Frankfurts Oldie Oka Nikolov im Interview

»Noch ein Jahr dranhängen«

Mit fast 39 Jahren ist Oka Nikolov derzeit der älteste Spieler der Liga. Doch der Torwart-Oldie denkt keinesfalls ans Aufhören. Hier spricht er über die Probleme des Alters, seine Zukunft und Training mit Tony Yeboah.

Oka Nikolov, Sie sind mit bald 39 Jahren der älteste Spieler der Liga und hüten seit einigen Wochen wieder das Tor der Frankfurter Eintracht. Und das ziemlich erfolgreich. Der wievielte Frühling ist das eigentlich?
Das weiß ich nicht. Ich versuche fit zu bleiben und ich fühle mich immer noch gut. Sonst würde ich das auch nicht mehr machen. Wenn ich das Gefühl hätte, der Mannschaft nicht mehr helfen zu können, hätte ich bereits aufgehört. Oder der Verein hätte mich schon zum Teufel gejagt. (lacht)

Wie bleibt man in ihrem Alter so fit?
Ein Geheimrezept gibt es da nicht. Ich habe einfach immer noch Spaß an der Sache. Außerdem hatte ich immer Glück mit Verletzungen, das spielt sicherlich eine Rolle. Aber ich trainiere jetzt nicht mehr oder weniger als vor 15 Jahren.

Und Sie kommen auch nach zwei Jahrzehnten Profifußball morgens immer noch problemlos aus dem Bett?
Naja, nach härteren Trainingseinheiten brauche ich schon ein wenig länger, um mich zu erholen. Aber alles andere klappt noch ganz gut.

Nach der Verletzung von Stammkeeper Kevin Trapp stehen Sie seit fünf Spieltagen wieder zwischen den Pfosten – nach 9 Monaten ohne Einsatz. Waren Sie nervös vor dem ersten Spiel?
Ich habe mittlerweile natürlich eine gewisse Erfahrung, aber trotzdem war ich ein wenig angespannt. Aber wenn diese Anspannung nicht da wäre, könnte ich es auch direkt bleiben lassen. Die gehört einfach dazu.

Eine Anspannung, die Sie auch nächstes Jahr noch spüren?
Ich will schon noch ein Jahr dranhängen.

Um dann mit der Eintracht noch mal international zu spielen?
Wir alle wollen das natürlich. Wer jetzt sagt, dass er nicht in den Europacup will, der lügt. Für uns ist das eine super Situation. Wir sind Aufsteiger, sind überraschend oben mit dabei und können nächstes Jahr vielleicht in Europa ran. Wir freuen uns auf die letzten drei Spiele.

Stefan Aigner sagte im Interview, das gute sportliche Abschneiden sei auch Resultat der guten Stimmung im Team.
Ich bin seit einer Ewigkeit hier und habe nicht viele Mannschaften in dieser Zeit erlebt, die einen solchen Charakter hatten. Auf dem Platz kämpfen wir füreinander und auch die Spieler aus der zweiten Reihe murren nicht. Wir haben viele gute Typen im Team. Aber man darf nicht vergessen: Die können auch gut Fußball spielen. (lacht)

Die Stimmung war nicht immer so sonnig. Im Abstiegsjahr 2011 etwa.
Ach, da brauchen wir nicht drüber reden. Natürlich passt es im Team nicht immer hundertprozentig. Aber wenn man zehn neue Spieler holt, weiß man auch nicht, wie die miteinander funktionieren. Dieses Jahr hat das sehr gut geklappt, in anderen Jahren eben nicht.

Ist die aktuell herausragende Saison der Eintracht ein verspätetes Karriere-Highlight für Sie?
Naja, so viel hab ich ja noch nicht dazu beigetragen (lacht). Nein, natürlich macht es zur Zeit Spaß. Es ist angenehmer, den Klassenerhalt bereits geschafft zu haben und überraschend oben mitzuspielen, als gegen den Abstieg kämpfen zu müssen. Und wir hatten viele tolle Spiele dieses Jahr. Das 3:3 gegen Dortmund in der Hinrunde war ein Highlight. Da habe ich zwar nicht gespielt, aber es war sensationell anzuschauen. Aber ich hoffe natürlich, dass wir am Ende der Saison noch ein größeres Highlight feiern können.
Neben der aktuell guten Phase gab es in den letzten Jahren mit der Eintracht auch viele bittere Momente.
Aber auch die möchte ich nicht missen. Es kann ja nicht immer die Sonne scheinen. Und die Momente, in denen man unten steht, prägen und formen einen. Ich bereue kein einziges meiner Profijahre bei der Eintracht.

Mittlerweile sind das schon 19 Profi-Jahre. Ist Ihnen bewusst, dass Sie Bundesliga- und Eintracht-Geschichte schreiben?
Ach, das ist mir nicht so wichtig. Ich bin schon stolz auf meine Karriere. Wenn ich zuhause sitze, mal in mich gehe und die letzten 20 Jahre Revue passieren lasse, dann kann ich so für mich sagen: Hut ab.

Stolz auch, weil Sie die meisten anderen Eintracht-Keeper früher oder später verdrängt haben?
Das gehört dazu. Fußball ist ein Leistungssport, da will jeder spielen. Dummerweise kann aber nur ein Torwart zwischen den Pfosten stehen. Ich bin insgesamt zufrieden, wie meine Karriere verlaufen ist.

Sie haben in all den Jahren unheimlich viele Mitspieler gehabt. Gibt es einen, der besonders herausragte?
Wir haben hier schon einige sehr, sehr gute Spieler gehabt. Aber es wäre jetzt unfair, einen einzelnen zu nennen.

Mit Uwe Bein oder Tony Yeboah im Trainingsspielchen zu kicken, muss doch der Wahnsinn gewesen sein.
Absolut. Aber ich will keine Namen nennen, sonst vergesse ich den ein oder anderen. Die Liste wäre auch viel zu lang. In dieser Saison sind übrigens auch wieder richtig gute Kicker dabei.

Sie haben auch sehr viele Trainer gehabt. Von Horst Ehrmanntraut heißt es, er habe die Mannschaftsaufstellung ausgependelt und den Co-Trainer wegen dessen negativen Schwingungen ausgeschlossen.
Da war ich aber nicht dabei (lacht). Grundsätzlich gilt: Was in der Kabine passiert, bleibt in der Kabine. Danach handele ich.

Stimmt es, dass Sie nach der Karriere bei Ihrem Heimatverein bei den Alten Herren spielen wollen?
Nein. Ich will im Profifußball bleiben. Vielleicht als Torwarttrainer, vielleicht als Jugendtrainer. Mal schauen, was passt.

Wahrscheinlich bei der Eintracht, oder?
Na, das hoffe ich doch.

Um der nächste Charly Körbel zu werden?
Da hätte ich nichts dagegen (lacht).

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