06.03.2008

Frank Zander im Interview

»Die dicke Dame muss reagieren«

Mit »Nur nach Hause geh`n wir nicht...« hat Frank Zander der Berliner Hertha die erfolgreichste Vereinshymne der Liga komponiert. Dennoch: Der Hauptstadtverein hat ein Image-Problem. Zander erahnt die Gründe.

Interview: 11Freunde Bild: Imago
Herr Zander, Sie sind gebürtiger Berliner und Fan von Hertha BSC Berlin. Was entfachte Ihre Leidenschaft für die »Alte Dame«?

Mein Sohn ist zwar ein großer Fan der Hertha. Ich habe mich aber eigentlich erst für den Verein interessiert, nachdem ich die Hymne geschrieben hatte.

Was mögen Sie seitdem an der Hertha besonders?

Die Hertha gehört zu Berlin wie die Currywurst zum Ku`damm. Ich finde es einfach super, wie die Fans hinter ihrer Mannschaft stehen - in guten und in schlechten Zeiten.



Und was mögen Sie nicht?

Der Verein verkauft sich nicht besonders gut nach außen. Ich verstehe einfach nicht, warum die Hertha sich so schwer tut. Von meiner Hymne waren sie anfangs begeistert. Dann sollte ich plötzlich eine neue schreiben, die ich aber nicht singen durfte - da wollten sie lieber »Ben« als Galionsfigur. Sie wissen einfach nicht, wo sie hinwollen.

Sie schrieben für Hertha BSC die Vereinshymne »Nur nach Hause geh`n wir nicht...«. Der Song ist mit über 40.000 verkauften Platten eine der erfolgreichsten Fußball-Hymnen Deutschlands. Sie müssen ein gern gesehener Gast der Vereinsführung sein.

Wenn ich Dieter Hoeneß treffe, dann sagt er mir jedes Mal wieder, dass er meinen Song sehr mag. Weiter nichts. Unsere Beziehung ist sehr oberflächlich. Mit Michael Preetz verstehe ich mich hingegen sehr gut, genauso mit Jürgen Röber und Falco Götz aus vergangenen Tagen.





Ist eine Fußball-Hymne bei einer solchen Resonanz eigentlich noch aus dem Olympiastadion wegzudenken?


Meiner Meinung nach nicht! Schon als ich die Hymne das erste Mal spielte, sangen die Fans bereits den zweiten Refrain mit. Mir lief es kalt den Rücken runter. Es ist unglaublich schwer, eine Hymne zu komponieren, mit der man den Nerv der Fans trifft. Ich habe es geschafft!

Christian Ulmen machte sich vor einiger Zeit für eine neue Vereinshymne stark. Er bezeichnete Ihren Song im Berliner Tagesspiegel als »7 Tage 7 Köpfe-Version fußballhumoristischer Korrektheit«. Warum passt dieser Song dennoch zur Hertha?


Das kann man nicht genau sagen. Letztendlich passt dieser Song zu jedem Verein. Man kann vorher nie wissen, ob er den Leuten gefällt oder nicht.

Sie nahmen die Kritik mit Gelassenheit. Auf Ulmens Vorschlag hin, die Berliner Dancehall-Gruppe »Seeed« für eine neue Hymne zu engagieren, boten Sie spontan Ihre Mitarbeit an. »Seeed featuring Frank Zander«, passt das wirklich?

Nachdem Christian Ulmen diesen Vorschlag im »Tagesspiegel« anregte, telefonierten wir. Er konnte mir eigentlich nicht genau sagen, was er jetzt an meiner alten Hymne auszusetzen hätte. Aber er wollte dem Verein wohl einen neuen Stempel aufdrücken.

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