29.01.2014

Fredi Bobic über Transferpreise, fehlende Gier und den FC Bayern

»Jammern ist fehl am Platz«

Fredi Bobic weiß: Dem Schwaben geht es gemeinhin sehr gut. Das Problem: Die Ansprüche an den VfB sind daher immens hoch. Doch kann die Mannschaft sie erfüllen? Vor der Partie gegen den FC Bayern sprachen wir Stuttgarts Sportdirektor über fehlende Gier, Erwartungshaltungen und ein Trainingslager in Südafrika.

Interview: Roland Wiedemann Bild: Imago

Fredi Bobic, der FC Bayern München ist zu schlagen – Red Bull Salzburg hat es gezeigt. Das macht doch Hoffnung für die heutige Partie oder?
Das war nur ein Testspiel, das hat nichts zu sagen. Und das haben die Bayern ja mit dem 2:0 in Mönchengladbach auch gezeigt. In der Vorbereitung ist so ein Spiel vielleicht sogar ganz gut. Weil es zeigt, was passiert, wenn du zu lässig in eine Partie gehst. Mir wäre lieber, dem FC Bayern würde das in einem Bundesligaspiel passieren – am besten natürlich gegen uns.
 
Der VfB ist mit einer Niederlage gegen Mainz in Rückrunde gestartet. Dabei lag Ihr Team in Führung.
Ich habe ein bisschen die Gier vermisst, das Spiel gewinnen zu wollen. Es ist sehr schade, weil die Mannschaft im Trainingslager wirklich einen sehr guten Eindruck hinterlassen hat.
 
Während sich die meisten Ligakonkurrenten im Mittelmeerraum auf die Rückrunde vorbereitet haben, ist der VfB-Tross viel weiter Richtung Süden geflogen – nach Kapstadt.
Und alle waren sehr, sehr glücklich. Wir hatten dort sehr gute Trainingsbedingungen, die Mannschaft hat super trainiert, und es gab zudem die Gelegenheit für viele teambildendende Maßnahmen.
 
Zum Beispiel?
Ein Besuch auf Robben Island, wo Nelson Mandela fast zwei Jahrzehnte inhaftiert war. Und die Mannschaft hat in einem Township mit Kindern Fußball gespielt. So etwas ist auch gut für die Köpfe und die persönliche Entwicklung der Spieler.
 
Weil sie in einem Armenviertel vor Augen geführt bekommen, welch privilegiertes Leben sie als Fußballprofi führen?
Ja, absolut.
 
Sie haben im Zusammenhang der Südafrika-Reise des VfB Stuttgart darauf hingewiesen, dass die Vermarktung der Bundesliga ausbaufähig ist.
Es ist an den Zahlen ganz klar zu sehen, dass wir im Vergleich zu den drei anderen Topligen in Europa in diesem Punkt hinterherhinken. Die Vermarktung im Inland ist sehr gut, ja sie ist vielleicht fast schon an  ihre Grenzen gestoßen. Aber außerhalb Deutschlands gibt es noch Potenzial. Um das auszuschöpfen, muss man aber auch etwas tun...
 
Und die Reisestrapazen für ein Trainingslager in Südafrika nicht scheuen...
Das klingt mir zu negativ. Man fliegt über Nacht und hat keine Zeitumstellung. Und wie ich schon sagte, alle waren begeistert – und damit meine ich nicht nur die Spieler, sondern auch die Trainer und die Betreuer rund um das Team. Die Stimmung und die Bedingungen waren sehr gut.
 
Einem Matthias Sammer wäre das wahrscheinlich schon zu viel der Harmonie gewesen.
Da hat er bisweilen ja durchaus recht. Aber eine positive Grundstimmung ist auch gut, um Fehler, die gemacht wurden, zu verbessern.
 
Ihr Team hat eine durchwachsene Vorrunde gespielt. Wo liegen die Stärken und wo die Schwächen der Mannschaft?
Sie hat Stärken im Offensivspiel gezeigt und präsentiert sich hier durchaus variabel. Gleichzeitig haben wir aber zu viele Tore kassiert – unter anderem gegen Mannschaften mit defensiver Spielweise, die aber gut und schnell kontern. Wir müssen an unserem Umschaltspiel und der Balance in unserem Spiel arbeiten.
 
Vor dem Rückrundenstart hieß es, der VfB wolle zur Aufholjagd blasen – nach der Niederlage gegen Mainz sind es aber schon elf Punkte Abstand zum Europa League-Platz. Den Abstiegsränge ist man deutlich näher...
Aktuell schaut bei uns niemand auf einen Europa-League-Platz. Unser Ziel ist es, eine bessere Rückrunde zu spielen, mehr Punkte zu holen als in der Hinrunde und die Mannschaft zu entwickeln. Wir wollen einen einstelligen Tabellenplatz. Wenn die Mannschaft einen guten Fußball gezeigt hat, könnte ich auch gut damit leben. Wie die Mannschaft spielt, das ist mir wichtig.

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