Fußball-Traditionalist Sebastian Bona über die »Initiative 1903«

»Eine emotionale Befriedigung«

Sebastian Bona ist Fußballtraditionalist aus Überzeugung und Gründer der »Initiative 1903«, mit der er an die Teilnehmer der ersten deutschen Meisterschaft erinnern will. Ein Gespräch über Pilgersteine und Fußball im 2-3-5.

S. Bona

Sebastian Bona, Sie sind der Kopf der »Initiative 1903«. Können Sie kurz erklären, was Sie da eigentlich machen?
Die »Initiative 1903« ist ein loser Verbund von Freunden der Fußballtradition und Fußballhistorikern. Mit der Initiative, deren geistiger Vater ich bin, wollen wir den Teilnehmern der ersten Endrunde zur deutschen Meisterschaft 1903, also dem Altonaer FC, Britannia Berlin, Magdeburger Victoria, VfB Leipzig, Karlsruher FV und dem Deutschen Fußballclub Prag. Wir setzten zum Beispiel Denkmäler in Form von Gedenktafeln, so genannte Pilgersteinen.

Wie kamen Sie auf diese Idee?
Ich bin Fußballtraditionalist und habe vor ein paar Jahren, als ich in Hamburg war, gedacht, ich könnte mal die Finalstätte vom ersten Finale um die Deutsche Meisterschaft besuchen, das 1903 in Altona stattfand. Mithilfe älterer Karten fand ich mich dann auf einmal in einem tristen Gewerbegebiet wieder, wo überhaupt nichts mehr nach Fußball aussah. Das fand ich schade und dachte, da müsste man mal was machen. So hatte ich die Idee der Pilgersteine, die ich über soziale Netzwerke bekannt gemacht habe und viel Zuspruch erhielt. Daraus entstand dann schließlich die »Initiative 1903«.

Was erhoffen Sie sich davon?
Ich erhoffe mir natürlich, einen Beitrag zur Bewahrung der Fußballkultur und -Tradition zu leisten. Gerade in Zeiten des Fußballkaptalismus – RB Leipzig, Wolfsburg und so weiter – ist es wichtig, die Tradition zu wahren. Die Endrunden-Vereine gibt es ja teilweise gar nicht mehr oder sie spielen kaum noch eine Rolle. Das alles im Gedächtnis zu halten, ist für mich als Traditionalist auch eine emotionale Befriedigung.

Mit welchen Problemen haben Sie dabei zu kämpfen? 
Die Finanzierung ist schwierig. Das geht zum Großteil über Spenden. Spender aufzutreiben ist aber natürlich oft sehr aufwändig.

Das klingt alles sehr anstrengend und auch sehr zeitintensiv. Was sagt denn Ihre Lebensgefährtin dazu, dass ihr Mann durch das Land fährt und Pilgersteine verlegt?
Die fährt selbstverständlich mit und unterstützt mich. Aber privat ist es schon eine Herausforderung. Um Zeit für die Initiative zu haben, habe ich beruflich ein Vier-Tage-Woche, muss aber die Arbeit einer ganzen Woche erledigen.

Neben der positiven Resonanz aus der Fanszene: Wie ist denn das Feedback seitens der Vereine und Verbände?
Das war anfangs schwierig, aber dadurch, dass ich Mitglied im »Arbeitskreis Tradition« der DFL bin, kam dann auch irgendwann der Kontakt zustande. Insbesondere nach der zweiten Pilgerstein-Einweihung in Leipzig wurde auch der DFB auf uns aufmerksam. Vor Kurzem dann signalisierte die »DFB-Kulturstiftung Theo Zwanziger« Interesse an unserer Arbeit und unterstütze uns mit 2000 Euro. Das ist viel Geld für uns. Ein Pilgerstein kostet etwa 1400 Euro, hinzu kommen noch die Kosten für ein gebührendes Rahmenprogramm, z.B. ein Spiel wie zuletzt in Leipzig oder 2013 in Karlsruhe.

Sie schreiben auf Ihrer Homepage, dass Sie eine Traditionself zusammenstellen wollen, die dann auch zeitlich stilecht im 2-3-5-System auflaufen will. Haben Sie nicht Bedenken, dass Sie mit diesem eher altbackenen System ganz böse auf die Mütze bekommen?
Es geht uns darum, die sozialen, kulturellen und sportlichen Werte des Fußballs zu spiegeln, als er noch in den Kinderschuhen steckte. Passend dazu spielen wir auch mit einem alten Lederball und im 2-3-5. Und zum System: Wenn wir gegen den Karlsruher FV spielen, die sind derzeit in der Kreisklasse C, da hoffe ich zumindest auf einen Ehrentreffer.

Weitere Informationen zur »Initiative 1903« finden sich unter www.initiative1903.de

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