16.03.2008

Frank Pagelsdorf im Interview

»Ich will mal die Schale halten«

Mühsam ernährt sich das Eichhörnchen. Das weiß niemand besser als Rostocks Trainer Frank Pagelsdorf. Und doch hat er große Ziele: Er will Hansa zum besten Ausbildungsverein Deutschlands machen – und nebenbei nach den Sternen greifen.

Interview: Michael Rosentritt und Sven Goldmann Bild: Imago
Herr Pagelsdorf, Hansa Rostock hat ein kleines Punktepolster zu den Abstiegsplätzen. Sie könnten gut gelaunt in das Spiel gegen Hertha BSC gehen und wirken doch sehr unglücklich. Was ist passiert?

Das können Sie sich doch denken. Die Verletzung von Stefan Beinlich hat mich schwer getroffen. Das ist ja nicht irgendein Spieler, sondern unser vielleicht wichtigster. Und einer, dessen Karriere ich von Anfang an verfolgt habe.



Stefan Beinlich hat 1995 sein erstes Bundesligaspiel gemacht. Schon damals in Rostock, schon damals unter dem Trainer Frank Pagelsdorf…

… und das vor einer Woche in Duisburg soll sein letztes gewesen sein? Nein, damit finde ich mich noch nicht ab.

Sie sind 1995 gemeinsam mit Hansa in die erste Liga aufgestiegen, hatten Rostock beide zwischenzeitlich verlassen und haben gemeinsam im vergangenen Jahr noch einmal den Aufstieg geschafft.

Das verbindet. Aber es ist ja nicht nur eine emotionale Sache, wir reden hier auch über einen hervorragenden Fußballspieler. Stefan hatte großen Anteil am Aufstieg. Er hat die Mannschaft geführt.

Beinlich hat einen Meniskus- und Knorpelschaden im Knie. Das ist eine schwere Verletzung, dazu ist er schon 36 Jahre alt. Trotzdem nehmen Sie das Wort Karriereende nicht in den Mund.

Ich weiß, dass Stefan eigentlich nach dieser Saison aufhören wollte. Und ich weiß, dass ich einiges an Überzeugungskraft aufbringen muss, wenn ich ihn von dieser Entscheidung abbringen will. Aber ich werde nichts unversucht lassen.

Als Beinlich vor knapp zwei Jahren aus Hamburg nach Rostock zurückkehrte, war die Situation genau andersherum. Damals musste er Sie überreden.

Das war schon eine kuriose Sache. Stefan ist uns damals angeboten worden, aber intern hatten wir uns eigentlich tendenziell gegen ihn entschieden. Wir dachten, wir wären wirtschaftlich gar nicht in der Lage, diesen Transfer zu stemmen.

Dann hat er Sie angerufen…

.. und um ein Gespräch gebeten. Er hat gesagt: Trainer, am Finanziellen wird es nicht scheitern. Dabei hatte der HSV ihm ein neues Angebot gemacht, er hätte dort nach seiner Karriere im Nachwuchsbereich arbeiten können. Ich wusste in etwa, was er in Hamburg verdient hatte. Aber er wollte unbedingt nach Rostock, um mit Hansa noch einmal aufzusteigen. Das hat mich beeindruckt.

Wie oft winkt Hansa schon von vornherein bei Spielern ab, die zwar ins Konzept passen, aber unfinanzierbar erscheinen?

Das erleben wir beinahe täglich. Aber manchmal bekommen wir über die persönliche Schiene Sachen hin, die sonst nie klappen würde.

Zum Beispiel im Falle des Brasilianers Gledson, den Sie jetzt zum zweiten Mal nach Rostock geholt haben.

Gledson kannte ich aus Osnabrück. Als ich ihn im Sommer 2005 anrief, war er gerade im Auto unterwegs nach Polen, wo er einen guten Vertrag unterschreiben wollte. Er ist sofort umgedreht und nach Rostock gefahren. Gledson wollte unbedingt in die Bundesliga. Das war unser Vorteil.

Wie viel Kuriosität benötigen Sie, um Spieler für den FC Hansa zu begeistern?

Beinlich und Gledson sind extreme Beispiele. Wir haben nicht das große Geld. Unser Faustpfand sind die Bedingungen, die wir mittlerweile bieten können.

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