16.04.2007

Frank Rost im Interview

„Ich habe Schalke abgehakt“

Eben noch auf dem Schalker Abstellgleis, ist Frank Rost nun dabei, sich und den HSV aus dem Abstiegssumpf zu befreien. Turbulente Zeiten, aber der ruhige Typ war Rost ja noch nie. Wir sprachen mit dem streitbaren Keeper.

Interview: Tim Jürgens und Jens Kirschneck Bild: Imago


Huub Stevens und Sie haben fast zeitgleich in Hamburg angefangen. Hat man da zwangsläufig ein besonderes Verhältnis?

Stevens hat mich ja schon damals zu Schalke geholt. Nur hat er mich nicht mehr erlebt, weil er dann nach Berlin gegangen ist. Als wir uns hier getroffen haben, hat er gesagt: »So schließt sich der Kreis.« Ich bin davon überzeugt, dass Stevens hier etwas aufbauen wird. Er hat den Punch und die Qualität dazu.

Welche Rolle hat Oliver Reck, der einst in Bremen ihr Konkurrent war und dann Co-Trainer in Schalke, in ihrer Karriere gespielt?

Der Olli hat bei meiner Verpflichtung durch Schalke bestimmt eine Rolle gespielt. Wir haben immer ein freundschaftliches Verhältnis gehabt und haben es übrigens auch heute noch.

Hat es durch Ihre Degradierung auf Schalke nicht gelitten?

Nein. Ich kenne ja Ollis Meinung zu dem, was passiert ist. Das reicht mir.

Der ehemalige Hamburger Trainer Ernst Happel hat mal gesagt: »Ein faules Ei vergiftet das ganze Nest.«

Heute wird bei den Transfers sehr auf die fußballerische Qualität geachtet. Es gibt Scouting und Datenbanken mit den Stärken und Schwächen der Spieler, aber was zu selten hinterfragt wird, ist, um was für einen Menschen es sich handelt. Ein Rehhagel, Schaaf oder Stevens achtet auch auf charakterliche Eigenschaften. Wie ist jemand als Person? Wie reagiert er, wenn es eng wird? Aus welchem Elternhaus kommt er? Fußball spielen können viele, aber leider gehört auch der Kopf mit dazu.

Wenn man mitten in der Saison zu einer Mannschaft stößt – übernimmt man dann sofort Verantwortung und präsentiert sich als Leitwolf?


Ich habe es zunächst mal vermieden, zu weit vorzupreschen. Nicht, dass die neuen Mitspieler sagen: »Was ist das denn für einer?« Wenn es schlecht läuft, musst du ohnehin deine Worte abwägen, weil jeder ziemlich empfindlich ist. Mir ging es in erster Linie darum, Gemeinsamkeiten zu entwickeln. Es kann viel bringen, wenn man nach dem Spiel mal gemeinsam Karten spielt oder Bier trinkt.

Und das findet jetzt statt?


Es geht um Kleinigkeiten. Dass einer, der sein Bundesligadebüt feiert, einfach mal einen ausgibt. Wir haben jetzt eine ganz andere Stimmung, das ist etwas, was Außenstehenden nicht leicht zu vermitteln ist. Auf einmal erfährst du Dinge über deinen Mitspieler, die du vorher nie wusstest. Dass zum Beispiel jemand bedrückt ist, weil seine Kinder in Frankreich sind und er sie nie sieht. Oder dass es der Mutter schlecht geht. So etwas erfahre ich nicht auf dem Platz. Natürlich sind Fußballmannschaften Zweckgemeinschaften, aber je näher du an das Ideal von den elf Freunden heran kommst, desto positiver wirkt sich das auf die Leistung aus.

Warum wird diesem Aspekt dann so wenig Wert beigemessen?


Es liegt doch auf der Hand, dass ein Team mehr erreichen kann, wenn die Chemie stimmt. Wir reden hier über ein Business. Das finde ich etwa an Rafael van der Vaart so toll, dass er trotz seiner Popularität und der Tatsache, dass er in den Medien immer den Aufmacher bekommt, die anderen respektvoll behandelt. Er ist viel mehr ein Teamspieler als der Superstar, als der er in der Öffentlichkeit verkauft wird.

Wird heute im Fußball zu sehr das Individuum geschätzt und zu wenig das Kollektiv?

Das sehe ich so. Die Medien feiern die Individuen, es hängt ein Marktwert daran, da kommt eines zum anderen. Es ist die Kunst des Trainers und des Managements, dem entgegenzuwirken. Du musst auch den Leuten, die im Keller die Kohlen schippen, das Gefühl geben, ein wichtiger Teil der Mannschaft zu sein.

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