Tor den Krieg zwischen El Salvador und Honduras ausgelöst, dabei haben beide Mannschaften damals ja nur darum gekämpft, als erstes Land Zentralamerikas zu einer Weltmeisterschaft zu fahren. Unser einziges Ziel war, das Spiel zu gewinnen.

Sie schossen das 3:2 in der 11. Minute der Verlängerung.

Ja, genau. Wir hatten das erste Spiel in Honduras verloren, das zweite in Salvador gewonnen. Also musste das Entscheidungsspiel den Sieger ermitteln. Und ich hatte die große Ehre, das Siegtor zu erzielen.

Wenige Wochen danach warf El Salvador Bomben auf Honduras und marschierte beim Nachbarn ein. Es gab mehrere tausend Tote. Die 100 Stunden, die der bewaffnete Konflikt dauerte, sind als »Fußball-Krieg« in die Geschichte eingegangen.


Aus meiner Sicht ist das falsch. Die Spiele haben den Krieg nicht ausgelöst. Es waren zwei Sachen, die parallel passierten. Fußball auf der einen und Politik auf der anderen Seite. Hier die WM-Qualifikation und da die sozialen und ökonomischen Probleme zwischen beiden Ländern. Und wir wurden für politische Zwecke benutzt.

Weil die Qualifikationsspiele den Militärmachthabern in beiden Ländern sehr entgegen kamen….

Die Regierungen und die Medien in beiden Ländern nutzten die Spiele dazu, die Stimmung in der Bevölkerung anzuheizen. Wir spürten schon beim ersten Spiel in Honduras am 8. Juni, dass es um mehr ging. Es war ein Hass zu spüren, der über die sportliche Rivalität hinausging. Es ging gegen uns als Salvadorianer.

Was haben Sie von der politischen Eskalation mitbekommen?

Wir konnten uns dem gar nicht entziehen. Es gab ja in den Medien kein anderes Thema. Die Zeitungen in El Salvador berichteten von vergewaltigten Frauen, von salvadorianischen Familien, die in Honduras aus ihren Häusern geprügelt und deportiert wurden. Das lasen wir natürlich alle.

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