Freiburgs Nachwuchsleiter über Kontinuität, Erfolge und Hoffenheim

»Ergebnisse stehen nicht im Vordergrund«

Freiburgs Höhenflieger heißen Oliver Baumann, Daniel Caligiuri, Jonathan Schmid, Johannes Flum, Oliver Sorg oder Matthias Ginter. Das Besondere: Sie alle durchliefen die heimische Fussballschule.

Jochen Saier, seit fast zehn Jahren sind Sie Leiter der Freiburger Fußballschule. Welchen Anteil hat diese am derzeitigen Erfolg?
Ich denke, wir haben in den vergangenen Jahren speziell im Nachwuchsbereich ordentliche Arbeit geleistet und eine hohe Durchlässigkeit zum Profikader geschaffen. Aktuell stehen zehn ehemalige Spieler unseres Leistungszentrums im Kader, von denen fünf bis sechs regelmäßig in der Startformation auflaufen. Der aktuelle Erfolg ist letztlich dem Kollektiv zuzuschreiben und dem Lohn der Arbeit der vergangenen zehn Jahre.

Auffallend ist, dass auch der Trainerstab zum großen Teil aus dem Leistungszentrum stammt.
Richtig. Mit Christian Streich, Patrick Baier, Simon Ickert und Lars Voßler sind vier der fünf aktuellen Trainer jahrelang im Leistungszentrum tätig gewesen. Christian Streich hat zuvor 15 Jahre lang sehr erfolgreich die U-19 trainiert.

Geplante Philosophie oder Zufall?
Man kann schon sagen, dass das Teil einer Philosophie ist. Wir hatten immer schon eine enge Verbindung zwischen dem Lizenztrainerstab und der Nachwuchsabteilung. Auch unter Robin Dutt, der hier vier Jahre sehr gute Arbeit geleistet hat, war Christian Streich als Verbindungstrainer neben seiner Funktion als Trainer der A-Junioren zusätzlich auch als Co-Trainer der Profis eingebunden. Wir sehen uns als Aus- und Weiterbildungsverein für Spieler, aber eben auch Trainer.

Freiburg gilt als Vorzeigeprojekt in Sachen Ruhe und Kontinuität, auch im Nachwuchsbereich. Ist genau das der entscheidende Vorteil, den der relativ kleine Fußballstandort Freiburg gegenüber anderen Mannschaften hat?
Dies ist sicherlich ein Vorteil. Mitentscheidend ist, dass wir eine klare Ausbildungs- und Spielidee haben, die sich durch die einzelnen Jahrgangsstufen zieht. Die Jungs wissen nach ihrer Zeit in der Fußballschule, was im Profibereich von ihnen gefordert wird. Die Ausbildungskette und die Gesamtausrichtung stimmt einfach. Ich glaube, wir hätten als Standort ein Problem, wenn alle zwei Jahre ein neuer Chef-Trainer an der Seitenlinie stünde und sich damit jeweils die inhaltliche Ausrichtung ändern würde.  

Sie selbst sind jetzt seit zehn Jahren in der Freiburger Fußballschule tätig. Was hat sich in dieser Zeit in Freiburg getan?
Wir haben schon damals, mit dem Bau des Leistungszentrums, tolle Voraussetzungen geschaffen. Aber allein eine gute Infrastruktur führt erstmal nicht zum Erfolg. Es ging zunächst darum, die Grundidee und die Positionierung als Ausbildungsverein inhaltlich zu füllen. Wir haben damals eine gewisse Anlaufzeit gebraucht, uns von Jahr zu Jahr weiterentwickelt und sind jetzt bei einer Durchlässigkeit angelangt, die uns sehr zufrieden stellt.

Der Bau des Leistungszentrum in Höhe von zwölf Millionen Euro im Jahr 2000 war für Freiburger Verhältnisse enorm teuer und risikoreich. Im Jahr 2005 folgte der Abstieg und damit vier Jahre lang zweitklassiger Fußball.
Das gesamte Konzept funktioniert nur mit einer ganz klaren Ausrichtung des Vereins. Alle Beteiligten müssen von dem Weg überzeugt sein. Wenn der Cheftrainer Angst hat, entlassen zu werden und daher lieber eine Million Euro mehr für den Profikader ausgeben möchte als für den Nachwuchsbereich, dann wäre das Projekt zum Scheitern verurteilt. Nur in kurzfristigen Ergebnissen zu denken, war noch nie der typische Freiburger Weg.

Die Ausbildung regionaler Talente steht beim SC Freiburg im Vordergrund. In ähnlicher Form kennt man diese Aussagen auch von der TSG Hoffenheim. Was läuft da im Moment falsch?
Dazu kann ich mich nicht äußern. Wir haben eine gewisse Anlaufzeit gebraucht. Ich denke die sollte man auch Hoffenheim zugestehen. Auch wenn sie mit deutlich größeren finanziellen Mitteln durchaus aggressiver vorgehen. Das entscheidende Kriterium auch für Spieler sollte sein, dass die Durchlässigkeit im Verein vorhanden ist – und das haben wir geschafft. Für den ersten Schritt im Profifußball sind wir die optimale Adresse. Die Argumentationskette für unseren Verein darf und wird nicht vom finanziellen Aspekt bestimmt. Wenn die Entscheidung eines Jugendspielers davon abhängig ist, ob er in der A- oder B-Jugend etwas mehr oder weniger Taschengeld bekommt, dann wäre das ohnehin kein Spieler für uns.

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