08.12.2007

Frank Wormuth im Interview

„Marschieren wie Weltmeister“

Schon als Zweitligatrainer und als Jogi Löws Assistent bei Fenerbahce machte sich Frank Wormuth einen Namen. Nun ist er Leiter der Fußballlehrer-Ausbildung des DFB. Wir sprachen mit ihm über seine Idee vom Fußball der Zukunft.

Interview: René Kübler Bild: Imago
Herr Wormuth, haben Sie Arsène Wenger schon angerufen?

Warum das denn?

Matthias Sammer, Sportdirektor und Ihr Vorgesetzter, hat kürzlich davon gesprochen, unter anderem Wenger für die Trainerausbildung des DFB gewinnen zu wollen.

Langsam, langsam. Ich denke, das sollte nur ein Symbol dafür sein, dass wir versuchen wollen, die besten Leute zu bekommen, damit diese bei uns mitarbeiten. Arsène Wenger würde sicher nicht bei uns als Dozent arbeiten.



Das käme bei den deutschen Trainern wohl auch nicht gut an. Die könnten sich übergangen fühlen. Die Empfindlichkeiten sind bekanntlich groß.


Das mit Wenger war doch nur ein Ablenkungsmanöver (lacht). Die wahren Kandidaten halten wir geheim. Das sind vermutlich nur deutsche Trainer.


Wenger hin oder her. Wie weit sind Sie mit den Planungen? Wie soll die Fußballlehrer-Ausbildung künftig aussehen?

Wir sprechen schon über Inhalte. Auch der Rahmenterminplan für den ersten neuen Lehrgang steht bereits. Im Mai oder Juni 2008 geht es los. Die angehenden Fußballlehrer sollen bereits das EM-Turnier vor Ort beobachten.

Was ist weiter vorgesehen? Welche strukturellen Änderungen wird es geben?

Eins ist klar: Der Lehrgang wird verlängert. Bislang dauerte er sechs Monate. Nun sprechen wir von einem Jahr, meinen aber eine Saison. Die Trainer sollen künftig parallel zu einer Bundesliga-Spielzeit ausgebildet werden. Die eine Hälfte werden die Kandidaten im Hörsaal oder auf den Ausbildungsplätzen zubringen, die andere Hälfte bei Praktika in Vereinen und Verbänden sowie beim Selbststudium. Es wird also Zeiten geben, in denen die Teilnehmer den Stoff verinnerlichen können. Die Praktika sollen zudem nicht nur wie bislang während der Saisonvorbereitung stattfinden, sondern in unterschiedlichen Phasen der Saison.

Wird es inhaltlich irgendwas nicht mehr geben? Oder etwas Neues?

Im medizinischen Bereich wird sicherlich einiges weggelassen oder nur am Rande erwähnt. Ich denke da zum Beispiel an Orthopädie. Ein Fach wie Ernährungslehre liegt mir dagegen sehr am Herzen. Ich selbst habe festgestellt, dass du trainieren kannst so viel du willst: Wenn die Ernährung nicht stimmt, kannst du nie 100 Prozent herausholen. Ein weiterer Schwerpunkt wird die Außendarstellung der Trainer sein: Umgang mit Medien, Rhetorik, Kommunikation. Aber der Fußball steht über allem.

Der deutsche Fußball soll letztlich auch qualitativ verbessert werden. Welches Idealbild streben Sie an?


Das, was wir alle sehen wollen: attraktiven und erfolgreichen Fußball. Ein Mittel hierzu ist die Hennes-Weisweiler-Akademie in Köln, in welcher wir ausbilden. Die Akademie soll eine Art Hochburg des Wissens werden. Das bedeutet, dass dort nicht nur ausgebildet wird, sondern dass sich alle Trainer — auch die aktiven — immer an uns wenden können, um neue Erkenntnisse zu gewinnen. So ist eine stetige Weiterentwicklung möglich.

Da wären wir wieder beim Zwist zwischen DFB und Liga. Glauben Sie wirklich, dass sich die Bundesliga-Trainer von Ihnen belehren lassen?

Ich denke nicht, dass die Vorbehalte so groß sind wie sie zuletzt dargestellt wurden. Ich war erst kürzlich bei einem Treffen der Profitrainer. Die wollen doch nur klarmachen: Hallo, wir sind nicht hinterm Mond, sondern arbeiten auch schon wissenschaftlich. Wir wollen das Wissen nur erweitern. Beidseitig. Vielleicht kommt eines Tages Werder Bremen mit einer neuen Erkenntnis. Dann nehmen wir diese natürlich auf und stellen sie allen anderen zur Verfügung. Und wir werden nach neuen Erkenntnissen forschen und diese überprüfen.

Ist da leise Kritik an Ihrem Vorgänger Erich Rutemöller zu hören?

Im Gegenteil. Alles, was vorher war, war nicht schlecht. Wir versuchen nur zu verbessern und zu optimieren. Wir erfinden den Fußball nicht neu. Wir werden aber schauen, was machen andere, auch in anderen Sportarten. Außerdem wird Erich Rutemöller seine Erfahrung als Berater bei uns einbringen.

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