11.02.2011

Franz Brungs über BVB-Benfica 1963

»Wir waren überragend«

Es ist der größte Verein der Welt: Benfica Lissabon. Wie man die Portugiesen schlägt, zeigte 1963 Borussia Dortmund im Landesmeister-Cup. Wir sprachen mit Franz Brungs über das unglaubliche 5:0 und ein echtes Goldköpfchen.

Interview: Wiebke Schuirmann Bild: Imago

Franz Brungs, Benfica Lissabon, Ihr Gegner im Achtelfinale des Europapokals der Landesmeister 1963, war zu der Zeit eine absolute Ausnahmemannschaft.

Franz Brungs: Absolut, Benfica war ein europäischer Spitzenklub! Dementsprechend war die Vorfreude auf diese Begegnung in Dortmund auch zu spüren. Der überragende Eusebio war Teil der Mannschaft und auch die anderen Spieler hatten im Europapokal für Furore gesorgt. Gegen Benfica auf der Roten Erde spielen zu dürfen, war etwas Besonderes.



Anpfiff war um 19:30 Uhr, aber schon am frühen Nachmittag war das Stadion rappelvoll.

Franz Brungs: Das Stadion war schon seit Wochen ausverkauft. Die Stimmung damals war unbeschreiblich und hat mich mein ganzes Sportlerleben begleitet. So etwas habe ich kein zweites Mal erlebt.

Hat Sie das zusätzlich motiviert?

Franz Brungs: Natürlich! Jeder hat sich gesagt: Hier dürfen wir nicht versagen. Das war besonders wichtig, denn das Hinspiel in Lissabon hatten wir verloren. Wir sind nur mit einem blauen Augen davon gekommen, weil Hans Tilkowski, unser Torwart, überragend gehalten hatte. Keiner hat im Rückspiel noch einen Pfifferling auf uns gesetzt.

Haben Sie intern über eine mögliche Sensation gesprochen?

Franz Brungs: Es war ein nasskalter Winterabend, Anfang Dezember, und die Südeuropäer hatten schon so ihre Schwierigkeiten mit dieser Witterung. Uns kam entgegen, dass der Boden leicht angefroren war. Er war etwas hart, das war gut für die Standfestigkeit und die Techniker konnten den Ball dann nicht so flüssig laufen lassen. Wir kannten solche Verhältnisse, damals gab es ja noch keine Rasenheizung und keine Winterpause.

Das Spiel lief von Anfang an gut für die Borussia.

Franz Brungs: Das war unsere Devise: Wir wollten den Gegner von Beginn an unter Druck setzen. Die Taktik war klar: Sofort stören, damit die guten Leute von Benfica gar nicht erst zum Spielaufbau kommen konnten. Und uns ist an diesem Abend wirklich alles gelungen, jeder hat sich für den anderen eingesetzt und wir haben 90 Minuten lang einen unglaublichen Fußball gespielt.

Nach einer halben Stunde überschlugen sich die Ereignisse. Der BVB ging innerhalb von drei Minuten mit 3:0 in Führung. Wie haben Sie das denn geschafft?

Franz Brungs: Das ist Schlag auf Schlag gegangen, die Leute sind gar nicht mehr aus dem Jubeln rausgekommen. Als Spieler bekommt man erst gar nicht mit, wie groß die Freude der Zuschauer wirklich ist. Das hat man dann erst ein paar Stunden nach Spielschluss verarbeiten können.

Sie selbst haben drei Tore gemacht..

Franz Brungs: Mit dem Spiel war Borussia Dortmund in Europa angekommen und Franz Brungs auf einen Schlag berühmt! Ganz Europa kannte meinen Namen und in der Bundesliga wurde ich nach dem Benfica-Spiel plötzlich in Manndeckung genommen.

Benficas Superstar Eusebio stand im Rückspiel gar nicht im Kader. Wäre die Partie mit ihm anders ausgegangen?

Franz Brungs: Noch kurz vor dem Anpfiff hieß es: Kann er spielen, kann er nicht spielen? Die ganze Zeit herrschte Unruhe. Kurz vor Spielbeginn hieß es dann: Eusebio spielt nicht. Eusebio war zwar brandgefährlich, aber ob er uns alleine geschlagen hätte, will ich doch zumindest anzweifeln. Wir waren an dem Abend wirklich überragend.

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