28.01.2008

Friedhelm Funkel im Interview

„...dann gehe ich zum VfR Neuss“

Es gibt Meistertrainer, es gibt Feuerwehrmänner – und es gibt Friedhelm Funkel. Seit nunmehr fünf Jahren hält er Eintracht Frankfurt ohne viel Tamm Tamm im Mittelfeld der Tabelle. Macht Durchschnittlichkeit Spaß, Herr Funkel?

Interview: 11Freunde Bild: Imago
Zwar wurde dieses Jahr das Saisonziel »Nicht-Abstieg« in einen »einstelligen Tabellenplatz« umformuliert. Aber streben Sie nicht als Trainer auch einmal nach Höherem? Wäre für Sie ein Vereinswechsel zu einem Top-Klub denkbar?

Auch darüber denke ich nicht nach, denn ich arbeite hier in Frankfurt und fühle mich sehr wohl. Es reizt mich vielmehr, dass wir unsere ausgegebenen Ziele Saison für Saison erreichen und vielleicht eines Tages in der Tabelle auch wieder in höhere Regionen schauen dürfen. Doch dies versuchen wir Step by Step umzusetzen. Und wir geben hier in Frankfurt nur Ziele aus, die realistisch sind. Alles andere wäre unfair – gegenüber den Fans und gegenüber den Spielern.


Sie meinten einmal, »ob bei Real Madrid, in Uerdingen oder beim VfR Neuss«, es sei ihnen egal, wo sie Trainer seien, »Hauptsache Fußball«. Was macht das Arbeiten bei kleineren Vereinen aus?

Der Spaß und die Freude am Fußball. Bei kleinen Vereinen geht es mit Sicherheit geselliger zu, und es gibt keinen Druck. Aber ich hätte auch kein Problem damit, irgendwann zu sagen: Jetzt höre ich auf und trainiere wieder den VfR Neuss. Wenn ich das tun würde, dann hätte ich dabei auch Spaß.

Obwohl Ihr Trainer-Kollege Felix Magath schon Meisterschaft und Pokal-Triumphe feiern durfte, empfindet er den Nicht-Abstieg mit Eintracht Frankfurt als seine größte Leistung als Trainer. Denken Sie auch, dass solche Erfolge einen Trainer mehr prägen als Titel?


Das kommt immer darauf an, mit was für einer Mannschaft und mit welchen Möglichkeiten man in eine Saison geht. Petrik Sander hat in der letzten Saison mit Energie Cottbus den Klassenerhalt in der Bundesliga geschafft. Das war eine ganz starke Leistung, wenn man sich den Kader und die finanziellen Möglichkeiten dort vor Augen hält.

Sie sind ein Trainer, der viel Wert auf Fleiß und Team-Work legt und weniger auf Hacke, Spitze eins, zwei, drei. Trotz alledem müssen Sie doch Albert Streit, der für seine kreativen Momente berüchtigt war und nun auf Schalke tricksen darf, zumindest ein paar Tränen nachgeweint haben.


Wir haben in Alexander Meier, Benjamin Köhler, Markus Weissenberger und Mehdi Mahdavikia in gestandene Bundesligaspieler, die unserem Offensivspiel ihren Stempel aufdrücken können. Unsere jungen – Faton Toski, Martin Fenin und Caio – sind überaus talentiert und erhöhen unsere taktische Flexibilität in diesem Bereich. Ihnen geben wir alle Zeit, die sie brauchen, um sich in Ruhe zu entwicklen.

Trotz eines erheblichen Verletzungspechs liegt ihre Truppe im Soll und trotzt allen Kritikern. Nur vier Niederlagen mussten sie bis jetzt hinnehmen. Verraten sie uns ihr Erfolgskonzept?

Der Erfolg kommt aufgrund des sehr guten Teamspirit. Bei uns kämpft jeder für jeden – die Mannschaft ist eine Einheit, gibt sich nie auf und weiß genau, dass sie in jedem Spiel und gegen jeden Gegner gewinnen kann. Zudem ist die Mannschaft gewachsen, gefestigt und hat durch die Teilnahme am UEFA-Cup vor eineinhalb Jahren enorm an Erfahrung gewonnen.

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