Fredi Bobic über eine Briefmarke und die Färöer Inseln

»Bewundernswert, dass man da überhaupt leben kann«

Gegen die Färöer hat die deutsche Nationalelf zwar noch nie verloren, doch auch noch nie geglänzt. Fredi Bobic war im Juni 2003 beim 2:0-Erfolg dabei. Ein Gespräch über einen Zittersieg, eine Briefmarke und den Torwart mit der Mütze.

Fredi Bobic, sammeln Sie Briefmarken?
Um Gottes willen, nie und nimmer.

Nicht mal Briefmarken von den Färöern?
Ach, das meinen Sie. Irgendwann hat mich mal ein Kollege von Ihnen angerufen und mir mitgeteilt, dass ich auf einer Briefmarke von den Färöern zu sehen bin. Das ist wirklich lustig. Gerade weil es die Färöer sind. Das ist schon ein sehr spezieller Fleck auf dieser Erde. Den Aufenthalt da habe ich sehr genossen.

Besitzen Sie Exemplare Ihrer Briefmarke?
Die färingische Post hat mir welche zugeschickt. Sieht nett aus. Ist fast so wie die blaue Mauritius (lacht).

Wie sind Sie zu dieser Ehre gekommen?
Mit unserer eindrücklichen Leistung bei diesem lockeren 2:0-Sieg durch Tore in der 88. und 90. Minute hat das vermutlich nichts zu tun (lacht). Ich nehme an, es war Zufall. Ich bin im Zweikampf mit einem Spieler von den Färöern und ziemlich gut zu erkennen.

Waren die Färöer der exotischste Ort, an dem Sie mit der Nationalmannschaft gespielt haben?
Es gab schon einige exotische Orte. Aber die Färöer haben mir unheimlich gut gefallen. Auch wenn ich ehrlich sagen muss, Urlaub machen würde ich da wahrscheinlich eher selten.

Es sei denn, Sie stehen auf Nebel und Regen.
Ja, man ist gefangen im Nordatlantik. Bewundernswert, dass man da, mitten im Niemandsland, überhaupt leben kann. Ich kann mich noch an den Spieltag erinnern. Morgens wollten wir uns locker machen, aber du konntest nicht mal fünf Meter weit gucken. So dicht war der Nebel. Das Wetter wechselte auch innerhalb einer Stunde von einem Extrem zum anderen. Trotzdem war es einfach ein Erlebnis. Privat kommt man ja eher selten an solche Orte. Gerade deshalb habe ich solche Reisen als Fußballer immer genossen.

Welche Erinnerungen haben Sie an die Reise im Juni 2003?
Die Eindrücke sind erstaunlicherweise noch sehr frisch – obwohl das inzwischen auch schon zehn Jahre her ist. Selbst der Flug war faszinierend. Wir kamen damals von einem Spiel in Glasgow, es war ein klarer Tag, und dann landest du mitten im Nordatlantik, wo du denkst, da gibt es eigentlich nur Island. Über die Färöer, diese 18 Inseln, bist du wahrscheinlich tausend Mal drüber geflogen und hast es gar nicht mitbekommen. Vom Flughafen ging es mit dem Bus nach Torshavn. Du fährst in einen Tunnel, sozusagen unter die Wasseroberfläche, es geht immer weiter runter, runter, runter – bis auf die nächste Insel, wo es dann wieder hoch, hoch, hoch geht.

Haben Sie die Insel intensiver erkundet als andere Spielorte?
Die Insel ist jetzt nicht so, dass man sagt: Hier gibt es jetzt aber total viel zu entdecken. Auch Torshavn selbst hat nichts Außergewöhnliches. Das ist ein süßes, kleines Hauptstädtchen, das vom Fischfang lebt. Aber man muss sich immer vergewissern, wo man ist. Das ist das Spezielle an den Färöern. Es gibt auf der Insel nur ein Hotel, direkt im Berg. Da waren wir zusammen mit der Mannschaft der Färöer untergebracht. Wir haben den einen Flügel bewohnt, die Färöer den anderen. In Wirklichkeit war das eine bessere Jugendherberge. Das fand ich super, muss ich sagen. Es gab auch einen fantastischen Fisch zu essen. Aber das ist nicht ungewöhnlich, wenn man mitten im Atlantik ist.

An das Spiel haben Sie vermutlich weniger gute Erinnerungen.
Sie müssen die Umstände berücksichtigen. Der Platz war unheimlich tief, das Flutlicht ziemlich diffus. Dann kommen noch wechselnde Winde hinzu. Das kriegst du in Deutschland vor dem Fernseher natürlich gar nicht so mit. Und dann triffst du auf einen Gegner, der rennen kann ohne Ende und alles in dieses Spiel schmeißt. Für uns waren es die letzten 90 Minuten vor dem Urlaub. Das spielt im Kopf auch eine Rolle.

Auf der Briefmarke sind Sie zu sehen – umringt von vier Spielern der Färöer.
Das war typisch für dieses Spiel. Die standen mit elf Mann hinten drin, konnten super verteidigen – haben aber nicht einmal auf unser Tor geschossen und alles Glück dieser Welt gehabt. Der Torwart mit der Mütze hatte einen überragenden Tag. Wir haben Chancen ohne Ende vergeben. Ich glaube, allein ich habe drei Mal den Pfosten getroffen. Kurz vor Schluss macht Miroslav Klose das 1:0 für uns, direkt danach habe ich zum 2:0 getroffen. Wenn das Spiel zehn Minuten länger gedauert hätte, hätten wir wahrscheinlich 6:0 oder 7:0 gewonnen. Da waren sie dann fertig.

Glauben Sie, dass die aktuelle Mannschaft weniger Probleme haben wird?
So einfach ist das nicht. Du musst da erstmal durchkommen. Der Kunstrasen ist natürlich ein Vorteil für unsere Mannschaft. Da ist alles gerade, da verhubbelt kein Ball. Das kommt einer technisch starken Mannschaft gelegen. Aber man muss auch sagen, dass die Färöer das damals gegen uns taktisch sehr gut gemacht haben. Die sind immer tief in ihren Positionen gestanden und haben sich nicht aufreißen lassen. Das muss man auch anerkennen.

Das wird diesmal wohl nicht anders sein.
So ist es. Ich glaube nicht, dass die Färöer offensives Pressing spielen werden. Da kannst du dich schon schwertun. Und trotzdem ist es Normalität, dass du am Ende gewinnst.

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