14.11.2011

Frank Rijkaard im Interview

»Die Sex Pistols sind großartig«

Fußballer und Populärmusik? R&B in allen Formen, in schlimmeren Fällen Andrea Berg oder DJ Ötzi. Und doch gibt es Ausnahmen, die die Regel bestätigen. Etwa Frank Rijkaard. Ein ungewöhnliches Gespräch.

Interview: Oriol Rodríguez Bild: imago
Frank Rijkaard im Interview
Welche Platte würden Sie Ihren Spielern ans Herz legen?

Die beste Empfehlung ist, nichts zu empfehlen. Musik ist etwas sehr Persönliches, deshalb versuche ich niemanden davon zu überzeugen, was gut oder schlecht ist. Ich streite mich oft mit meinem Sohn darüber, der auch ein großer Musikfan ist, vor allem von Bands wie System of a Down. Wenn er mich fragt, ob ein Song gut oder schlecht ist, sage ich nur, dass ich darauf keine Antwort geben kann. Kann doch sein, dass ein Song, mit dem ich nichts anfangen kann, jemand anderem sehr viel bedeutet. Hauptsache, er setzt Emotionen frei.

Hören Sie unmittelbar vor einem Fußballspiel Musik?

Als Spieler habe ich das getan, da hat man eine Menge freie Zeit vor einem Match. Jetzt als Coach ist das anders, es gibt zu viel zu tun: Besprechungen mit den Spielern, dem restlichen Stab und so weiter.

Benutzen Sie Musik, um ihre Spieler vor einer Partie zu motivieren?

Nein. Man muss bedenken, dass so ein Kader aus mehr als 20 unterschiedlichen Charakteren besteht und alle haben unterschiedliche Persönlichkeiten und einen unterschiedlichen Musikgeschmack. Was den einen motiviert, kann den anderen entmutigen.

Wird in der Kabine über Musik gesprochen?

Das kommt vor. Einmal sind ein paar meiner Spieler sogar gemeinsam zu U2 gegangen, als die im Stadion des FC Barcelona gespielt haben. Angeführt wurden sie von Juliano Beletti, einem der größten U2-Fans überhaupt.

Was haben Sie aufgelegt, als Sie spanischer Meister wurden?

In solchen Momenten höre ich gerne etwas Ruhiges, Sanftes, vielleicht sogar Sentimentales oder Trauriges. Etwas, das einem dabei hilft, die Ereignisse noch mal Revue passieren zu lassen. Ein schönes Beispiel ist »Unplugged in New York« von Nirvana, eine sehr emotionale Platte. Wenn ich dagegen ein wichtiges Spiel verliere, brauche ich danach etwas Hartes, Elektronisches.

Und nach dem Gewinn der Champions League?

Morrissey oder The Smiths.

Welches war das beste Album in der Plattensammlung Ihrer Eltern?

Wie gesagt, als ich klein war, wurde bei uns Zuhause viel Soul gehört, Künstler wie Otis Reading oder die Temptations, dieser ganze tolle Motown-Kram.

Was war das beste Album der Siebziger?

Obwohl sie sich 1970 aufgelöst haben, würde ich »Let it Be« von den Beatles sagen. »Nevermind the Bollocks« von den Sex Pistols ist aber auch großartig.

Ein Album aus den Achtzigern?

Alles von XTC.

Und aus den Neunzigern?

Da gab es einen ganzen Haufen toller Bands. Ich liebe alles von Nirvana oder Pearl Jam. Nach mehr als einem Jahrzehnt klingen ihre Platten immer noch großartig.

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