16.02.2007

Frank Pagelsdorf im Interview

„Ich ging durch ein Stahlbad“

Frank Pagelsdorf und Hansa Rostock: Das passt, so scheint es. Doch der Coach weiß, dass es im Fußballgeschäft keine Eheversprechen gibt. „Das eigene Schicksal hängt von vielen Dingen ab“, sagt er im Gespräch mit 11freunde.de.

Interview: Dirk Gieselmann Bild: Imago


Wie würden Sie die Mentalität des Rostockers beschreiben?

Mit den Attributen Ehrlichkeit und Treue.

Ein kostbares Gut.

Ich will es mal so formulieren: Damit ein Spieler sich voll entfalten kann, ist es wichtig, dass er sich in einem Umfeld wohl fühlt. Das trifft wohl auch auf mich als Trainer zu.

Auch zwischen 1997, dem Ende Ihres ersten Vertrags bei Hansa, und 2005 ist der Kontakt zwischen Ihnen und dem Verein nie abgerissen. Hansa Rostock und Frank Pagelsdorf – ist das ein Bund fürs Leben?

(lacht) Das weiß man ja nie so genau! Es ist ein schnelllebiges Geschäft und das eigene Schicksal hängt von so vielen Dingen ab. Außerdem muss man immer sehen, ob es eine Weiterentwicklung gibt, die eine Vertragsverlängerung sinnvoll macht. Ich würde mich also – weder als Trainer noch als Vereinsverantwortlicher – niemals hundertprozentig festlegen.

Gerade im Angesicht der Schnelllebigkeit braucht man als Trainer ein dickes Fell.

Das ist die wichtigste Eigenschaft. Bei jedem Verein steht man unter einem enormen Druck. Dann muss man über gewisse Dinge, die man ohnehin nicht beeinflussen kann, hinwegsehen und sich sagen: Nichts ist älter als die Zeitung von gestern.

Kann man das lernen?

Es ist von Vorteil, wenn man gewisse Erfahrungen schon mitbringt. Ich kann von mir sagen, dass ich durch ein Stahlbad gegangen bin.

Sie meinen Ihre Zeit beim HSV von 1997 bis 2001.

Ich möchte das auf keinen bestimmten Verein beziehen. Auch bei Rostock habe ich schon kritische Phasen durchlebt. Diese zu überstehen, macht einen umso stärker.

Vor dieser Saison ist auch Stefan Beinlich nach Rostock zurückgekehrt. Welche Rolle spielt er in Ihrem Mannschaftsgefüge?

Eine sehr große. Er kennt den Verein, er kennt das Umfeld. Er hat sich in seiner ersten Zeit bei Hansa sehr wohl gefühlt. Das war auch ein Grund, warum er zurückgekommen ist. Damals hat er den Aufstieg mitgeschafft, und er hat den großen Ehrgeiz, das noch einmal zu schaffen. Darüber hinaus ist er ein Spieler mit Champions-League-Erfahrung. Wo gibt’s das in der Zweiten Liga?

Ist Beinlich auch deshalb so wichtig, weil er ein Bindeglied zwischen Ihnen und der Mannschaft ist? Ihre aktive Zeit liegt immerhin schon 18 Jahre zurück.

Ja, Stefan ist nicht umsonst unser Kapitän. Dazu gehören aber auch Matthias Schober, Michael Hartmann und René Rydlewicz, allesamt Spieler mit einer großen Erfahrung und einem hohen Ansehen in der Mannschaft.

Was hat sich gegenüber Ihrer aktiven Zeit rein spielerisch am meisten verändert?

Das Tempo. Wenn man sich Spiele von früher anschaut, etwa von 1974, dann sieht man: Da wurde auch guter Fußball gespielt, aber man hatte viel mehr Zeit, einen Ball anzunehmen. Heute wird der Ballführende gleich von zwei, drei Spielern attackiert. Das Tempo ist wirklich enorm hoch geworden.

Könnte ein Spieler wie Sie – Sie wurden ja mit Günter Netzer verglichen – sich heute noch im Profifußball durchsetzen?

(lacht) Ich hoffe ja! Aber es wäre schwierig. Egal ob Stürmer oder Spielmacher: Niemand kann mehr vorne stehen bleiben, heute muss sich jeder an der Defensive beteiligen. Da muss man sich nur mal die Laufarbeit von Miroslav Klose anschauen. Der steht eben nicht vorne rum und wartet. Günter Netzer und ich müssten uns also gewaltig umstellen.

Würden Sie den jungen Frank Pagelsdorf denn trotzdem aufstellen?

Unbedingt.
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