Frankreichs Suche nach neuen Vorbildern

»Diese Jungs sind entgleist«

Frankreich schämt sich für seine Nationalspieler. Nach der WM-Blamage fehlen dem Nachwuchs plötzlich die Vorbilder. Wir sprachen mit Patrick Rampillon, Jugendkoordinator bei Stade Rennes, über Geld und Gourcuff. Frankreichs Suche nach neuen Vorbildern

Patrick Rampillon hat für Mannschaften wie Stade de Reims, AS Saint-Étienne und Stade Rennes gespielt. Nach dem Ende seiner Profikarriere wurde er Trainer am Ausbildungszentrum in Rennes und später dessen Direktor. Yoann Gourcuff, Anthony Réveillère oder Jimmy Briand haben ihre Karriere unter seiner Leitung begonnen.

Patrick Rampillon, wie beurteilen Sie das Ausscheiden der französischen Nationalmannschaft bei der WM?


Es war natürlich auch für mich eine große Enttäuschung. Und das Bild des französischen Fußballs hat darunter extrem gelitten. Die ganze Welt hat an den Fernsehbildschirmen mitbekommen müssen, welchen desaströsen Eindruck die französische Mannschaft hinterlassen hat.

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Dieses Bild ist auch durch Aussetzer einzelner Spieler wie zum Beispiel Nicolas Anelka entstanden. Kennen Sie solche Situationen auch aus Ihrer Arbeit in der Ausbildung von jugendlichen Fußballern?

Die Spieler bei uns zwischen 15 und 20 Jahren spielen eigentlich alle mit dem gleichen großen Appetit und Enthusiasmus. Und ich denke nicht, dass es in diesem Alter schon große Unterschiede im Verhalten auf dem Platz gibt. Ich hatte Spieler wie Gourcuff, Briand oder Réveillère in der Ausbildung, die jetzt im Profikader und in der Nationalmannschaft spielen. Mit diesen Spielern gab es nie Probleme. An solche Spieler habe ich nur gute Erinnerungen. Später, im Alter von 29 oder 30 Jahren gehen viele gute Spieler dann ins Ausland, verlassen ihre Heimat und ihr Umfeld. Dann sind sie umgeben von Geld. Das schlechte Bild der Nationalmannschaft sollte jedenfalls nicht dafür herhalten die Jugendarbeit generell in Frage zu stellen.

Das heißt, erst Geld und Prominenz machen die Spieler zu anderen Menschen?

Das ist wie mit der Erziehung eines Kindes. Eine Familie kann dem Kind, wenn es klein ist, Werte vermitteln, es auf den richtigen Weg bringen und versuchen, es von Dingen wie Alkohol, Drogen und ähnlichem fernzuhalten. Aber irgendwann ist die Familie nicht mehr für den Menschen verantwortlich. Nicht jeder Jugendliche kommt danach auf den richtigen Weg. Ob einige französische Nationalspieler nicht den richtigen Weg eingeschlagen haben, kann ich nicht sagen. Was sich in der Mannschaft abgespielt hat, ist eine Verkettung von mehreren Dingen, die man als Außenstehender schwer nachvollziehen kann. Auf jeden Fall sind diese Jungs in ihrem Verhalten stark entgleist.

Wie können Sie sich dieses Verhalten erklären?


Vielleicht sind sie zu sehr wie verwöhnte Kinder behandelt worden. Vielleicht ist ihnen ihr finanzieller Status zum Verhängnis geworden oder sie sind von ihrem persönlichen Umfeld beeinflusst worden. Mögliche Gründe kann man überall suchen. Am Ende ist auch eine Sache des nationalen Fußballverbandes, diese Gründe zu suchen.

Wie kann man in der Ausbildung die Jugendlichen darauf vorbereiten, mit ihrem sportlichen und finanziellen Erfolg umzugehen?

Ich glaube, dass man den Spielern in jungen Jahren schwer vermitteln kann, was sie später erwartet. Wichtig ist, wie sie danach, in den Profimannschaften, behandelt werden. Da spielt dann auch eine Rolle, welche Prinzipien ein Verein hat und vermitteln will oder welches Spielverständnis im Klub herrscht. Auch das kann das Verhalten der Spieler beeinflussen.

Welche Rolle spielen dabei die verschiedenen kulturellen Hintergründe in der Nationalmannschaft?

Die französische Nationalmannschaft ist 1998 mit derselben Vielfalt an Kulturen Weltmeister geworden. Die unterschiedliche Herkunft der Spieler ist für mich kein Grund für einen mangelnden Zusammenhalt in der Mannschaft. Als Direktor des Ausbildungszentrums habe ich erlebt, dass Werte wie Respekt und Disziplin nicht davon abhängen, woher die Spieler kommen. Fußball ist immer noch ein Mannschaftssport. Das muss allen Spielern wieder klar werden. Vor allem den Auswahlspielern unseres Landes.

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