16.03.2008

Frank Pagelsdorf im Interview

»Ich will mal die Schale halten«

Mühsam ernährt sich das Eichhörnchen. Das weiß niemand besser als Rostocks Trainer Frank Pagelsdorf. Und doch hat er große Ziele: Er will Hansa zum besten Ausbildungsverein Deutschlands machen – und nebenbei nach den Sternen greifen.

Interview: Michael Rosentritt und Sven Goldmann Bild: Imago
Was bietet Hansa außer frischer Luft und Ostseestrand?

Schauen Sie sich um: die Geschäftsstelle, das Internat, das Stadion, die Trainingsbedingungen und die Atmosphäre hier. Und, die Spieler, ob noch nicht entdeckte oder zu Ende entwickelte stehen nicht unter dem Druck, den sie in einer Großstadt wie in München, Hamburg oder Berlin hätten. Wenn einer zwei Eigentore schießt, wird ihm nicht der Kopf abgerissen. Und wir versuchen, methodisch neue Wege zu gehen.

Indem Sie die Spieler zu Pflichtbesuchen bei Zahnarzt und Fußpflege schicken?

Pardon, aber daran finde ich gar nichts komisch. Was glauben Sie, wie viele Muskelverletzungen ihren Ursprung in vereiterten Zähnen haben? Ich habe das in meiner aktiven Karriere am eigenen Leib gespürt, mir haben vorn die Schneidezähne ziehen müssen, sozusagen den kompletten Innensturm. Und was die Füße betrifft: Das sind die wichtigsten Instrumente eines Fußballprofis. Ein Konzertpianist setzt sich auch nicht mit geschwollenen Händen ans Klavier.

Den obligatorischen Mentaltrainer…

… haben wir natürlich auch im Programm. Außerdem arbeiten wir mit Leichtathletiktrainern und Osteopathen zusammen. Und wir haben für die Spieler einen kompletten Arbeitstag eingerichtet. Die bleiben von morgens bis abends und bekommen mittags ein Essen, das sie zur Hälfte selbst bezahlen. Der nächste Schritt wird irgendwann ein eigener Koch sein, aber das ist noch nicht bezahlbar. Wir arbeiten mit unseren bescheidenen Mitteln täglich dran, das Gesamtgebilde zu optimieren. Das wird honoriert. Schon jetzt fragen viele Qualitätsspieler über ihre Berater bei uns an.

Sie wollen Deutschlands bester Ausbildungsverein werden.

Das ist unsere Nische. Wir können nicht auf einen warten, der eine Ölpipeline hat und uns das Geld bringt. Und wenn man das als Konzeption begreift, dann akzeptiert man auch, dass Spieler irgendwann auch weggehen, so wie es im vergangenen Sommer bei Gledson war oder wie es im kommenden Sommer bei Marc Stein der Fall sein wird, der zu Hertha geht.

Verfolgen Sie die Entwicklung in Berlin? Hertha BSC war recht erfolgreich bei der Heranbildung talentierter Spieler, aber die besten sind längst weg.


Tut mir leid, aber das interessiert mich nicht. Wir haben unsere eigenen Erfahrungen und die müssen wir auch machen. Schauen Sie sich Toni Kroos an, der ja vor einem Jahr zum FC Bayern ging. Und Sie wissen ja, dass dort ein starkes Interesse an seinem Bruder Felix besteht. Felix hat bei uns einen Vertrag bis 2011. Und er hat uns gesagt, dass er diesen auch erfüllen wird.

Hatten Sie nicht auch gehofft, Toni Kroos behalten zu können?

Bei einem Spieler seiner Qualität haben wir keine Chance gehabt. Wenn Toni gesund bleibt, wird das ein Nationalspieler.

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