Frank-Walter Steinmeier im Interview

»Lafontaine bringt nichts«

Fußball ist gerade im Wahlkampf ein beliebtes Thema der Politiker. Volksnähe kann man so demonstrieren. Aber wie viel Leidenschaft steckt dahinter? Wir haben SPD-Kanzlerkandidat Frank-Walter Steinmeier auf den Zahn gefühlt. Frank-Walter Steinmeier im Interview

Herr Steinmeier, sich als Fußball-Fan zu geben, kommt im Wahlkampf immer gut. Wie können Sie beweisen, dass Sie den Sport nicht erst gestern entdeckt haben?

Soll ich Ihnen etwa das Vereinslied von Schalke vorsingen? Den Geruch von Umkleidekabinen kannte ich jedenfalls schon, da hatte ich mit Politik noch nichts zu tun. Ich bin mit Fußball groß geworden, hab selbst jahrelang im Verein gespielt. Und wenn Zeit ist, gehe ich noch heute gern ins Stadion.

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Wo haben Sie das WM-Finale 1974 erlebt?

Leider nicht im Stadion, aber immerhin in der Dorfkneipe. Deutschland-Niederlande … das war schon damals ein richtiges Traumfinale. Vor allem wenn wir gewinnen.

Wäre Franz Beckenbauer, der Star der Weltmeistermannschaft, heute ein guter Bundespräsident?

Gegenfrage: Wäre ich ein guter Fußball-Bundestrainer? Spaß beiseite: Franz Beckenbauer hat viel für den deutschen Fußball getan – Weltmeister als Spieler, Weltmeister als Trainer, Chef-Organisator der großartigen WM 2006. Aber ich glaube, der Volksmund hat recht: Schuster, bleib' bei deinen Leisten! Das würde bestimmt auch Beckenbauer unterschreiben.

Welcher Fußball-Akteur hätte denn das Zeug zum Politiker?

Es gibt im deutschen Fußball viele große Namen, gestandene Akteure, die auch jenseits des Spielfelds etwas voranbringen. Beispiel Ewald Lienen – wie er sich beim DFB für die Rechte von Spielern einsetzte und schließlich mit anderen erfolgreich eine Spielergewerkschaft gründete. Spieler, die so etwas hinbekommen, könnten auch in der Politik was bewegen.

Und andersherum? Lafontaine als Rechtsaußen? 

Nee, bringt nichts. Der lässt sich immer gleich auswechseln, wenn's ernst wird.

Wo liegen Ihre Stärken als Spieler? Wo Ihre Schwächen?

Langer Atem, Kämpferherz, keinen Ball und das Spiel nie verloren geben. Ob ich es technisch allerdings mit Maradona aufgenommen hätte ...

Haben sie jemals das Vergnügen gehabt, gegen Gerhard »Acker« Schröder zu spielen?

Leider nein! Unsere Heimatorte liegen zwar nur 15 km entfernt. Aber er hatte seine Laufbahn schon beendet, da ging's bei mir gerade los.

Was kann Joschka Fischer am Ball?

Sie sind doch das Fachblatt! Ich glaube, er war ein ganz guter Verteidiger. Und in der einen oder anderen Politikermannschaft hat er ja auch gekickt.

Werden Sie der Nationalmannschaft zum WM-Titel 2010 gratulieren können?

Das hoffe ich sehr.

Als Außenminister? Als Oppositionsführer? Oder als Bundeskanzler?

Ich setze auf Sieg – für unsere Fußballer und für mich!

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