07.03.2007

Friedhelm Funkel im Interview

„Ich bin Friedhelm Funkel“

Friedhelm Funkel ist der Sisyphos der Bundesliga: Kaum ging es in seiner Trainerkarriere mal bergauf, ging es gleich wieder bergab – so wie derzeit in Frankfurt. Und doch sagt er: „Ich will mit niemandem tauschen.“

Interview: oliver zeyen Bild: Imago
Herr Funkel, Ioannis Amanatidis hat in einem Interview mit 11freunde.de vor einigen Wochen gesagt, die Eintracht sei ein schlafender Riese. Hat dieser Riese nach der Winterpause vergessen, aufzustehen?

Wir sind weder ein Riese, noch schlafen wir. Wir sind hellwach, was die Partien in Wolfsburg und Leverkusen sowie in Offenbach und gegen Hannover bewiesen haben. Selbst bei unseren Niederlagen gegen Schalke und in Hamburg sowie beim 0:0 gegen Mainz haben wir eine gute Leistung gezeigt. Uns hat einfach das Quäntchen Glück gefehlt. Dazu kam, dass wir unsere klaren Tormöglichkeiten, die wir uns erspielt hatten, nicht genutzt haben. Unser Ziel war es, im berühmt berüchtigten zweiten Bundesligajahr den Klassenerhalt zu schaffen. Und das werden wir auch schaffen.



Wie erklären Sie sich den Einbruch nach der ersten Halbserie?


Wir sind nicht eingebrochen! Wir haben von den ersten sieben Rückrundenspielen eins gewonnen, drei Mal Unentschieden gespielt und haben drei Spiele verloren. Also sind wir im Umkehrschluss in vier von sieben Begegnungen unbesiegt geblieben. Die Liga ist eng, und die Abstiegszone geht bis zu Platz neun. Dass wir im Kreise derer dabei sein könnten, die um den Klassenerhalt kämpfen, haben wir gewusst. Wir werden die Klasse halten, davon sind wir hier alle überzeugt.

Zuletzt gab es gegen schwächelnde Hannoveraner immerhin mal wieder einen Sieg, davor acht sieglose Bundesliga-Partien in Folge.

Wir haben jetzt inklusive des Pokalspiels zweimal in Folge zu Null gewonnen. Das gibt der Mannschaft Selbstvertrauen. Ich bin davon überzeugt, dass man dies in den nächsten Wochen auch am Tabellenplatz ablesen wird.

Mit welchen Mitteln kann der Abstieg vermieden werden?

Indem wir ruhig, sachlich und konzentriert, aber mit der nötigen Konsequenz weiterarbeiten und uns nicht verrückt machen lassen. Wir haben die Qualität, um am Ende den Klassenerhalt zu schaffen. Und dieses Ziel werden wir auch erreichen.

Sie galten als Destruktivtrainer, haben sich mit Ihren Mannschaften oft dem Defensivfußball verpflichtet. Bereuen Sie nach den letzten Spielen, mit der Eintracht zu einer Art Hurra-Fußball gewechselt zu sein?

Wir haben keinen Hurra-Fußball gespielt und spielen jetzt auch nicht defensiv. Wir haben in den letzten beiden Spielen 5:0 Tore erzielt. Da kann man doch nicht von Defensivfußball sprechen.

Sind Sie es manchmal leid, als Trainer bei Mannschaften zu arbeiten, die stets an der Schwelle zwischen der ersten und zweiten Bundesliga stehen?

Ich habe mit Eintracht Frankfurt in dieser Saison im UEFA-Cup gespielt, letzte Saison das Pokalfinale erreicht und stehe jetzt mit der Eintracht erneut im Pokal-Halbfinale. Wir haben einen Schnitt von über 46.000 Zuschauern pro Heimspiel, eine riesige Fangemeinde und eines der schönsten Stadien Europas. Dieser Klub ist letztes Jahr aufgestiegen und ist einer der bekanntesten Vereine in Europa. Ich arbeite sehr gerne hier und weiß, dass hier noch mehr bewegt werden kann. Aber dazu braucht es etwas Zeit.

Was reizt Sie an der Arbeit bei mittelklassigen Teams?

Eintracht Frankfurt ist weder mittel- noch hochklassig. Die Eintracht ist ein Klub, der ungeheures Potenzial hat. Aber man kann nicht einfach auf einen Knopf drücken – und schon geht die Post ab in Richtung Europapokalplätze. Hinter Erfolgen steht harte und konzentrierte Arbeit. Als ich hier angefangen habe, waren wir in der Zweiten Liga. Jetzt versuchen wir, uns in der Bundesliga zu etablieren. Wir sind einer von 18 Bundesliga-Klubs und diese Liga ist eine der stärksten Ligen Europas. Da kann man nicht von Mittelklasse sprechen – vielmehr ist das Niveau sehr hoch.

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