26.12.2010
Fußball, mein Leben und ich: Karlheinz Förster
»Ich hatte Zweifel«
Außen hart, innen zart – Karlheinz Förster. Für unsere aktuelle Ausgabe sprachen wir mit Deutschlands kompromisslosesten Manndecker aller Zeiten über Heimweh in der VfB-Jugend und schmerzhafte Verletzungen.
Interview:
Tim Jürgens
Bild:
Imago
Manfred Kaltz über Altobelli und 1982
»Die Taktik stimmte nicht«
WM 1982: Deutschland-Frankreich 8:7
Fallrückzieher ins Finale
Wann reifte in Ihnen der Gedanke, mit Fußball Ihren Lebensunterhalt zu verdienen?
Lange Zeit war es eine Spaßsache. Ich wollte nur gut spielen. Erst als ich nach Stuttgart ging, fing ich an, mir Gedanken zu machen, dass ich Profi werden könnte. Und auch da hatte ich anfänglich Zweifel.
Warum? Sie waren doch sehr erfolgreich.
Weil es nicht so einfach war. Ich war gerade 17 geworden. Mit dem Wechsel nach Stuttgart verließ ich das Elternhaus. Das war damals noch eine große Sache.
Wie lief der Wechsel ab?
Ein VfB-Scout hatte mich mit den Nationalmannschaftsjunioren in Monaco gesehen. Eines Tages kamen ein Präsidiumsmitglied und der damalige Trainer Hermann Eppenhoff nach Schwarzach. Ich wollte nicht so recht weg. Mein Vater hat das gemerkt, er war ganz ruhig, aber irgendwann stand meine Mutter auf und sagte: »Auf jetzt, Karlheinz, alla« – wie man es bei uns in Ableitung vom französischen »Allez« sagt. Mayer-Vorfelder (VfB-Präsident, d. Red.) sprach später deshalb immer von »Mutter Alla«.
Und in Stuttgart hatten Sie Heimweh?
Natürlich. Das war mir am Anfang nicht geheuer. Nach drei Monaten habe ich zu Hause angerufen und gesagt, dass ich zurück will.
Sie hatten sportlich aber doch keine Anschlussprobleme.
Aber ich hatte mich verletzt. Bänderriss. In Stuttgart bekam ich einen Gips, der sechs Wochen draufblieb, dann stellten sie fest, dass es ein Riss und kein Bruch war. Frustrierend. Bei den Profis ließ mich Trainer Istvan Sztani anfangs links liegen. Ich begrüßte ihn, und er sprach mit den Leuten weiter. Er sagte nur: »Junn-ggge, hol mal die Bälle.«
Lehrjahre sind keine Herrenjahre.
Ich wohnte bei einer Gastfamilie in Hedelfingen. Zum Glück durfte ich mit Sondergenehmigung meinen Führerschein mit siebzehneinhalb machen. Vom Verein bekam ich einen alten Käfer, der nur Winterreifen hatte, was aber nicht schlimm war, weil er ohnehin nur 115 km/h fuhr. Und dann bin ich ständig von Stuttgart nach Schwarzach gefahren.
1977 stiegen Sie unter Coach Jürgen Sundermann mit dem VfB zurück in die Bundesliga auf. Er galt damals »Wundermann«.
Es war die Begeisterung, die er entfachte. Dabei achtete er extrem auf Disziplin. Er sorgte dafür, dass wir überall einheitlich gekleidet aufliefen. Er war der Erste, der anordnete, dass wir nur stilles Wasser
trinken durften. Einmal haben wir auf der Fahrt zum Freundschaftsspiel in Freiburg an der Raststätte Achern angehalten. Kaffee und Kuchen. Markus Elmer, ein Außenverteidiger, lud sich ein Stück Schwarzwälder auf. Da hat der Sundermann ihn zur Sau gemacht. Aber diese Schule hat uns junge Spieler geprägt. Im Training war immer gute Stimmung. Beim Spiel Fünf gegen Zwei hat Sundermann mitgemacht und ständig Beinschüsse probiert.
Nach seinem Weggang in die Schweiz kam Sundermann 1980 noch einmal zum VfB.
Das klappte aber nicht mehr. Wir hatten uns weiterentwickelt, er war der Alte geblieben. Einmal hat er uns verboten, aufs Volksfest zu gehen, obwohl das nächste Spiel erst zehn Tage später war. Fast aus Protest sind wir mit acht Leuten dahin und haben Bier getrunken. Nur Erwin Hadewicz blieb bei Fanta. Sundermann kriegte es mit, am nächsten Tag war Mannschaftssitzung, und wir wurden zu 400 Mark Strafe verdonnert. Da habe ich zum Erwin gesagt: »Hättst wengstens Bier gtrunke, dei Fanta war teuer.«
Legendär ist ein VfB-Trainingslager im schweizerischen Lauchingen unter Coach Lothar Buchmann im Jahr 1979.
Das kam auf Mayer-Vorfelders Initiative zustande. Der kannte den Lauchinger Bürgermeister und hatte verabredet, dass wir ins Trainingslager dahin kämen. Leider stellten wir nach Ankunft fest, dass es völlig in der Einöde lag. Wir wohnten in einem Landgasthof namens »Krone«, nebendran war ein Bauernhof mit Misthaufen vor der Tür. Als wir nachts das Fenster aufmachten, kamen Tausende von Schnaken ins Zimmer. Die ganze Mannschaft ist noch auf Mückenjagd gegangen, aber am nächsten Morgen waren wir alle komplett zerstochen.
Wie haben Sie die Zeit herum bekommen?
Abends saßen wir am Stammtisch in der »Krone« und hörten Schorsch Volkert zu, wie er uns auf dem Klavier vorspielte. Manchmal haben wir mitgesungen.
War Ihre Spielergeneration genügsamer als die heutige?
Wir haben uns mehr mit dem Klub identifiziert und deshalb auch mehr Verantwortung übernommen. Ich bin auch mal zu Mayer-Vorfelder und habe Namen von Spielern genannt, die wir verpflichten sollten. Etwa Klaus Fischer, als er nach Bochum wechselte, oder Cha Bum. (...)
----
Das komplette Interview mit Karlheinz Förster lest Ihr in der aktuellen Ausgabe von 11FREUNDE. Heft#110 ist jetzt im Handel erhältlich!



