16.09.2012

Freiburgs Trainer Christian Streich im großen Interview

»Spielerberater sind wie Ameisen«

Man fragt sich, wieso der SC Freiburg nicht schon früher auf die Idee kam, Christian Streich zum Cheftrainer zu machen. Ein Gespräch über Volker Finkes Erbe, goldene Schüsseln für junge Spieler und Wurstbrät.

Interview: Jens Kirschneck und Tim Jürgens Bild: Martin Mischkulnig

Ihre Eltern haben eine Metzgerei betrieben. Waren Sie als Nachfolger vorgesehen?
Das wäre nichts für mich gewesen. Richtig harte, körperliche Arbeit und jeden Morgen um vier Uhr aufstehen. Wissen Sie, wenn man in einem Familienbetrieb aufwächst, ist das hart. Da hat das Leben ein ungeheures Tempo und das hört nie auf.

Haben Sie aus dieser Zeit etwas für Ihre Trainerarbeit gelernt?
Für alles Mögliche kann man da etwas mitnehmen. Wir haben an der B3 gewohnt, der Bundesstraße von Lörrach nach Karlsruhe mit 8000 Autos am Tag. Ich war stets mit Menschen konfrontiert.
 Kunden, die etwas kaufen wollten. So eindeutig war das Verhältnis nicht immer. Wir waren ein offenes Haus und manches Mal saß ein fremder Mann bei uns am Küchentisch, weil meine Oma einen hungrigen Handelsvertreter aus Hamburg zum Abendessen eingeladen hat. Das war ein Prinzip aus der Nachkriegszeit: Du musst den Leuten etwas zu essen geben.

Lernt man dabei milieuübergreifendes Kommunizieren?
Absolut. Und man lernt alle Schichten kennen. Manchmal kamen Alkoholiker ohne Geld, die etwas zu trinken wollten. Zu denen hat meine Oma gesagt: »Hocken Sie sich hin, Sie kriegen gleich was zu trinken. Aber erst essen Sie was!«

Das hört sich fast romantisch an.
In der Erzählung vielleicht. Aber es war nicht romantisch. Nur unmittelbar, schnell und direkt, was mir heute als Trainer hilft. Doch für meine Eltern war es ein Glück, dass sie das Geschäft vor 21 Jahren verkauft haben. Danach war erst einmal Ruhe. Solange ein Geschäft im Haus ist, wo ausschließlich die Familie arbeitet, ist niemals Ruhe. Meine Mutter ist immer gerannt oder zumindest in sehr schnellem Schritt gegangen.

Mussten Sie mithelfen, wenn Sie aus der Schule kamen?
Erst gab es Mittagessen, dann mussten wir helfen, meine Schwester und ich. Gegen Nachmittag habe ich gesehen, dass ich über den Bach zum Kicken kam. Wenn ich dann immer noch helfen sollte, hat mein Vater über den Bach gerufen. Der hatte eine sehr laute Stimme.
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