22.02.2014

Franz Beckenbauer über schwule Fußballer und die WM 2014

»Beeeeckenbauer ist homosexuell«

Zum Beginn der Bundesliga-Rückrunde eine Audienz beim Kaiser. Am Rande der Verleihung der Mira-Awards in Berlin sprachen wir mit Franz Beckenbauer über die Hitze in Katar, die Zukunft von Mario Mandzukic beim FC Bayern und Homophobie im Fußball in den Sechzigern.

Interview: Tim Jürgens Bild: Imago


Im Achtelfinale muss der FC Bayern gegen den FC Arsenal ran. In der vergangenen Saison wären die Bayern gegen die Londoner beinahe ausgeschieden. Nach einem 3:1-Auswärtssieg, verlor das Team daheim mit 0:2. 


Das waren diese Konzentrationsschwächen, die sich immer wieder mal einschleichen. 


Aber der FC Arsenal im Achtelfinale ist schon das schwerste Los?
In dem Topf war das sicher ein sehr schweres Los, Arsenal ist in England Tabellenführer, der Klub hat sich erholt. Aber wenn man die Champions League holen will, dann trifft man früher oder später immer auf Mannschaften wie Arsenal, Barcelona oder Chelsea. 


Stimmen Sie mit Ihren Kollegen beim FC Bayern überein, dass Franck Ribery bei der Wahl zum Weltfußballer Opfer der Fifa-Politik geworden ist?

Damit hat die Fifa nichts zu tun, die führt die Wahl nur durch. Die Fifa befragt Trainer und Mannschaftskapitäne aus 209 Ländern und dazu noch Journalisten. Es ist nun mal so, dass Ribery in Europa die Nase vorn hatte, Ronaldo und Messi aber im Rest der Welt bekannter sind. Schade für ihn, denn er war der beste Spieler im Jahr 2013. 


Der ehemalige Bayern-Trainer, Andries Jonker, hat gesagt, Ribery habe nicht die herausragende Stellung in seinem Team wie Lionel Messi oder Cristiano Ronaldo, außerdem habe er nach wie vor zu viele Ballverluste, um Weltfußballer zu werden. 

Ribery war der dominierende Spieler beim FC Bayern, aber natürlich hat er Ballverluste. Das liegt daran, dass er ständig in die Zweikämpfe geht. Er betreibt einen ungeheuren Aufwand. Messi ist eher einer, der die anderen laufen lässt. Und Ronaldo ist zweifellos ein herausragender Individualist, aber auch er braucht die Zuspiele seiner Mitspieler, um so viele Tore zu machen.

Würden Messi und Ronaldo in einer homogenen Mannschaft wie dem FC Bayern funktionieren?

Die würden überall funktionieren. Wenn sie kämen, müsste man eben umstellen. Ich habe immer am meisten Spaß gehabt, wenn ich in einer Auswahl gespielt habe. Wenn ich mit Bobby Charlton, Rivera oder Pelé in der Weltauswahl spielte, dann war es wie in einem Orchester. Es war harmonisch. Wir hatten vorher nie zusammengespielt, aber wir haben uns blind verstanden.


Könnte sich der FC Bayern inzwischen einen der beiden Weltfußballer leisten?
Weiß ich nicht, ich habe da keinen Überblick mehr.
 
Würden Sie von den Bossen an der Säbener Straße gefragt, wenn so ein Transfer geplant wäre?
Nein, die haben Sammer, Guardiola, da brauchen sie mich nun wirklich nicht. 


Wann greifen Sie beim FC Bayern noch ein?


Gar nicht mehr, höchstens wenn ich mal wieder eine Kolumne schreibe, was nur noch höchstselten passiert. (lacht) Ich habe lange genug eingegriffen, es passt schon.

Kommen wir zur bevorstehenden Weltmeisterschaft. Ist es für die deutschen Spieler in Brasilien zu heiß, um den Titel zu gewinnen?
Im Süden Brasiliens ist im Juni doch Winter, da herrschen ganz angenehme Temperaturen. Sie sollen halt rechtzeitig hinfliegen und sich akklimatisieren. Ich weiß noch, wie wir 1976 den Weltpokal mit Bayern gewonnen haben. Das erste Spiel in München fand Ende November bei minus 20 Grad statt. Die Rasenheizung hat nicht mehr richtig funktioniert, da war eine Eiskruste auf dem Rasen. Und bald darauf mussten wir nach Belo Horizonte zum Rückspiel. Aus München konnten wir wegen Nebels erst verspätet abfliegen, nachmittags kamen wir bei 40 Grad plus im Urwald an und abends spielten wir 0:0 und waren Weltpokalsieger. Also: Mit etwas Energie kann man alles schaffen.


Anders gefragt: Ist Deutschland titelreif?


Doch, doch. Ich wüsste jetzt keine Mannschaft, die besser ist.


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