Frank Rijkaard im Interview

»Die Sex Pistols sind großartig«

Fußballer und Populärmusik? R&B in allen Formen, in schlimmeren Fällen Andrea Berg oder DJ Ötzi. Und doch gibt es Ausnahmen, die die Regel bestätigen. Etwa Frank Rijkaard. Ein ungewöhnliches Gespräch. Frank Rijkaard im Interview
Heft #88 03/2009
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Frank Rijkaard Sie sich erinnern, welches die erste Platte war, die Sie je gekauft haben?

Ja, das war »Donna«. Eine Single einer Band namens 10CC. Ich habe sie gekauft, als ich acht oder neun war. Die ersten fünf oder sechs Monate habe ich immer nur die A-Seite gehört, bis ich herausfand, dass sich auch auf der B-Seite ein Stück befand. An den Namen kann ich mich nicht mehr erinnern, doch ich weiß noch, dass es ein Instrumental war.

Welche aktuellen Bands mögen Sie?

Im Augenblick mag ich Bands wie die Killers oder Bloc Party. Ich finde, dass die ein paar wirklich interessante Sachen gemacht haben. Eine andere Lieblingsband der letzten Jahre ist Coldplay.

Gibt es ein Album, das Ihr Leben verändert hat?

Jede Phase des Lebens hat ihre eigene Musik. Natürlich könnte ich jetzt sagen, ein Album von XTC, den Beatles oder irgendeinem Soulsänger, was die Musik war, die früher bei uns zu Hause gehört wurde. Ich mag Musik als solche, egal ob Pop, Rock, Soul oder Folk. Aber ehrlich gesagt: Was ich am meisten von allem liebe, ist Alternative Rock. Ein Album, das mein Verständnis von Musik grundlegend verändert hat, war etwa »Doolittle« von den Pixies. Später dann Nirvana oder Soundgarden. Ich habe dieses ganze Grunge-Zeugs sehr gemocht.

Wenn Sie sich entscheiden müssten: Welches wäre Ihre Lieblingsband?

Das verändert sich mit der Zeit. Neulich hätte ich noch Audioslave gesagt, doch dann haben sie sich aufgelöst. Wenn ich mich festlegen müsste, würde ich die Pixies nehmen, eine Band, die ich all die Jahre nie aufgehört habe zu hören.

Sind Sie ihnen mal begegnet?

Vor Jahren war ich auf einem Pixies-Konzert in Amsterdam und traf ihren Kopf und Sänger Frank Black. Er war sehr nett, wenngleich er weder etwas über Fußball wusste noch wer ich war. Auch bei einer Coldplay-Show in Barcelona wurde ich mal der Band vorgestellt. Doch meine Lieblingsbands persönlich zu treffen, ist nichts, worauf ich besonders viel Wert lege.

Haben Sie selbst in einer Band gespielt?

Jeder träumt als Heranwachsender davon, ein Rockstar zu werden, aber im Grunde wusste ich immer, dass ich Fußballer werden will. Ich liebe Musik, doch Fußball ist meine Leidenschaft.

Beherrschen Sie ein Instrument?

Beherrschen wäre zu viel gesagt, doch vor Jahren habe ich eine Gitarre gekauft, und ab und zu kommt ein Freund von mir vorbei –
ein wirklich guter Gitarrist – und versucht, es mir beizubringen. Das ist eine Beschäftigung, die ich sehr mag. Ich kann Stunde um Stunde damit verbringen, meine Lieblingssongs auf der Gitarre zu üben. Es wäre schön, wenn ich schon als Kind ein Instrument gelernt hätte.

Haben Sie je ein Album nur wegen des Covers oder der Art Work gekauft?

Nein, darauf lege ich keinen großen Wert. Ich öffne die Jewel Box und lege die CD in den Player. Ich interessiere mich ausschließlich für die Musik, zumal ich finde, dass die Cover beim Alternative Rock ziemlich scheußlich und alle recht ähnlich sind.

Wie entdecken Sie neue Bands?

Ich lese gerne Musikmagazine. Auf diese Weise habe ich die Deftones entdeckt. Ich habe ein Interview mit ihnen gelesen und fand gut, was sie sagten, es klang interessant. Außerdem mochte ich die Bands, mit denen sie verglichen wurden, deshalb habe ich ihre Platten gekauft. Ich muss sagen, dass ihr Album »White Pony« ein Meisterwerk ist. Als ich nach meiner aktiven Karriere zurück nach Holland kam, ging ich jahrelang in einen kleinen Plattenladen, wo sie mir neue, interessante Alben empfohlen haben. Manchmal habe ich die gekauft, ohne viel über die Bands zu wissen, einfach auf der Suche nach etwas, das mich überrascht. Die letzte Band, die mich auf diese Weise überrascht hat, war Queens of the Stone Age. Ein Muss.Welche Platte würden Sie Ihren Spielern ans Herz legen?

Die beste Empfehlung ist, nichts zu empfehlen. Musik ist etwas sehr Persönliches, deshalb versuche ich niemanden davon zu überzeugen, was gut oder schlecht ist. Ich streite mich oft mit meinem Sohn darüber, der auch ein großer Musikfan ist, vor allem von Bands wie System of a Down. Wenn er mich fragt, ob ein Song gut oder schlecht ist, sage ich nur, dass ich darauf keine Antwort geben kann. Kann doch sein, dass ein Song, mit dem ich nichts anfangen kann, jemand anderem sehr viel bedeutet. Hauptsache, er setzt Emotionen frei.

Hören Sie unmittelbar vor einem Fußballspiel Musik?

Als Spieler habe ich das getan, da hat man eine Menge freie Zeit vor einem Match. Jetzt als Coach ist das anders, es gibt zu viel zu tun: Besprechungen mit den Spielern, dem restlichen Stab und so weiter.

Benutzen Sie Musik, um ihre Spieler vor einer Partie zu motivieren?

Nein. Man muss bedenken, dass so ein Kader aus mehr als 20 unterschiedlichen Charakteren besteht und alle haben unterschiedliche Persönlichkeiten und einen unterschiedlichen Musikgeschmack. Was den einen motiviert, kann den anderen entmutigen.

Wird in der Kabine über Musik gesprochen?

Das kommt vor. Einmal sind ein paar meiner Spieler sogar gemeinsam zu U2 gegangen, als die im Stadion des FC Barcelona gespielt haben. Angeführt wurden sie von Juliano Beletti, einem der größten U2-Fans überhaupt.

Was haben Sie aufgelegt, als Sie spanischer Meister wurden?

In solchen Momenten höre ich gerne etwas Ruhiges, Sanftes, vielleicht sogar Sentimentales oder Trauriges. Etwas, das einem dabei hilft, die Ereignisse noch mal Revue passieren zu lassen. Ein schönes Beispiel ist »Unplugged in New York« von Nirvana, eine sehr emotionale Platte. Wenn ich dagegen ein wichtiges Spiel verliere, brauche ich danach etwas Hartes, Elektronisches.

Und nach dem Gewinn der Champions League?

Morrissey oder The Smiths.

Welches war das beste Album in der Plattensammlung Ihrer Eltern?

Wie gesagt, als ich klein war, wurde bei uns Zuhause viel Soul gehört, Künstler wie Otis Reading oder die Temptations, dieser ganze tolle Motown-Kram.

Was war das beste Album der Siebziger?

Obwohl sie sich 1970 aufgelöst haben, würde ich »Let it Be« von den Beatles sagen. »Nevermind the Bollocks« von den Sex Pistols ist aber auch großartig.

Ein Album aus den Achtzigern?

Alles von XTC.

Und aus den Neunzigern?

Da gab es einen ganzen Haufen toller Bands. Ich liebe alles von Nirvana oder Pearl Jam. Nach mehr als einem Jahrzehnt klingen ihre Platten immer noch großartig.

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