Fürths Edgar Prib über das Franken-Derby und seine Erstliga-Saison

»Der schönste Moment in meinem Leben«

Edgar Prib gilt als einer der wenigen Lichtblicke bei der SpVgg Greuther Fürth. Vor dem Franken-Derby gegen den 1.FC Nürnberg am Sonntag sprachen wir mit dem 23-jährigen Fürther Eigengewächs über die besondere Rivalität zum Club, die enttäuschende Saison der Fürther und zwei ganz besondere Momente in seiner Karriere.

Edgar Prib, am Sonntag kommt es zum Franken-Derby gegen den ungeliebten Nachbarn aus Nürnberg. Macht sich das Derby-Fieber schon bemerkbar?
Ja, natürlich. Wir sind alle heiß darauf und freuen uns auf das Spiel. Ein Derby, ausverkauftes Haus und hoffentlich schönes Wetter. Was gibt es Schöneres?

Die herbe 1:6-Niederlage im letzten Heimspiel gegen Borussia Dortmund hat keine Spuren hinterlassen?
Gegen Dortmund haben wir nicht unseren wahren Charakter gezeigt. Das war eine schlechte Leistung. Aber jetzt steht ein neues Spiel an, noch dazu ein ganz besonderes für uns. Vielleicht können wir das Derby am Sonntag nutzen, um bei unseren Fans ein bisschen Wiedergutmachung zu betreiben.

Es ist nach dem Hinspiel erst das zweite Franken-Derby in der Bundesliga. In Deutschland sorgt meist nur das Revierderby zwischen Schalke und dem BVB für großes Aufsehen. Was macht die Rivalität zwischen Fürth und und dem 1. FC Nürnberg aus?
Es ist das älteste Derby in Deutschland. Es mag zwar lange Zeit nicht auf fußballerisch höchstem Niveau stattgefunden haben, aber es ist immer mit sehr vielen Emotionen verbunden. Eigentlich ist es auch mit einem größeren Prestige-Faktor verbunden als das Revierderby. Denn im Gegensatz zu Dortmund und Schalke, grenzen Fürth und Nürnberg unmittelbar aneinander.

Wenn man an die Rivalität zwischen Dortmund und Schalke denkt, fällt auch immer der Name Kevin Großkreutz, der seine Abgneigung gegen den Konkurrenten auch außerhalb des Platzes offen zur Schau stellt. Ähnlich wie er, sind auch Sie sehr eng in Ihrem Verein und der Stadt verwurzelt. Sie sind in Fürth aufgewachsen und spielen seit Ihrer Kindheit für die SpVgg. Verspüren Sie ähnliche Gefühle gegenüber dem 1.FC Nürnberg?
Ich bin mit grünem Blut groß geworden, in dieser Hinsicht sind wir uns vielleicht ein wenig ähnlich. Aber ich muss das nicht so offen nach außen tragen. Die Wahrheit zeigt sich im Endeffekt auf dem Platz.

Sollte der FC Augsburg am Freitag in Gladbach gewinnen, muss für Ihre Mannschaft ebenfalls ein Erfolg her. Vier Spieltage vor Saisonende wäre Ihr Klub sonst auch rechnerisch abgestiegen. Könnte dieser Umstand die Brisanz noch einmal erhöhen?
Wir würden nicht wegen einer Niederlage in Nürnberg absteigen. Wir haben es über die ganze Saison hinweg nicht geschafft, unsere zahlreichen Torchancen zu nutzen und Punkte einzufahren.

Aber ausgerechnet im Stadion des Erzrivalen abzusteigen, wäre doch sicherlich ein weiterer Tiefschlag.
Für unsere Fans wäre das wahrscheinlich nur schwer zu verkraften, gerade weil das Derby auch immer eine Herzensangelegenheit ist. Wir Spieler müssen die Situation aber nüchtern analysieren und da muss man einfach sagen, dass wir nicht wegen eines einzigen Spiels am Ende absteigen werden, sondern weil unsere Leistung über die gesamte Spielzeit nicht für die Erste Liga ausgereicht haben.

Das 0:0 im Hinspiel war vor allem von Kampf geprägt. Am Ende gab es je einen Platzverweis auf beiden Seiten. Was erwarten Sie am Sonntag für eine Partie?
Es wird sicherlich eine ähnlich umkämpfte Partie werden, in der viele Emotionen im Spiel sind. Zu den Roten Karten muss man aber dazu sagen, dass es sich bei einer der beiden, nur um eine Gelb-Rote gehandelt hat. Es war also nicht so, dass wir uns auf dem Platz gegenseitig die Knochen kaputt getreten hätten. Eine gesunde Zweikampfhärte gehört aber dazu und ist auch nötig. Das gilt im übertragenden Sinne für die Fans. Trotz aller Rivalität geht es immer noch um Fußball.

Versuchen Sie diese Rivalität und dieses Derby-Feeling auch an die Spieler weiterzugeben, die noch nicht so lange im Verein sind?
Ich versuche gerade den Jungs, die im letzten Jahr noch nicht beim Pokalspiel in Nürnberg dabei waren, die Emotionen mitzugeben. Aber spätestens nach dem Heimspiel in der Hinrunde, weiß eigentlich jeder, worum es geht.

In dem besagten Pokalspiel aus der letzten Saison sind Sie durch einen 1:0-Auswärtserfolg beim 1. FC Nürnberg ins Viertelfinale des DFB-Pokals eingezogen. Sie haben dabei den Siegtreffer erzielt. Wie haben Sie diesen speziellen Moment als Fürther-Junge erlebt?
Das kann ich nur ganz schlecht beschreiben. Es war auf jeden Fall ein unvergesslicher Moment in meinem Leben und wahrscheinlich auch der schönste. Dafür Worte zu finden, ist aber sehr schwer. Ich denke, da sollte man einfach die Bilder sprechen lassen, die dazu noch im Internet existieren.

Nur eine Woche zuvor galten Sie noch als Depp der Nation, als Sie in der Zweitliga-Partie gegen Eintracht Frankfurt allein aufs Tor zuliefen und trotzdem nur den Pfosten trafen. Zu diesem Zeitpunkt waren Sie erst 22 Jahre alt. Wie steckt man es als junger Profi weg, wenn Comedy-Shows wie TV Total diese Szene rauf und runter spielen und sich vor einem Millionenpublikum über einen lustig machen?
Die ersten Stunden nach dem Spiel waren schon sehr hart. Da hatte ich damit zu kämpfen, das ganze irgendwie mental zu verarbeiten. Aber eigentlich hat mir dann das, was danach in den Medien passiert ist, sogar dabei geholfen, diesen Moment runterzuschlucken. Als die Szene bei TV Total lief, haben meine Freunde und ich eine Telefonkonferenz gestartet und Tränen gelacht. Über sich selbst lachen zu können, hilft einem über eine solche Situation hinweg. Aus meiner heutigen Sicht war es sogar eine wichtige Erfahrung für meine weitere Entwicklung.

Obwohl Ihre Mannschaft abgeschlagen auf dem letzten Tabellenrang liegt, ist bei Ihnen auch in dieser eine positive Entwicklung festzustellen. Wie haben Sie ihr erstes Jahr in der Bundesliga erlebt?
Besonders positiv ist bei mir natürlich mein erstes Bundesligator gegen Hoffenheim hängen geblieben. Ich denke, ich habe auch gezeigt, dass ich auf Bundesliga-Niveau bestehen kann. Aber ich würde mich als großen Teamplayer bezeichnen, deshalb kann ich mich nur wenig über meine persönlichen Leistungen freuen. Wenn die Mannschaft nicht gut dasteht, stehe ich auch nicht gut da.

Bisher ist Ihnen in 15 Heimspielen noch kein einziger Sieg gelungen. Bei nur noch zwei ausstehenden Partien vor eigenem Publikum, werden Sie den Negativrekord von Tasmania Berlin mit lediglich zwei Heimsiegen in einer Saison zumindest einstellen. Schämt man sich in einer solchen Situation? 
Es nagt sehr an einem und zieht einen ziemlich runter. Es tut mir aber vor allem leid für unsere Fans, die in dieser Saison viel ertragen mussten.

Bei anderen Vereinen, die momentan noch um die Europa League kämpfen, werden die Fans sehr viel schneller unruhig.
Dafür gebührt unseren Fans der größte Respekt und ein großes Kompliment. Selbst bei ganz schlechten Spielen waren immer nur sehr wenige Pfiffe zu hören und wir wurden trotzdem unterstützt. Es ist wirklich nicht selbstverständlich, dass die Leute da so cool geblieben sind.

Wie bei jedem Verein, der über geringe finanzielle Mittel verfügt und am Ende der Saison absteigt, hat auch in Fürth die Jagd auf die besten Spieler bereits begonnen. Die Abgänge von Sercan Sararer und Heinrich Schmidtgal stehen fest. Sie haben zwar noch Vertrag bis 2014, sollen aber sogar von Vereinen wie Borussia Dortmund umworben werden.
Zu meiner Zukunft möchte ich mich erst einmal nicht äußern. 

 
 

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