22.02.2014

Franz Beckenbauer über schwule Fußballer und die WM 2014

»Beeeeckenbauer ist homosexuell«

Zum Beginn der Bundesliga-Rückrunde eine Audienz beim Kaiser. Am Rande der Verleihung der Mira-Awards in Berlin sprachen wir mit Franz Beckenbauer über die Hitze in Katar, die Zukunft von Mario Mandzukic beim FC Bayern und Homophobie im Fußball in den Sechzigern.

Interview: Tim Jürgens Bild: Imago

Franz Beckenbauer, der FC Bayern hat gerade ein Testspiel gegen RB Salzburg mit 0:3 verloren. Wie ist die Niederlage zu bewerten?


Ich war überrascht über die passive Spielweise der Bayern und das aggressive Spiel der Salzburger. Das hätte auch 5:0 oder 6:0 ausgehen können, Bayern hatte keine Chance. Aber so werden sie sich in der Bundesliga nicht präsentieren. Es war ein Warnschuss zu rechten Zeit.
 


Das wäre allerdings schlecht für die Spannung in der Liga.
Ich weiß nicht, was schlecht für die Liga ist. Aber wir freuen uns doch alle, wenn die Bayern gut spielen, oder? (lacht)


Glauben Sie, dass die Bayern nun auf Jahre auf den  Meistertitel abonniert sein werden?
Es wird zweifellos schwer, sie zu schlagen, wenn sie sich weiter so kontinuierlich verstärken. Und das werden sie. Pep Guardiola ist der ideale Trainer, Matthias Sammer weckt sie immer wieder auf, wenn Schlendrian einzukehren droht. Im Kader ist genug Konkurrenzkampf, damit man in allen Wettbewerben bestehen kann. Ich sehe tatsächlich keinen Grund, warum sich etwas in den nächsten Jahren ändern sollte. Im Gegenteil.


Über Uli Hoeneß heißt es, er ist erst zufrieden, wenn der FC Bayern in zehn Jahren zehn Mal Meister wird, Karl Heinz Rummenigge relativiert, bei fünf Mal wäre er auch zufrieden. Wie sehen Sie das?
Ich mache das nicht an Meisterschaften fest, mir reicht es, wenn sie einen schönen, engagierten, spielfreudigen Fußball spielen. Und wenn sie das tun, haben sie automatisch auch Erfolg.
 
Aber funktioniert die Bundesliga mittelfristig auch ohne die Spannung im Kampf um die Meisterschaft?
Es gibt doch noch andere interessante Wettbewerbe: den Kampf um die Champions-League-Plätze, den Abstieg. In Spanien ist es viel eklatanter als bei uns, da spielt die Musik nur zwischen Barcelona und Madrid. In Italien aber hat sich das Blatt ein bisschen gewendet, da spielt nun auch mal der AS Rom oder der SSC Neapel vorne mit. Will sagen: Es ist immer Bewegung drin. Warten Sie es ab, demnächst ist vielleicht auch der VfL Wolfsburg finanziell in der Lage einen Wechsel an der Spitze zu forcieren.
 
War es eigentlich notwendig, dass der FC Bayern Robert Lewandowski aus Dortmund holt? Nach dem Transferhickhack wird es nach seiner Ankunft in München bald auch im Kader Ärger geben.
Wird es nicht, dafür ist Guardiola als Person zu stark und genießt genug Respekt. Ich glaube, dass er allen Spielern die Möglichkeit geben wird, zu Einsätzen zu kommen. Denn der FC Bayern hat so viele Spiele, dass Rotation zwangsläufig notwendig sein wird.


Aber, mal ehrlich, Mario Mandzukic kann doch nach der Verpflichtung Lewandowskis seine Koffer packen.
Eigentlich schon. Ich kann mir vorstellen, dass Lewandowski einschlägt. Von seiner Spielweise passt er besser zu Guardiolas Vorstellungen als ein reiner Mittelstürmer wie Mandzukic. Zumal Pep Guardiola auch noch auf Thomas Müller und Mario Götze zurückgreifen kann.
 
Karl Heinz Rummenigge sagt, dass die Meisterschaft der wichtigste Titel sei. In Wahrheit aber muss es dem FC Bayern doch in der Rückrunde vor allem darum gehen, als erste Mannschaft den Titel in der Champions League zu verteidigen, oder?
Die Meisterschaft kann man planen. Vor allem jetzt, wo schon ein gewisses Polster vorhanden ist, kann man den ein oder anderen Aussetzer verkraften. In der Champions League beginnt die K.O.-Runde. Wenn es an einem Tag nicht stimmt, bist du schnell draußen. Deswegen ist dieser Wettbewerb so verteufelt schwierig.  



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